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Sonntag, 11. Juni 2017

Das Kopftuch freiwillig tragen


"Jede Frau hat das Recht ein Kopftuch zu tragen, wenn sie das will.
- Ein Problem ist es nur dann, wenn sie es MUSS und dazu gezwungen wird das Kopftuch zu tragen.
Aber einfach davon auszugehen, dass jede Kopftuchträgerin dazu gezwungen wird ein Kopftuch zu tragen, ist schlicht Blödsinn. "





Ich finde das Tragen des Kopftuches und die Entscheidung es tragen zu wollen, sollte immer freiwillig sein. Eine Frau sollte das Kopftuch tragen, weil sie es selbst tragen will und gerne ein Kopftuch tragen möchte. Sie sollte es nicht tragen, weil andere es von ihr wollen oder meinen, daß sie es tragen müsste. Es sollte wirklich ihre eigene freie Entscheidung sein, ein Kopftuch zu tragen - und auch kulturelle, traditionelle, familiäre oder religiöse Gründe sollten bei dieser Entscheidung hinten an stehen. Eine Frau sollte ganz genau wissen, warum sie es trägt oder tragen will und sie sollte auch genau wissen, was das Kopftuch (ihr) bedeutet - und sie sollte sich voll und ganz darüber bewusst sein, was es für Folgen für sie hat, wenn sie es trägt, denn ein Kopftuch zu tragen bringt ja einiges an Veränderungen, Regeln, Einschränkungen und Beschränkungen mit sich - sie sollte also vorher genau wissen, worauf sie sich dabei einlässt. Wenn alles für sie passt, dann ist es vollkommen okay, wenn sie damit anfängt ein Kopftuch zu tragen. Aber wenn es einen oder sogar mehrere Punkte gibt, die dagegen sprechen würden ein Kopftuch zu tragen, dann sollte sie es lieber lassen. Und vor allem sollte eine Frau auch das Recht haben, sich gegen das Kopftuch entscheiden zu können - und vor allem es auch zu dürfen.
Sicher, wenn es “nur” ein Grund ist, der dagegen spricht, dann kommt es natürlich darauf an, wie gravierend dieser eine Grund ist - wenn er nicht so gravierend ist, dann könnte man ja eventuell auch Kompromisse eingehen. Aber die Bereitschaft dazu, diese Kompromisse einzugehen und die Entscheidung, dazu diese Kompromisse zu machen, um das Kopftuch trotzdem zu tragen, sollten allein von der Frau selbst kommen - ist sie also nicht bereit da irgendwelche Kompromisse einzugehen, dann sollte sie das mit dem Kopftuch lassen und das sollte auch akzeptiert und respektiert werden.
Oder wenn der Partner es sich wünscht oder es gar von seiner Ehefrau verlangt, dass sie ein Kopftuch trägt, dann kann sie ihm diesen Gefallen natürlich tun - und es als Liebesdienst oder Liebesbeweis ansehen. Aber letzten Endes liegt es ganz alleine an der Frau selbst, ob sie ihm diesen Gefallen auch tun möchte. Wenn sie das aus verschiedenen Gründen nicht will, oder das Kopftuch nur zu besonderen Anlässen und Gelegenheiten tragen möchte, dann sollte er das auch akzeptieren und respektieren.
Ich finde es generell falsch, wenn Mädchen und Frauen dazu gezwungen werden ein Kopftuch zu zeigen, sei es nun durch die Eltern, den Ehemann, die Familie im allgemeinen, von Freunden oder Bekannten oder durch kulturelle, traditionelle oder religiöse Zwänge. Oder wenn die Frauen von noch höherer Ebene, z.B durch Gesetze dazu verpflichtet / gezwungen werden, ein Kopftuch zu tragen und ihren Körper zu verhüllen. Sicher gibt es solche Gesetze nur in muslimischen Ländern, wo die meisten Frauen sich allein schon wegen ihrer Religion und ihrem Glauben so kleiden - das macht es aber nicht gerade besser, denn da es Gesetz ist und gesetzlich vorgeschrieben ist, heißt das auch, daß eine Frau bestraft werden kann - und auch bestraft wird - wenn sie sich nicht so kleiden möchte.
Aber genauso falsch würde ich es finden, wenn hier bei uns das Kopftuch per Gesetz verboten werden würde und Frauen somit gezwungen werden kein Kopftuch zu tragen, bzw. das Kopftuch gesetzlich vorgeschrieben nicht tragen dürfen, ganz egal aus welchen Gründen sie es tragen wollen oder welcher Religion sie angehören. Das würde unsere ganze Freiheit, die wir hier haben, in Frage stellen, denn bisher ist es ja so, daß jede/r sich so kleiden darf wie er/sie will, solange man mit seinem Outfit und Kleidung andere nicht stört oder belästigt, indem man sich z.B auf obszön / frivole Weise präsentiert - was allerdings auch noch nicht unbedingt ein Problem ist, solange niemand die Polizei ruft und Anzeige erstattet.
Also bevor man das Kopftuch verbietet, sollte man es lieber verbieten und unter Strafe stellen, daß Mädchen und Frauen dazu gezwungen werden ein Kopftuch zu tragen. Man sollte die Mädchen und Frauen aus diesen Kulturkreisen dazu ermächtigen und ermutigen, selbst zu entscheiden und entscheiden zu dürfen ob sie ein Kopftuch tragen wollen oder nicht. Man sollte bei beiden Seiten das Bewusstsein schärfen, daß hier bei uns niemand dazu gezwungen werden darf, ein Kopftuch tragen zu müssen und daß sie hier auch kein Kopftuch tragen brauchen oder müssen, wenn sie es nicht wollen. Vielmehr sollte man vielleicht Beratungs- und Anlaufstellen für Frauen und Mädchen einrichten, die dazu gezwungen werden, ein Kopftuch zu tragen. Wenn sowas überhaupt angenommen wird, denn die Zahl der Frauen und Mädchen die dazu gezwungen werden, ein Kopftuch zu tragen, ist vermutlich wohl eh viel kleiner, als uns die öffentliche Meinung weis machen will - der Großteil der Frauen, die ein Kopftuch tragen, trägt es vermutlich eh freiwillig und aus eigener Entscheidung heraus, weil sie es tragen wollen. Und die Frauen, die es nicht ganz freiwillig tragen, arrangieren sich erfahrungsgemäß irgendwie damit, daß sie es tragen müssen und machen das Beste draus, so daß es bald keine Rolle mehr spielt, ob sie es tragen wollen oder möchten - sie tragen das Kopftuch und es ist okay für sie - irgendwie.
Opimal ist das natürlich nicht als Kopftuchträgerin kann man nur glücklich sein, wenn man es wirklich tragen will und möchte und wenn man es freiwillig und von sich aus trägt - nur dann kann man ein überzeugtes und glückliches Kopftuchmädchen sein.
Was ist allerdings mit den Frauen, die sich nach ihrer Entscheidung ein Kopftuch zu tragen, dazu verpflichtet fühlen, es zu tragen - sei es nun aus traditionellen, kulturellen, persönlichen, familiären, romantischen, religiösen oder spirituellen Gründen — ist DAS dann nicht auch eine Form von MUSS oder Zwang?! Nicht unbedingt, denn wenn eine Frau sich freiwillig dafür entscheidet ein Kopftuch zu tragen UND ihr von vornherein bewusst ist, daß sie damit auch eine Verpflichtung eingeht, das Kopftuch aus einem oder mehreren von den zuvor genannten Gründen ständig tragen zu müssen, dann weiß sie ja bei Ihrer Entscheidung für das Kopftuch, das sie damit auch eine Verpflichtung es zu tragen eingeht - und diese Verpflichtung ist somit auch Teil ihrer Entscheidung. Es steht ihr also frei, sich für das Kopftuch zu entscheiden und damit auch die Verpflichtung einzugehen es zu tragen - oder sich gegen das Kopftuch und die Verpflichtung es zu tragen, zu entscheiden. Das ist somit ein notwendiges MUSS, was dazugehört, also quasi ein gewolltes und akzeptiertes MUSS.
Ich selbst kenne zumindest keine Frau, die dazu gezwungen wird ein Kopftuch zu tragen oder sich nicht wohl damit fühlt. Die Kopftuchträgerinnen, die ich kenne tragen es alle freiwillig und aus freien Stücken und es war ihre eigene Entscheidung es zu tragen.

Und auch ich selbst trage mein Kopftuch freiwillig, weil ich es tragen will und möchte und es zu tragen war meine Entscheidung ganz alleine. Und da ich Deutsche und Christin bin, konnte ich meine Entscheidung ganz unabhängig von irgendwelchen sozialen, gesellschaftlichen, kulturellen, traditionellen, familiären oder religiösen Zwängen oder Überzeugungen fällen. Ich hatte nur die fixe Idee unbedingt ein Kopftuch tragen zu wollen. Nachdem ich dann die Gelegenheit hatte, das Kopftuch probeweise einmal für einen​ längeren​ Zeitraum ständig im ganz normalen Alltag zu tragen, war ich einfach nur begeistert davon. Wie die bedeckende Mode und das Kopftuch an mir aussahen, das Tragegefühl, meine eigenen Gefühle beim Tragen bzw. wie ich mich selbst so gekleidet fühlte und die eher gleichgültigen Reaktionen der Leute (und Jungs / Männer) auf mich als Kopftuchträgerin, das gefiel mir alles sehr gut. Und ich wußte nach dieser “Probezeit”, daß ich das Kopftuch wirklich tragen will und möchte. Und nach dieser “Probezeit” war das verlangen danach, ein Kopftuch tragen wollen so groß, daß ich dem einfach nachgeben mußte und mich für das Kopftuch entschied. Da es eher eine persönliche Entscheidung auf Basis von Mode, Tragegefühl und dem ganzen drumherum war, war es für mich okay es auch als Christin zu tragen. Mir hat da keiner reingeredet, daß ich es tragen soll - mir wollten das eher diverse Leute (die allerdings mit meiner “Probezeit” kein Problem hatten) wieder Ausreden, aber für mich stand meine Entscheidung schon fest und es war mir damals egal was die Leute sagen, ich wollte es unbedingt tragen, mein eigenes Ding machen und machen was mir gefällt - eben anders sein als die anderen.
Nach meiner offiziellen Entscheidung für das Kopftuch, fühlte ich mich natürlich dazu verpflichtet, es ständig zu tragen - das gehört für mich dazu. Wenn man sich erstmal für das Kopftuch entschieden hat, dann MUSS man es auch ständig tragen - immer und überall, ganz egal, wo man hingeht. Aber das war mir vorher schon klar, daß aus dem wollen und möchten ein MUSS wird, sobald ich mich offiziell dafür entschieden habe ein Kopftuch zu tragen. Trotzdem trage ich es immer noch freiwillig, weil ich es tragen will und möchte - auch wenn ich mich mittlerweile aus diversen Gründen dazu verpflichtet fühle mein Kopftuch zu tragen und es deshalb tragen muss. Aber dieses MUSS basiert auf meiner eigenen Einstellung zum Kopftuch und meinen eigenen Vorstellungen davon, wie ich mein Kopftuch tragen will und möchte, es ist also mein ganz persönliches MUSS - d.h. es kommt von mir selbst und nicht von außen von anderen und das ist ein großer und wichtiger Unterschied.



Durch das Kopftuch habe ich meinen eigenen (christlichen) Glauben an Gott wieder entdeckt und wieder gefunden und ich bin mittlerweile auch zu der Überzeugung gelangt, daß ich auch als Christin in der Öffentlichkeit ein Kopftuch tragen und meinen Körper bedecken sollte und muss - das ist für mich als brave Frau und gute Christin anständiger, sittsamer und züchtiger. Für gewöhnlich bin ich ja auch ein braves und anständiges Kopftuchmädchen, wenn ich außer Haus bin, in der Öffentlichkeit, unter fremden Leuten gehört sich das ja auch so. Freizügig, ungezogen, unanständig und unzüchtig bin ich nur zu Hause im privaten Bereich, wo ich das auch darf und so sein kann wie ich will und wie ich bin.
Aber mittlerweile trage ich mein Kopftuch eben auch aus religiösen oder zumindest aber aus spirituellen Gründen, um Gott zu gehorchen und zu dienen und ihm meinen Respekt zu zeigen. Ich fühle mich mit dem Kopftuch Gott näher und fühle mich von ihm begleitet und beschützt. 



Es gibt ja auch im Christentum ein entsprechendes “Kopftuchgebot” oder zumindest Regeln, nach denen sich die Frau anständig und sittsam kleiden soll, ihren Körper und ihre weiblichen Reize bedecken soll UND nach Möglichkeit auch ihren Kopf und ihre Haare mit einer Kopfbedeckung (z.B. Kopftuch) bedecken soll. Was ich durchaus auch sehr gut und sinnvoll finde, allerdings ist das (leider) bei den meisten Christen / Christinnen mittlerweile in Vergessenheit geraten und hat (leider) so gut wie gar keine Bedeutung mehr und wird nicht mehr beachtet. Und wer sich dennoch daran hält, wie ich, wird oft müde belächelt und als verrückt und seltsam abgestempelt. 



Ich trage es, weil ich als anständige und gläubige Frau erkannt und nicht​ wegen meines Aussehens belästigt werden möchte - außerdem signalisiere ich mit der Bedeckung meiner weiblichen Schönheit und dem verstecken der weiblichen Reize meines Körpers, daß ich nicht zum flirten bereit bin und kein Interesse an Männerbekanntschaften habe. 

Ich halte mich, was Kopftuch und Kleidung angeht, am liebsten an die muslimischen Regeln und Vorschriften, da diese doch sehr ausführlich und eindeutig sind - auch was das Benehmen und Verhalten der Kopftuch-tragenden Frau angeht. Ich finde das auch durchaus legitim, da Christen und Muslime ja an den gleichen, oder besser gesagt an denselben Gott glauben und es für eine Christin genauso gut und richtig ist, sich so wie eine Muslima zu kleiden. Außerdem haben Muslime, bzw. Musliminnen eine genauere Vorstellung davon, WARUM eine Frau sich überhaupt bedecken und ein Kopftuch tragen sollte. Hier ist das Warum und Wie einfach genauer und besser geregelt und erklärt als im Christentum. Man muss sich halt nur ein wenig damit beschäftigen und sich das herausziehen, was einem selbst wichtig ist. Allerdings muss ich natürlich zugeben, daß man es als Christin, die ein Kopftuch trägt oder tragen will, einfacher und leichter hat, als eine Muslima. Denn im Christentum ist die Kopfbedeckung / das Kopftuch wirklich freiwillig, während es im Islam (fast schon) als religiöse Pflicht angesehen wird es zu tragen - und auch wenn es eigentlich keinen Zwang im Glauben gibt (geben sollte), so ist es für eine Frau doch schwierig, sich dem Thema Kopftuch zu entziehen, während es im Christentum genau andersrum ist: es tragen kaum Frauen Kopftuch und dafür haben es die wenigen, die es gerne tragen wollen schwer.
Als Christin wird man schief angeschaut, wenn man ein Kopftuch trägt oder tragen will, während man als Muslima schief angeschaut wird, wenn man keins trägt oder keins tragen will.
Verkehrte Welt, soll es doch jede machen, wie sie es gerne machen möchte, wie es ihr am Besten gefällt und wie sie sich am wohlsten fühlt - ganz unabhängig davon, was andere meinen oder wollen, denn was geht es andere an, ob ich ein Kopftuch trage oder nicht?! Es ist schließlich mein Körper und mein Leben.
Ich trage nun schon seit 16 Jahren offiziell Kopftuch und lebe nun seit 16 Jahren unter dem Kopftuch und ich habe es bisher nie wirklich bereut, daß ich mich für das Kopftuch entschieden habe. Ich finde es sehr interessant, reizvoll und faszinierend, mit meinem Kopftuch unterwegs zu sein. Ich fühle mich sicher und beschützt damit und es gibt mir ein Gefühl der Macht und Kotrolle, darüber, was andere von mir und meinem Körper sehen können und dürfen. 



Und ich bin wirklich froh, dass ich, eine Partnerin habe, die es akzeptiert, daß ich ein Kopftuch trage - ihr gefällt es sehr gut, daß ich es trage und sie unterstützt das auch, wo sie kann. Manchmal trägt sie sogar selbst ein Kopftuch, wenn wir zusammen weg gehen (spazieren, shoppen, Essen gehen, Freundinnen besuchen). Das fühlt sich zwar immer etwas komisch an, weil ich ja eigentlich die Kopftuchträgerin bin und sie es nur vorübergehend trägt, aber es ist trotzdem irgendwie cool und schön, wenn wir beide so unterwegs sind.
Der fairness halber muß ich natürlich sagen, daß es meinem Ex-Freund / Verlobten, mit ich vorher lange zusammen war und zusammen gelebt habe, auch gut gefallen hat, daß ich ein Kopftuch trage. Er hat es akzeptiert und respektiert, daß seine Partnerin eine Kopftuchträgerin ist und er mochte das wirklich sehr gerne. Es gehörte für ihn zu mir und er fand es wirklich toll, auch weil er meinen Anblick nicht mit anderen Männern teilen mußte. Nach einer Weile gehörte das einfach zu unserer Beziehung, daß ich Kopftuch trage und es wäre für ihn undenkbar gewesen, daß ich es plötzlich nicht mehr trage. Dabei ist er Christ wie ich und hatte mit dem Thema eigentlich vorher nichts am Hut. Dennoch verlangte er es förmlich von mir, daß ich mein Kopftuch weiterhin für ihn trage, auch wenn er das natürlich nicht so direkt gesagt hat, aber das war okay für mich, da ich es ja eh tragen wollte.
Meiner jetzigen Partnerin und Ehefrau ist es mittlerweile auch sehr wichtig geworden, daß ich ein Kopftuch trage - es gehört für sie ebenfalls untrennbar zu mir und sie genießt es sehr, daß Männer mich nicht ohne Kopftuch sehen dürfen und daß ich mein Kopftuch auch vor den meisten anderen Frauen trage und sie so meinen Anblick nicht teilen muß und das für dich hat und sich so auch keine "Sorgen" machen muss. Insbesondere das mich Männer nicht ohne mein Kopftuch sehen dürfen, weil ich rbrn eine Frau bin findet sie toll - und passend, weil ich ja in einer lesbischen Beziehung lebe und mit einer Frau verheiratet bin und somit (obwohl BI) selbst auch bekennende Lesbe bin, da ist es doch sehr cool und passend, daß Männer mich nicht ohne Kopftuch sehen dürfen.
Sie findet es toll mit einem Kopftuchmädchen liiert zu sein und verlangt mittlerweile auch ganz offen von mir, daß ich mein Kopftuch für​ sie trage und daß ich es auch weiterhin trage und nicht einfach so damit aufhöre. Das macht sie aber auch nur, weil sie meine Einstellung zum Kopftuch kennt und weiß, daß ich es gerne tragen möchte und will und es so oder so tragen würde. Denn das sie von mir verlangt das Kopftuch für sie zu tragen, bedeutet ja indirekt auch, daß sie mir vorschreibt es zu tragen. Aber das ist okay für mich, denn sie ist schließlich meine Ehefrau und ich trage mein Kopftuch gerne für sie und bin gerne ihr Kopftuchmädchen. Und so weiß ich wenigstens, daß es ihr gefällt, daß sie es akzeptiert und daß es ihr wichtig ist, daß ich es trage - und ich habe so einen guten Grund mehr es zu tragen und es tragen zu müssen. Außerdem trägt sie ja selbst hin und wieder mal ein Kopftuch und weiß was sie da von mir verlangt. Und sie hat mir zuliebe vor einiger Zeit aufgehört Jeans und Hosen anzuziehen und trägt seitdem fast nur noch Röcke und Kleider, weil mir das wichtig war, daß sie sich als Frau und meine Partnerin so kleidet - da kann sie das dann auch ruhig von mir verlangen und da muß ich dann halt auch Zugeständnisse machen. 
Aber wie gesagt, ich will und möchte das Kopftuch sowieso tragen und bin Kopftuchträgerin und Kopftuchmädchen aus Leidenschaft und Überzeugung - da macht es keinen großen Unterschied, ob sie nun von verlangt es für sie zu tragen oder nicht - es gibt dem ganzen nur einen größeren Stellenwert und mehr Gewicht und Bedeutung.

Wie dem auch sei, es geht mir darum, dass ICH mich wohl fühle in meiner Kleidung wohlfühle. Genauso wie es Frauen ohne Kopftuch wichtig ist, sich in ihren Klamotten auch wohlzufühlen.
Und ich fühle mich nunmal nur (noch) MIT Kopftuch wohl. Egal ob man mich mit Kopftuch für “NOT so hot" halten würde, ich will ja auch gar nicht, daß man(n) mich für HOT hält, denn da ich ja eine Frau bin werden hauptsächlich Männer nach mir sehen und beurteilen, ob ich in ihren Augen ”Hot or Not” bin.
Das will ich aber gar nicht, da ich in festen Händen bin und außerdem wäre das auch unpassend, da ich ja mit einer Frau verheiratet bin - aber selbst, wenn ich mit einem Mann zusammen wäre, wäre es unangebracht, wenn ich mich in der Öffentlichkeit von anderen Männern “begutachten” und begaffen lassen würde.
Aber mir ist das sowieso egal, was andere Menschen von meinem Aussehen halten (was nicht heißen soll, dass ich wie 'ne Vogelscheuche durch die Gegend laufe), wenn ich mich schön anziehe, dann nur, damit ich mich selbstbewusst und gut fühle. Denn nur wenn ich mich in meiner Haut wohlfühle (= Kopftuch, schöne Kleidung und ein gepflegtes Äußeres), kann ich auch selbstbewusst sein.
Ich ziehe mich also nur für mich selbst - und für meine Ehefrau - schön an, für niemand sonst. Und was mein Kopftuch und meine Kleidung verbergen und verstecken ist ja auch nicht für fremde Augen bestimmt, sondern geht nur mich und meine Partnerin was an. 
Und ich trage mein Kopftuch freiwillig, weil ich es tragen möchte und tragen will. Es hat eine besondere Funktion und eine spezielle (spirituelle) Bedeutung für mich. Daß ich das Kopftuch tatsächlich ständig tragen MUSS ist auch meine eigene freie Entscheidung und Einstellung dazu und meine ganz persönliche Kopf-Sache, denn niemand zwingt mich dazu mein Kopftuch zu tragen - außer mir selbst natürlich. 





Nachtrag über das "Kopftuch tragen MÜSSEN":Ich erwähne des öfteren, daß ich mein Kopftuch tragen MUSS - hier könnte leicht der Eindruck entstehen, daß ich zum tragen des Kopftuches verdonnert und gezwungen werde - dem ist aber nicht so, denn dieses MÜSSEN kommt nicht von außen - es kommt von mir selbst, von meiner Einstellung zum Kopftuch und meinen ganz eigenen Vorstellungen vom Kopftuch tragen, die darauf hinauslaufen, das ich es tragen MUSS. Damals, als ich mit dem Kopftuchtragen​ anfing wollte ich es unbedingt ständig tragen, weil ich es wollte und weil ich es gern trug. Ich stellte mir allerdings auch vor, wie es wäre, wenn ich tatsächlich tragen müsste - und gar keine andere Wahl hätte als es zu tragen. Ich fand diesen Gedanken durchaus interessant, spannend und faszinierend. Aber mein kultureller, traditioneller, familiärer und religiöser Hintergrund gaben eine generelle Verpflichtung zum Kopftuchtragen als MUSS einfach nicht her. Und zum Islam zu konvertieren, nur damit ich ein Kopftuch tragen muss, war auch keine Option, denn das wollte ich ja gar nicht, da ich mich als Christin ganz wohl mit meinem Glauben fühle. Also bekam ich meine ganz eigenen Vorstellungen, von meinem persönlichem Kopftuch-MUSS - und stellte mir meine eigenen Regeln und Vorschriften auf, die mich zum Kopftuchtragen verpflichteten und weswegen ich es tragen muss. Zuallererst sah ich natürlich meine freiwillige Entscheidung dafür, ständig ein Kopftuch tragen zu wollen, als Verpflichtung an - sprich, durch diese bewußte Entscheidung für das Kopftuch ist aus dem Wollen und Möchten (in meiner Vorstellung) ein MUSS geworden. Was ja okay so ist, denn ich möchte ja eine Kopftuchträgerin sein und möchte es tragen müssen. Und das zweite MUSS ist, daß ich es aus Gehorsam, Demut und Respekt zu Gott trage, denn mit meiner Entscheidung das Kopftuch zu tragen, habe ich mich letzten Endes auch entschieden, Gott zu gehorchen, seinem Willen zu folgen und es für Ihn zu tragen. Und diese Verpflichtung kann man nun schlecht leugnen oder von der Hand weisen. Ich habe auch noch andere Gründe für mich gefunden, aus denen ich das Kopftuch tragen muss, aber die möchte ich jetzt hier nicht alle aufzählen. Auf jeden Fall hab ich mich da im Laufe der Zeit ziemlich reingesteigert, so daß ich selbst dran geglaubt habe das Kopftuch nun tragen zu müssen und es nicht wieder ablegen zu können und zu dürfen.Daß meine Partnerin ganz offen von mir verlangt, daß ich das Kopftuch für sie tragen soll, ist in dem Sinne sogar eine Entlastung für mich, weil mir da jetzt um das muß und die Gründe dafür keine Gedanken mehr machen muss, sondern mich entspannt zurücklehnen kann und mir sagen kann, daß ich mein Kopftuch tragen muss, weil meine Ehefrau will, daß ich es für sie trage und sie es von mir verlangt. Für sie trage ich es natürlich gerne - ich sehe daß auch nicht als zwingen oder so an, ich sehe das eher als Liebesdienst und Liebesbeweis - so wie sie für mich nur noch Röcke und Kleider anzieht. Und da ich das Kopftuch ja sowieso tragen will und möchte, macht es eigentlich keinen Unterschied, dass sie es mir quasi vorschreibt - zu etwas das man freiwillig macht und tun will, kann man schließlich schlecht gezwungen werden. Aber es gibt dem ganzen halt mehr Gewicht und Bedeutung - und zusätzlich zu meinem eigenen Gründen ein Kopftuch tragen zu müssen, kommt es einem MUSS, wie ich es immer haben wollte schon sehr nahe, wenn sie auch noch von mir verlangt ein Kopftuch für sie zu tragen und ihr Kopftuchmädchen zu sein. So hab ich jetzt quasi meine eigenen Gründe, das Kopftuch tragen zu müssen und das verlangen bzw. die Verpflichtung durch meine Partnerin, mein Koptuch für sie zu tragen, von außen​, so daß sich jetzt innere und äußere Gründe das Kopftuch tragen zu müssen, die Waage halten. Aber dennoch läuft alles so, wie ich es gern haben möchte, ich trage ich mein Kopftuch immer noch freiwillig, weil ich es tragen will und möchte. Und ich MUSS es trage, weil ich das so möchte und ich es gerne tragen müssen will. 

Donnerstag, 20. April 2017

Ich bin eine Christina / Ich bin ein Kopftuchmädchen.


Muslimin mit Kopftuch = Muslima
Christin mit Koptuch = Christina ???

Ich mag das Wort "Muslima", ich find's wunderschön und wenn ich es höre, dann sehe ich vor meinem inneren Auge immer eine hübsche Frau mit Kopftuch. Für mich ist eine Muslima in erster Linie eine Kopftuchträgerin, aber natürlich sagt das Wort auch aus, das sie eine Muslimin ist, dem Islam angehört und zu Allah betet.
Da ich selbst Kopftuchträgerin bin, würde ich mich gern selbst auch als "Muslima" bezeichnen können, aber das geht leider nicht, da ich keine Muslimin bin. Ich bin Christin und daran wird sich auch nichts ändern. Also kann ich keine "Muslima" seine. Wenn man natürlich "Muslima" nur mit einer Kopftuchträgerin gleichsetzt, dann könnte ich immer noch eine "Christliche Muslima" sein. Klingt aber irgendwie komisch, wenn man weiß, daß Muslima auch für eine muslimische Frau im allgemeinen steht, dann klingt das irgendwie komisch.
Es wäre natürlich toll, wenn es für kopftuchtragende Christinnen auch ein eigenes Wort, eine eigene Bezeichnung, gäbe, gibt es aber leider nicht, zumindest ist mir da nichts bekannt. Dazu tragen es heutzutage wohl zu wenig Christinnen, als daß es sich lohnen würde, dafür eine eigene Bezeichnung zu ersinnen.
Ich bin da zwar nicht wirklich traurig drüber, dennoch finde ich es schade, daß mir als christliches Kopftuchmädchen die Bezeichnung "Muslima" und damit dieses wunderschöne Wort verwehrt bleibt.
Ich habe da letztens mal mit einer Freundin, die selber Muslima ist, drüber philosophiert und sie ist auch die Idee gekommen, es doch nach dem selben Muster, wie bei der "Muslima" zu machen. Sprich, ich bin eine Christin, also nimmt man "Christin" und hängt einfach ein "a" dran - und tada heraus kommt "Christina". Finde ich als Namen auch wunderschön und als Bezeichnung für eine Kopftuchtragende Christin? Da wäre es auch okay und wirklich sehr schön. Dann könnte ich sagen, daß ich eine "Christina" bin, wäre auch schön - nur ob sich daß so durchsetzen würde?

"Hey, sieh mal, sie trägt ein Kopftuch - ist sie eine Muslima?"
"Nein, sie ist eine Christina."
"Ach so."

Naja, wie dem auch sei, ich finde es toll eine Kopftuchträgerin zu sein und ich finde es auch toll ein Kopftuchmädchen zu sein - und deswegen finde ich es auch toll eine Christina zu sein - und bin stolz darauf.
Und auch, wenn sich “Christina” wohl nie als Bezeichnung für Kopftuchtragende Christinnen durchsetzen wird, so wissen doch meine Freundinnen und ich mittlerweile ganz genau was gemeint ist, wenn ich sage:
"Ich bin eine Christina."
Das hat sich mittlerweile zu einem kleinen Insider entwickelt, eine schöne Bezeichnung für mich als christliche Kopftuchträgerin, mit der ich gut leben kann.
Als eine Freundin letztens meinte: "Ah, da ist ja unsere Christina." als ich kam, dachte eine Bekannte von ihr doch glatt, daß ich Christina heiße und hat mich dann auch die ganze Zeit so genannt, was uns allerdings nicht aufgefallen ist. Erst als sie mich dann "Chrissie" nannte, sahen wir sie alle an und da ist uns das Mißverständnis dann aufgefallen und wir haben sie dann erstmal eingeweiht, was die Christina” zu bedeuten hat - und wir haben herzlich darüber gelacht. Die Bekannte nennt mich jetzt immer noch Christina, meistens mit einem Augenzwinkern - zumindest wenn ich sie gerade ansehe. Ein neuer Spitzname? Vielleicht. Hätte ich zumindest nichts gegen.

Naja, über was man sich nicht so alles Gedanken macht. Ich muß mich halt damit abfinden, daß es für mich keine besondere Bezeichnung gibt und dass ich eben "nur" eine Kopftuchträgerin oder eben ein "Kopftuchmädchen" bin. Wobei ich letzteres auch sehr schön und passend finde.

Das Internet sagt dazu:
Kopftuchmädchen, das = meist abwertend: weibliche Person in einem Alter zwischen 2 und 18 Jahren, welche (meistens aus religiösen Gründen) ein Kopftuch trägt.

Gut, 18 bin ich zwar nicht mehr, aber ein Mädchen bin ich in gewisser Hinsicht ja immer noch, ein Kopftuch trage ich auch und aus religiösen Gründen (selbst wenn das in Klammern steht) trage ich es ja zu einem Teil auch. Das “Kopftuchmädchen” nun eine abwertende Bezeichnung für eine Kopftuchträgerin ist, oder es abwertend gemeint ist, finde ich eigentlich nicht. Ist doch eigentlich ganz hübsch. “Kopftuchfrau” würde ich allerdings doof finden, da finde ich “Kopftuchmädchen” schon schöner.
Gut, dann bin ich eben ein “Kopftuchmädchen”. Das Kopftuchmädchen Christina. ;-)

LG Diana (genannt Amirah) - gläubige Christina. ;-)

(Ich hoffe ich habe mit diesem Text niemanden beleidigt, oder sonstwie auf den Schlips getreten. Der Text spiegelt auch lediglich meine persönliche Meinung und meine eigenen Gedanken zu dem Thema wieder.)

Sonntag, 19. März 2017

Schlechte Kopftuch Situationen im Alltag

Letztens stand ich in der Drogerie am Regal und suchte ein Haarshampoo und eine Dame starrte mich unaufhörlich von der Seite an. Ich lächelte sie an, worauf sie barsch zu mir sagte: "Sowas brauchen sie doch gar nicht." Dann blickte sie abfällig auf mein Kopftuch und meinte: "Schauen sie lieber mal beim Waschmittel, damit können sie den Lappen dann wenigstens waschen."
Ich war erst etwas baff und fühlte mich ein wenig vor den Kopf gestoßen, entgegnete dann aber freundlich und bestimmt: "Ob sie es nun glauben oder nicht, aber ich habe unter meinem Kopftuch auvh Haare, die regelmäßig gewaschen werden wollen. Waschmittel für meine Kopftücher habe ich schon, aber trotzdem Danke für ihre Beratung."
Sie guckte mich etwas verduzt an, vermutlich hatte sie nicht damit gerechnet, daß ich sie verstehe und deutsch spreche.
Sie sah mich misstrauisch an und fragte mich dann in dem Tonfall eines Ordnungshüters, woher ich denn käme.
Ich erwiederte: "Aus Deutschland, ich bin Deutsche und hier gebore, genau wie meine Eltern, Großeltern und die, die es davor noch gab."
Darauf zischte sie: "Das hatte ich befürchtet. WIE kann man als DEUTSCHE nur SOO rumlaufen?! Was soll das?? WIE kann man nur so blöd sein?"
Sie sah mich an, als lauerte sie auf eine Antwort, die sie mir als nächstes um die Ohren hauen könnte.
Ich fühlte mich bedrängt und von der Situation langsam aber sicher überfordert und wußte auch nicht mehr so recht, was ich noch sagen sollte. Also sagte ich dann: "Weil ich es möchte und weil ich es toll finde. Aber WAS wollen sie jetzt eigentlich von mir? Ich bin ja noch nicht mal eine Muslima...!" Wobei ich auf das große Kreuz deutete, was ich an einer langen Kette um den Hals trug und das in Brusthöhe unter meinem Kopftuch hervorlugte. Sie sah mich erschrocken an und ich triumphierte innerlich schon, weil ich dachte sie hätte jetzt eingesehen, daß sie einen Fehler gemacht hat. Doch sie entgegnete nur aufgebracht: "Das.... das,.. das ist ja noch schlimmer!!!" Ich fragte: "Warum?" Aber die Antwort blieb sie mir schuldig, da sie schon auf dem Absatz kehrt gemacht und hinter dem nächsten Regal verschwunden war und mich verduzt stehen ließ.
"Alles in Ordnung?" fragte eine Stimme hinter mir. Ich drehte mich um, da stand ein junger Mann. Ich meinte: "Ja schon, wenn ich innerlich nicht gerade auf 180 wäre." Er grinste und meinte "Ja, ich hab das eben mitbekommen, unmöglich solche Leute. Lass Dich nicht ärgern, es sind nicht alle so drauf."
Ich: "Ja, Danke, ich werd's versuchen"
Er: "Ich wünsche Dir trotzdem noch einen schönen Tag."
Dann steckte er sich seine Ohrstöpsel wieder in die Ohren und ging seiner Wege. Ich frage mich nur, warum er sich nicht schon vorher eingemischt hat. Allerdings drohte mir ja auch keine Gefahr und er mußte ja auch erstmal die Lage abchecken. Und er hat ja hinterher wenigstens gefragt, also will ich mich da auch nicht beklagen.

Letztens in der Bahn döste ich so vor mich hin an einer Haltestelle stieg eine Frau ein und setzte sich zu mir in die Vierergruppe. Ich machte kurz die Äuglein auf um zu gucken, wer sich da hingesetzt hat, und als ich sie gerade wieder geschlossen hatte, fragte mich die Frau:
"Warum trägst du das Kopftuch?"
"Weil ich es gerne tragen will.", antwortete ich, woraufhin sie mich anschrie "Willst du nicht!"
Ich riss erschrocken und überrascht die Augen ganz auf und da kam aus ihrem Mund schon ein Redeschwal, dem ich nicht so ganz folgen konnte, weil sie auch so schnell sprach, daß sich ihre Stimme fast überschlug.
Ich verstand hin und wieder nur Worte wie Afghanistan, Gewalt an Frauen, Unterdrückung von Frauen, Frauenrechte, Emanzipation, Zwangsehen, Ehrenmorde, - das volle Programm eben. Als sie am Ende war, meinte sie nur, wie man sowas nur tragen kann, wenn man weiß, das doch weltweit Frauen unter dem Kopftuch leiden müssen.
Wow, dachte ich, diese Predigt hat sie sich anscheinend schon lange zurechtgelegt und wartet nun schon ewig darauf, das jemandem an den Kopf zu werfen und ich hab es nun abgekriegt.
Ich sah sie von Kopf bis Fuß an. Und dann sagte ich ganz ruhig:
"Sie wissen doch das solche Sneaker, wie die, die sie da tragen, in Asien von kleinen Kinderhänden gefertigt werden oder sie zumindest von Frauen für Hungerlöhne zusammengenäht werden. Aber nur weil sie dieses Wissen haben, hören sie ja auch nicht auf Schuhe zu tragen.
Wenn ich sage, daß ich mein Kopftuch trage, weil ich es gerne tragen will, dann ist das auch so. Aber ich sage es gerne nochmal: ich trage mein Kopftuch aus freien Stücken, weil ich es gerne tragen möchte und es schön finde."
Daraufhin kam fast schon trotzig von ihr: "Möchtest Du nicht, Du wirst doch von Deinen Eltern oder Deinem Mann dazu gezwungen das Kopftuch zu tragen."
Worauf ich erwiderte: "Gute Frau, das kann wohl kaum so sein, wie sie sagen, denn ich habe keinen Mann - ich bin lesbisch und meine Ehefrau würde mich nicht dazu zwingen ein Kopftuch zu tragen. Und meine Eltern sind, wie ich, Deutsche und sie sind genau wie ich brave Christen." Wobei ich zu meinem Kreuz, was ich um den Hals trug griff und es ihr triumphierend, wie einem Vampir entgegen hielt. "Sie würden mich also auch nicht dazu zwingen ein Kopftuch zu tragen, wozu auch?! Es ist meine freie Entscheidung ein Kopftuch zu tragen, weil ich es schön finde und es gerne tragen möchte. Können oder wollen sie das nicht akzeptieren? Wir leben doch in einem freien Land."
Sie wurde rot, nahm ihre Tasche und ging zur Tür, wo sie dann auch stehen blieb, bis sie aussteigen mußte.
Natürlich guckten mittlerweile alle zu mir - einige nickten mir wohlwollend zu, andere grinsten vor sich hin. Und eine Muslima mit Kopftuch sah mich, seitdem ich erwähnte, daß ich lesbisch bin, so komisch an. Es war so eine Mischung aus argwohn, ekel und misstrauen. Vermutlich malte sie sich gerade aus, in welchen Höllenfeuern ich wegen gleichgeschlechtlicher Liebe schmorren würde. Das war mir aber gerade ganz egal, ich war nur froh diese Schreckschraube los zu sein. Sie hatte zwar ihr Ziel - was auch immer das gewesen sein mag - nicht erreicht, aber sie hatte es zumindest geschafft, mich vor allen Leuten in der Bahn bloßzustellen (zumindest die in Reichweite) - auch wenn sie sich dabei selbst demontiert hat. Mir war das alles ziemlich peinlich und ich blieb bis zum Aussteigen mit einem unguten Gefühl in der Magengegend sitzen.
Beim aussteigen nickte mir die Muslima mit dem Kopftuch freundlich zu und meinte "Gut gemacht, bloß nichts gefallen lassen. Lass Dich nicht ärgern, Schwester."
Das überraschte mich dann doch, ich hatte wohl ihren Blick falsch gedeutet - oder sie hatte sich von dem Schock mittlerweile erholt. Sicher war sie aber wohl froh, daß sich die Verrückte zu mir und nicht zu ihr gesetzt hat.

Ich verstehe nicht, das Frauen mit Kopftüchern immer als unterdrückte Wesen und Opfer des männlichen Triebs gesehen werden und das Leute meinen, daß sie wegen ihrem Kopftuch bemitleidet werden müssen und in die ach so beliebte Opferrolle gedrängt werden müssen. Kommt denn niemand auf die Idee, daß es auch viele gibt, die es aus den unterschiedlichsten Gründen freiwillig tragen, weil sie es tragen wollen und es ihre freie Entscheidung ist ein Kopftuch zu tragen?!
Wie es wirklich ist, erfährt man doch sowieso nur, wenn man (auf vernünftige Weise) nachfragt.
Und insbesondere bei mir irren sich die Leute ja oft mit ihren vorgefassten Meinungen und Vorurteilen.
Dabei könnte es sicher so manch interessante Unterhaltung geben, wenn man einfach mal nett, vernünftig und ohne irgendwelche Vorurteile im Hinterkopf nachfragt.



Sonntag, 25. Dezember 2016

Frohe Weihnachten


Zwei Kopftuchmädchen in Christmas Hijab Sweaters 



Ich wünsche all meinen Leserinnen und Lesern frohe Weihnachten und ein schönes Weihnachtsfest - auch wenn ich hier nicht soviel mache und nicht so viel schreibe, aber das möchte ich gern versuchen zu ändern.




Weihnachtspulli (Rentiere) und Kopftuch 

Und ja, auch als Kopftuchmädchen feiere ich Weihnachten, mit meiner Ehefrau, meiner Familie und meinen Freundinnen. Dass ich Kopftuchträgerin bin heißt ja nicht, daß ich was gegen Weihnachten habe oder haben müßte, oder es nicht mehr feiere - zumal ich ja trotz dessen, dass ich ein Kopftuch trage, auch immer noch eine (gläubige) Christin bin. Und als solche feier ich natürlich auch Weihnachten und alle anderen christlichen Feste.

Meine Frau trägt dieses Jahr über die Feiertage auch Kopftuch und lange Röcke und Kleider - und da wir die Woche zwischen den Feiertagen und die erste Woche des neuen Jahres beide Urlaub haben, will sie es auch die nächsten 14 Tage die ganze Zeit tragen, also so wie ich, in Vollzeit, jeden Tag und den ganzen Tag.
Zum einen weil sie mir damit einen Gefallen tun möchte und zum anderen, weil sie es selber mal (wieder) über einen etwas längeren Zeitraum ausprobieren möchte.
Sie trägt ja hin und wieder selbst mal ein Kopftuch, wenn wir am Wochenende zusammen unterwegs sind, aber das sie es mehrere Tage hintereinander trägt, kommt nur sehr selten vor - wenn dann höchstens mal zwei, also ein ganzes Wochenende lang zum Beispiel. Zwei Wochen bzw. 14 oder besser gesagt 16 Tage sind da schon eine echte Herausforderung für meine Frau Nicole.
Aber sie macht es ja vollkommen freiwillig, es zwingt sie ja keiner dazu, das Kopftuch zu tragen - es war ja ihre Entscheidung, es im Urlaub mal 14 Tage lang ununterbrochen am Stück zu tragen und so wird sie damit wohl auch klar kommen, es die ganze Zeit zu tragen.

Außerdem möchte meine Frau Nicole herausfinden, ob die Tragedauer des Kopftuches einen Einfluß auf die Akzeptanz des Kopftuchtragens bei der Kopftuchträgerin hat, also ob zum Beispiel nach ein paar Tagen eine Art Gewöhnungseffekt oder so eintritt.
Ob da nun 14 bis 16 Tage für ausreichend sind, wage ich zwar zu bezweifeln, aber ich werde ja sehen, was sie dann zu berichten weiß.

Sicher ist auf jeden Fall, das eine Frau, die das Kopftuch noch nie zuvor getragen hat und sich auch nicht vorstellen kann, es als Vollzeit-Trägerin ständig zu tragen, nach einiger Zeit das Tragen des Kopftuches für sich selbst akzeptieren kann und sich daran gewöhnt es zu tragen, sofern sie sich freiwillig darauf einlässt es für eine Weile zu tragen, z.B. bei einem Auslandsaufenthalt oder vorübergehendem Haarverlust - oder aus welchen Gründen auch immer. D.h. daß sich die persönliche Einstellung zum Kopftuch tragen ändert, wenn man es selber eine Zeitlang trägt und man unter Umständen durch das selber tragen auch gewisse Vorteile oder gar eine Vorliebe für sich entdeckt (ich spreche da aus eigener Erfahrung). Allerdings kann das selbsttragen des Kopftuches auch eine Abneigung dazu auslösen oder verstärken.
Vielleicht berichte ich hier mal, wie es meiner Ehefrau in den 16 Tagen mit dem Kopftuch als Kopftuchträgerin so ergangen ist.

Ich freue mich auf jeden Fall, daß sie das Kopftuch jetzt mal eine (kurze) zeitlang mit mir und für mich (und auch für sich selbst) tragen möchte, auch wenn es für mich, für sie und für uns sicherlich ungewohnt sein wird.

Meine Frau trägt ja nun auch schon eine ganze Weile nur noch Röcke und Kleider und verzichtet ganz bewußt komplett auf das tragen von Jeans und Hosen (ausgenommen Leggings und Shorts zu Strumpfhosen, statt Rock) aber sie mal zwei Wochen lang nur in langen Röcken und Kleidern zu sehen, wird sicherlich ungewohnt sein - und für sie ist es wohl auch ungewohnt sein, sie zu tragen.
Ich werde ihr da wohl auch das eine oder andere Teil ausleihen müssen, aber das ist unter Mädels ja eh nicht das Problem, zumal wir ja auch ein Liebespaar sind.
Die Röcke und Kleider, die sie normalerweise trägt sind eher knieumspielend, knielang, oder enden eine oder höchstens zwei Handbreit über dem Knie - Miniröcke oder lange Röcke trägt sie eher selten, das ist beides eigentlich nicht so ihre Länge.

Das Nicole nur noch Röcke und Kleider trägt und warum, darüber wollte ich eigentlich schon längst mal hier im Blog berichten, aber ich dachte, daß wäre wohl eh nicht von Dauer - bis sie vor ein paar Monaten mal einige von unseren Freundinnen eingeladen hat und die Jeans und Hosen, die sie noch besaß entweder verschenkt oder vorzugsweise gegen andere Röcke und Kleider eingetauscht hat, so daß sie jetzt selbst keine Jeans und Hosen mehr hat und nur noch Röcke und Kleider oder Leggings und Shorts mit Strumpfhose anziehen kann. Find ich toll, zumal sie zum Beginn unserer Beziehung meine Ansicht, daß Frauen nur Röcke und Kleider tragen sollten nicht so ganz geteilt hat und in der Freizeit total gerne enge Jeans angezogen hat.

Naja, vielleicht sollte ich demnächst mal hier über Nicoles Wandel zur Rockträgerin berichten.


Aber jetzt wünsche ich allen erstmal Fröhliche Weihnachten und falls ich vorher hier nichts mehr schreiben sollte: einen guten Rutsch und einen tollen Start ins neue Jahr 2017!!!









Christmas Hijab Sweaters

Sonntag, 6. November 2016

Ich darf wieder alleine in die Stadt

Kopftuch-Mädchen bei einem Spaziergang.

Ich darf jetzt auch wieder alleine in die Innenstadt fahren, wo viele Leute sind und darf auch wieder alleine zur Arbeit fahren - wenn ich das will. Meine Ehefrau Nicole hat das Verbot, dass ich alleine und ohne Begleitung in die Stadt fahre oder wo viele Leute unterwegs sind, wieder aufgehoben.

Nach meinem letzten Blog hatte ich ein langes Gespräch mit meiner Ehefrau Nicole. Sie hat meinen Blog gelesen und hat eingesehen, daß es falsch war, mir zu verbieten, alleine in die Stadt zu fahren, nur um zu verhindern, daß so ein Angriff noch mal passiert. Passieren kann immer was, auch wenn jemand dabei ist - und andererseits ist es bisher ja auch jahrelang gut gegangen, ohne dass irgendwas passiert ist, wenn ich mal von diversen Anfeindungen, blöden Kommentaren, Unhöflichkeiten und dergleichen absehe, aber das ist ja zum einen nicht die Regel, sprich es passiert ja nicht ständig und sowas kann man ignorieren, sprich ich nehme so etwas schon gar nicht mehr wahr und somit auch nicht mehr ernst. Aber so einen Kopftuch-Runterreißer, kann nun mal nicht ignorieren, da es nun mal ein körperlicher Angriff ist. Aber andere Frauen, die ein Kopftuch tragen, sind auch meist alleine in der Innenstadt unterwegs - und diese sind zudem auch noch selbst Muslima - und ihnen passiert auch so gut wie nie etwas.
Also statt einfach zu sagen "Komm mit, ich hätte Dich gerne dabei und würde gerne was mit Dir unternehmen." hab ich gesagt, "Ach komm doch mit, Du weißt doch das ich nicht alleine fahren darf." Ich hab mich in diese Opferrolle drängen lassen und hab sie gleichzeitig auch ausgenutzt.
Das mich Anna, unsere Nachbarin auf dem Weg zur Arbeit und wieder nach Hause begleitet hat, erleichterte, das ganze noch ein wenig, denn wenn sie nach der Arbeit noch Zeit hatte, konnte ich, nachdem sie mich von der Arbeit abgeholt hat, in ihrer Begleitung auch noch diverse Dinge erledigen und besorgen, für die ich sonst extra in die Stadt hätte fahren müssen.
Das mich das ganze einschränkt war mir natürlich schon bewusst, aber die Vorteile für mich überwogen einfach.
Am meisten wurden mir diese Einschränkungen bewusst, wenn ich Sachen besorgen oder kaufen wollte, wo man normalerweise nur bestimmte Leute dabei haben möchte oder das lieber alleine erledigt.
Ich habe mir so beholfen daß ich solche Sachen eben nur mit meiner Frau zusammen besorgt habe oder mit guten Freundinnen zusammen, insbesondere, die Artikel gegen Blasenschwäche hab ich nur mit Begleiterinnen besorgt, die auch darüber Bescheid wußten, daß ich damit ein Problem habe. Zur Not hab ich solche Sachen auch mal im Internet bestellt oder mir von meiner Frau mitbringen lassen.
So hab ich das quasi umschifft und konnte so auch mit den Einschränkungen ganz gut leben, auch wenn ich manchmal lieber alleine in die Innenstadt gefahren wäre ohne Begleitung, so daß man ganz in Ruhe bummeln und gucken kann ohne noch auf jemand anderen Rücksicht nehmen zu müssen. In der letzten Zeit nervte es schon etwas, daß ich gar nicht mehr alleine unterwegs war, aber das war schon okay so, es ging ja nicht anders. Oder es wäre wohl schon anders gegangen, wenn ich da früher mit meiner Frau drüber gesprochen hätte.

Von daher hat meine Frau mir wieder erlaubt, alleine in die Stadt und zur Arbeit zu fahren, wenn ich das möchte oder es nötig ist. Sie meint ich bin dadurch, daß ich ein Kopftuch trage, schon genug Einschränkungen unterworfen, die mir durch die Regeln und Vorschriften, die damit verbunden sind, auferlegt sind - und nicht zu vergessen, die, die ich deswegen selbst aufgestellt und mir selbst auferlegt habe - da wollte sie mich nicht noch mehr einschränken, zumindest nicht mehr als es unbedingt nötig ist.

Ja, ein Kopftuch zu tragen ist mit vielerlei Einschränkungen im täglichen Leben verbunden, sowohl in der Öffentlichkeit, als auch im privaten Bereich. Sei es durch Regeln und Vorschriften, die damit zusammenhängen oder auch nur wegen der Tatsache, daß man ein Kopftuch trägt, was einen allein schon bei der Wahl der dazu passenden und angemessenen Kleidung, sehr einschränkt.
Aber das sind Einschränkungen, die ich gerne in Kauf nehme, da ich das Kopftuch gerne trage, ich mich nun mal dafür entschieden habe, es zu tragen und ich letzten Endes auch davon überzeugt bin, daß es für mich persönlich Gut und Richtig ist, das Kopftuch zu tragen und ich in vielerlei Hinsicht davon profitiere.

Aber ich denke mal, wenn man sich erstmal an all diese Einschränkungen gewöhnt hat und mit damit einverstanden ist, weil man das Kopftuch ja tragen will, dann ist es auch leicht mit den damit verbundenen Einschränkungen umzugehen und klar zu kommen und ich kann ganz gut damit Leben. Mich zwingt ja niemand dazu, ich trage es ja freiwillig.
Anders sieht es sicher bei Frauen aus, die es sich nicht vorstellen können, sich selbst so einzuschränken bzw. so eingeschränkt zu sein - oder bei Mädchen und Frauen, die gar dazu gezwungen werden ein Kopftuch zu tragen und sich dessen Einschränkungen, Regeln und Vorschriften zu unterwerfen.
Das ist mir schon klar, aber ich spreche da auch nur für mich: Ich trage es freiwillig, aus einer bewussten Entscheidung heraus und weil ich es tragen möchte. Und mir ist und war immer klar, daß ich mich in vielerlei Hinsicht einschränken muß und mich an viele Regeln und Vorschriften halten muß wenn ich es wirklich tragen will. Das war und ist mir also klar, hat mich aber in dem Entschluss und der Entscheidung es tragen zu wollen, eher noch bestärkt.

Aber darauf wollte ich gar nicht heraus. Nicht mehr alleine in die Stadt und zur Arbeit fahren zu dürfen und immer jemand zu meinem Schutz, als Begleitung (oder gar Aufsicht, wie jemand in den Kommentaren schrieb) dabei haben zu müssen, war dann doch schon eine sehr große Einschränkung für mich, auch wenn ich mich da sehr schnell dran gewöhnt hatte und es ja durchaus auch seine Vorteile hatte.
Und das war dann auch ziemlich bequem, ich brauchte nicht mehr alleine in die Stadt fahren, hatte ständig Gesellschaft und unternahm mehr mit meiner Frau, meiner Mutter, meiner Schwester oder meinen Freundinnen. Es war zugegebenermaßen bequemer, das Verbot vorzuschieben, als einfach zu sagen, daß ich sie gerne dabei dabei hätte und was mit Ihnen unternehmen möchte.

Zum Beispiel Dessous und Unterwäsche kaufen gehen, das mache ich lieber alleine oder nur mit ganz bestimmten Freundinnen oder meiner Frau zusammen.
Oder bestimmte Hygieneartikel in der der Drogerie, wie z.B. Artikel die man bei Blasenschwäche benutzt. Das man Slipeinlagen und Binden von TENA und always discreet nicht für die normale Regelblutung benutzt, weiß ja eigentlich jede Frau, so daß dies sicher auch meiner Begleitung nicht entgangen wäre, zumal diese Artikel meist in einem anderen Regal sind.
Natürlich ist nichts dabei, daß ich Slipeinlagen, Binden und manchmal sogar Pants für Blasenschwäche benutze, ich habe diese Probleme nun mal ab und an - aber es ist mir natürlich peinlich. Und diese Sachen muß ich dann natürlich nicht kaufen, wenn jemand dabei ist, insbesondere dann nicht, wenn diejenige nichts von meiner Blasenschwäche weiß.
Aber wie dem auch sei, ich darf ja jetzt auch wieder alleine in die Stadt und zur Arbeit fahren. Meine Frau hat mir allerdings freigestellt, es auch weiter wie bisher zu handhaben und weiterhin mit ihr, meiner Mutter, Schwester oder Freundinnen in die Stadt zu fahren - und das werd ich auch machen. Und zur Arbeit werd ich auch weiter mit unserer Nachbarin Anna fahren, da wir ja eh denselben Weg haben und uns gut verstehen. Aber ist halt gut zu wissen, daß ich all das jetzt auch wieder alleine machen kann und darf, wenn ich das möchte - oder wenn es nötig ist.


Zwei Frauen mit Kopftuch bei einem Stadtbummel.


Fazit:
Alles in allem muß ich sagen, daß es eine interessante und nette Erahrung war, mal eine Zeit lang nicht alleine in die Stadt und da dann auch nur in Begleitung anderer hinfahren zu dürfen, was Einschränkungen und Umstände auf der einen Seite mit sich brachte und eine Bereicherung auf der anderen Seite bedeutete. Ich mag es manchmal von meiner Frau bevormundet zu werden und wenn sie mir Vorschriften macht, Regeln aufstellt oder mir Sachen verbietet, dann finde ich es toll und mag das irgendwie. 
Aber nach nem guten halben Jahr nicht alleine in die Stadt fahren zu dürfen und das immer nur in Begleitung anderer machen zu dürfen, die mich beschützen, auf mich aufpassen und mich "beaufsichtigen" reicht es nun auch - das muß ich wirklich nicht immer haben und ich hab mich doch sehr in meiner Freiheit eingeschränkt gefühlt. Mir sind schon dadurch dass ich ein Kopftuch trage genug Einschränkungen auferlegt, denen ich mich aber gerne unterwerfe, da ich ja das Kopftuch gerne tragen möchte und will. Aber nicht alleine weggehen zu dürfen und immer eine Begleitung dabei haben zu müssen hat schon eine ganz andere Dimension, selbst wenn es nur für bestimmte Orte gilt. 
Wie dem auch sei ich bin froh, das meine Frau das Verbot wieder aufgehoben hat und ich jetzt auch wieder alleine in die Stadt und zur Arbeit fahren darf. 

Bleibt nur zu hoffen, daß so ein Angriff auf mich nie wieder passiert und das nie wieder jemand auf die Idee kommt, mir das Kopftuch herunter zu reißen - oder gar schlimmeres zu machen. Ich habe echt keine Lust, zusammen geschlagen oder gar vergewaltigt zu werden, nur weil ich ein Kopftuch trage und mich deswegen jemand für eine Muslima hält und meint mir aus diesem Grunde was antun zu müssen. 



Samstag, 8. Oktober 2016

Der Angriff auf mich (wg. meinem Kopftuch)


Es ist mittlerweile (leider) eigentlich normal für mich, daß von einigen Leuten blöde Kommentare oder auch Schimpfworte in meine Richtung kommen - entweder wegen dem Kopftuch oder auch einfach nur, weil ich ein Kopftuch trage.

Mal einige Beispiele:


“Kopftuchschlampe”

“Mal wieder so eine Schweißkopftuch-Trägerin”

“Geh doch nach Hause in Deine Heimat” (brauch ich nicht, bin ich schon)

“Boah, jetzt fangen auch schon deutsche Frauen an Kopftuch zu tragen - wander doch nach Arabien aus, wenn es Dir so gefällt”

“Kopftuch-Terroristin”

“Nimm den Kopflappen ab, sowas muß man hier nicht tragen”


Das sind die Sachen, die mir so spontan einfallen und auch nur die harmloseren davon. Das man sich mir gegenüber auch unhöflich verhält und mir den Platz in der Bahn vor der Nase wegschnappt, obwohl ich mich schon hinsetzen wollte (“Ihr nehmt uns schon die Arbeitsplätze und Wohnungen weg, da könnt ihr ruhig mal stehen”) mir Türen vor der Nase zumacht oder sich in der Schlange an der Kasse einfach vordrängelt (weil ich ja ein Kopftuch trage) gehört auch dazu. Oder die abfälligen Blicke, die man mir zuwirft.

Ich habe es mittlerweile akzeptiert, daß ich von einigen Leuten so behandelt werde, weil ich ein Kopftuch trage. Ich ignoriere es so gut ich kann und sehe darüber hinweg - es geht ja nicht gegen mich persönlich und sie wissen es eben auch nicht besser. Und es sind ja zum Glück auch nicht alle so - es sind immer nur einige wenige, die sich so verhalten, aber man ärgert sich halt trotzdem drüber. Und so sehr man auch versucht es zu ignorieren, es bleibt trotzdem immer etwas hängen.

Ich erfahre im Moment am eigenen Leib, wie es in Deutschland zur Zeit Ausländern und insbesondere Frauen mit Kopftuch (die es aus religiösen, kulturellen oder persönlichen Gründen tragen) bei uns hier ergeht. Und das finde ich ungemein traurig, beschämend und peinlich. Ich fühle mich manchmal als wenn ich nicht mehr dazu gehöre und keine von Euch mehr bin, obwohl ich einen deutschen Pass habe und Christin bin - und das nur, weil ich mich vor 16 Jahren, wo noch kein Hahn danach gekräht hat, aus persönlichen Gründen dazu entschieden, ein Kopftuch zu tragen.

Mittlerweile ist es ein Teil von mir geworden und ich denke nicht daran, es jetzt wieder abzulegen, nur weil sich einige dumme Menschen so verhalten. Es gefällt mir es zu tragen und mich so zu kleiden und das ich deswegen so behandelt werde, gehört halt mittlerweile (leider) auch dazu. Dabei habe ich ja eigentlich unter anderem damit angefangen ein Kopftuch zu tragen und mich so zu kleiden, damit man mich eben nicht nach meinem Aussehen, meinen Haaren, meiner Frisur, meinem Körper oder meiner Figur beurteilt, sondern mich nur als Mensch und Frau sieht und mich eher an dem mißt, was ich sage und tue und nach meinet Persönlichkeit und meinem Charakter beurteilt und daran mißt. Allerdings ist der Mensch nun mal Oberflächlich und da all dies ein näheres kennenlernen erfordert und man von mir nur meine Hände und mein Gesicht sieht (was zur Interaktion mit anderen völlig ausreicht) muß halt meine Kleidung für eine Beurteilung herhalten. Sicher, die meisten nehmen es vollkommen Wertungsfrei hin, das ich ein Kopftuch und Muslima-Mode trage - aber andere assoziieren das gleich mit: Muslima, Islam, Terrorismus, Unterdrückung, Rückständigkeit, konservativ, ungebildet, dumm, fanatisch, usw. Und urteilen so (unbewusst) doch über mich ohne mich in irgendeiner Weise zu kennen.

Soweit so gut.


Vor sechs Monaten schon, im April also, ist mir allerdings etwas passiert, was absolut zu weit ging und nicht okay ist. Mit bösen Blicken, absichtlichen Unhöflichkeiten und abfälligen Bemerkungen und Schimpfworten kann ich leben, das geht nicht gegen mich persönlich, das geht gegen das Kopftuch und gegen das, für das es in Köpfen dieser Leute steht. Aber wenn ich wegen meines Kopftuchs köperlich angegriffen werde, dann geht das zuweit, denn DAS geht dann gegen mich persönlich, ganz egal, weswegen es ist.

Es war einer der ersten schönen warmen Tage im April und ich hatte mir nach der Arbeit noch ein Eis geholt und bin damit durch die Stadt geschlendert. Plötzlich sah mich ein Typ, der mir entgegen kam mit wütendem Blick an und rief “Das darf doch nicht wahr sein!” und kam mit schnellen Schritten auf mich zu. Bei mir angekommen fing er an mich zu beschimpfen und auf mich einzureden. Alles hab ich nicht mehr in Erinnerung, ich war viel zu verdattert um mir den ganzen Schwachsinn, den er da von sich gab zu merken. Nur eins weiß ich immer noch, er sagte sowas wie:

“Es ist kein Wunder, daß die Islamisierung unseres Vaterlandes immer weiter fortschreitet, wenn jetzt sogar schon unsere deutschen Frauen anfangen Kopftuch zu tragen. Nimm den Fetzen ab Du Schlampe, sowas mußt Du hier als Deutsche nicht tragen.”

Worauf ich entgegnete:

“Ich bin keine Muslima und ich trage das Kopftuch freiwillig, weil ich es tragen möchte und weil ich es schön finde und es mir gefällt.”

Das machte ihn dann wohl richtig sauer und er brüllte: “Lügnerin!”

Und eh ich’s mich versah, griff er hinter meinen Kopf und riss mir mein Kopftuch runter. Da ich an diesem Tag einen Pashmina-Schal als Kopftuch gewickelt trug, welches zum einen mit Haarklemmen und Nadeln am Untertuch festgeklippt und festgesteckt war und welches durch die Binde- bzw. Wickeltechnik auch zweimal vorne am Hals lang ging, riss er mir nicht nur das Untertuch mit runter, wobei ich auch einige Haare ließ, was ziemlich weh tat - nein, durch den Schwung riss er mich fast um und da er mir das Tuch ganz entreißen wollte und weiter dran zog würgte er mich auch noch.

Eine Gruppe von drei Mädchen um die 19 schrie ihn gleich an er solle das lassen wodurch ein junger Mann Mitte 20 auf das Geschehen aufmerksam wurde, dem Typen ne Kopfnuss verpasste und ihn von mir weg stieß.

Da packten mich dann gleich die drei Mädels und zogen mich in einen Hauseingang und stellten sich dann schützend vor mich. Die eine meinte ganz cool: “Bind Dir erstmal Dein Kopftuch wieder um, wir passen solange auf das keiner guckt.” Kramte dann in ihrer Handtasche und zog einen Spiegel heraus, den sie mir dann hinhielt.

Derweil versuchte der junge Mann den Spinner festzuhalten, der riss sich aber los und tauchte in der Menge unter, weil er sich bewußt war, wieviel Aufmerksamkeit er erregt hatte. Der junge Mann verfolgte ihn zwar noch, verlor ihn aber im Gedränge der Fußgängerzone schnell aus den Augen. Schließlich kehrte er zurück und erkundigte sich ob mit mir alles in Ordnung sei und ob er noch als Zeuge gebraucht wird. Ich bedankte mich bei ihm das er eingegriffen hatte, meinte aber daß ich wohl keine Anzeige erstatten werde, da es wohl eh nix bringt. Er schrieb dann noch für alle Fälle seine Nummer auf und entschuldigte sich dann daß er weiter muß.

Die Mädchen blieben noch bei mir stehen und nach einer kurzen Unterhaltung stellte sich raus, daß sie im gleichen Stadtteil wohnen und sie boten sich an mich nach Hause zu begleiten, sie wären mit ihrem Einkaufsbummel eh durch.


Auf dem Heimweg regten sich die drei immer noch über Typen auf und wie er das einfach machen konnte. Eine von den dreien hatte mitbekommen, daß ich gesagt habe, daß ich keine Muslima bin und fragte wie ich das gemeint hätte, wo ich doch ein Kopftuch trage und mich auch so anziehe. Und so erzählte ich ihnen meine Geschichte, wie ich zum Kopftuch gekommen bin - die Kurzform zumindest. Die drei waren zwar etwas erstaunt, fanden es aber cool und waren zugleich fasziniert, daß jemand ein Kopftuch trägt ohne eine Muslima zu sein.

Bei mir zu Hause angekommen fragte ich die drei, ob sie nicht noch auf einen Kaffee mit reinkommen wollen. Zum einen weil ich ihnen echt dankbar war, daß sie sich um mich gekümmert haben und zum anderen weil wir uns gerade so gut unterhielten.

Sie kamen gern noch mit rein und ich machte Kaffee und trieb auch noch Kuchen auf. Als der Tisch gedeckt und der Kaffee fertig war, kam meine Frau, die schon zu Hause war, frisch geduscht und in Leggings und Bluse aus dem Bad, sah uns an und meinte eher neugierig als Vorwurfsvoll “Was ist denn hier los?” Und als sie mein etwas zerrupftes Kopftuch sah fragte sie, “was ist denn mit Dir passiert?” Die Mädchen waren nicht weiter überrascht - ich hatte ihnen unterwegs schon erzählt, daß ich mit einer Frau zusammen lebe und auch mit ihr zusammen bin.

Aber bevor ich noch antworten konnte, fing die coole mit dem Spiegel schon an zu erzählen was in der Stadt passiert war und das sie mich danach vorsichtshalber nach Hause gebracht haben.

Dafür bedankte meine Frau sich bei den dreien war aber wegen des Vorfalls in der Stadt sichtlich besorgt.

Die Mädchen blieben noch eine Weile und wir unterhielten uns über alles mögliche. Nachdem wir dann beschlossen hatten, daß sie gerne mal wieder zum Kaffee oder so kommen können und wir gerne mal was zusammen unternehmen können, tauschten wir noch unsere Nummern aus und die Drei gingen nach Hause.

Danach hatte ich dann eine sehr ernste Unterredung mit meiner Ehefrau, die bis tief in die Nacht ging. Ich nahm diesen Angriff eher auf die leichte Schulter, solche Idioten gibt es immer und überall - und was blieb mir auch anderes übrig, ich muss ja weiter so rausgehen, also was bringt es mir da Angst zu haben oder mir Sorgen zu machen, damit mache ich mir das Leben mit Kopftuch doch nur unnötig schwer. Aber meine Frau war verständlicherweise sehr besorgt um mich. Und ihrem Argument: “Was ist, wenn Dich der nächste ‘Spinner’ absticht, zusammenschlägt oder vergewaltigt, statt Dir “nur” Dein Kopftuch runter zu reißen oder Du an eine ganze Gruppe von solchen Spinnern gerätst?” hatte ich nicht viel entgegen zu setzen, denn sie hatte ja recht, SOWAS konnte durchaus passieren.

Wir diskutierten an dem Abend alle Möglichkeiten, was man tun könnte um sowas in Zukunft zu vermeiden oder darauf besser vorbereitet zu sein.

Das Kopftuch ganz abzulegen war auch eine der möglichen Optionen, aber das möchte ich eigentlich nicht, noch ist es hier nicht so schlimm, daß eine Frau deswegen ernsthaft in Gefahr ist, das könnte man überlegen, wenn es hier noch schlimmer mit diesem Islamophobie-Ding wird. Nein, ich will mein Kopftuch weiter tragen, ich habe mich dafür entschieden es zu tragen und fühle mich auf Grund meiner Entscheidung dafür auch dazu verpflichtet es weiterhin zu tragen. Und es gibt auch noch viele andere gute Gründe warum ich damit nicht wieder aufhören will - ich fühle mich halt einfach gut und wohl damit. Und wenn ich erst einmal eine Weile damit aufgehört habe, wird es sicher auch schwer oder gar unmöglich einfach so wieder damit anzufangen. Zum Beispiel auf der Arbeit, aber sicher auch im Freundes- und Bekanntenkreis - dazu hab ich zu hart dafür und daran gearbeitet, daß mich alle so akzeptieren wie ich bin - eben halt ein Kopftuchmädchen.

Und meine Frau möchte ehrlich gesagt auch nicht, daß ich aufhöre es zu tragen, dazu ist es viel zu reizvoll und zu faszinierend für sie, daß ich es trage. Sie findet es toll, daß ich ein Kopftuch trage, ihr gefällt es und sie findet es hübsch an mir. Und auch wenn es nicht zugeben will, so hat es doch einen ganz besonderen Reiz für sie, daß Männern der Blick auf meinen Körper und der Genuss meines kompletten Anblicks verwehrt bleibt und sie mich nur in langer Kleidung und mit Kopftuch sehen können / dürfen. Aber seien wir mal ehrlich, wer träumt nicht davon, daß der Anblick seiner / ihrer Liebsten nur ihm / ihr allein gehört? Sie halt das Glück mit einem Kopftuchmädchen zusammen zu sein und so als Lesbe den Anblick ihrer Liebsten nicht mit evtl. interessierten Männern teilen zu müssen. Wenn ich mein Kopftuch abnehme, weiß sid mit Sicherheit daß mich so schon lange kein Mann mehr gesehen hat und auch nicht sehen darf. Wenn sie das mit Männern teilen müßte, würde uns beiden was fehlen - und ich müßte damit leben mich den ganzen Tag von Männern anglotzen zu lassen, wovon vermutlich jeder 2. bis 3. irgendwelche Hintergedanken hat und bei dem was er sieht irgendwas findet, woran er sich 'aufgeilen’ und da hab ich keine Lust drauf - das mag ich nicht.

Also, das Kopftuch abzulegen wäre für uns beide keine Option, erst recht nicht für mich als Betroffene.

So diskutierten wir dann weiter.



Ich habe einige etwas längere Perlenketten, mit einem Kreuz dran, die ich mir extra besorgt habe, damit ich sie über der Kleidung zu meinem Kopftuch tragen kann und das Kreuz somit gut sichtbar ist. (Eine dünne Kette mit einem Kreuz dran sieht man meist nicht, da sie von Kleidung und / oder Kopftuch bedeckt wird.) Da eine Muslima so eine Kette mit einem Kreuz, als Symbol des Christentums, dran, niemals tragen würde, bat sie mich, eine davon immer gut sichtbar zu tragen, damit der nächste Spinner, sofern das Kreuz sieht und denken kann sich dann vielleicht Gedanken macht, daß da bei mir was anders ist - sofern er denken kann.

Das war die erste Maßnahme, die wir beschlossen haben. Und ich sehe an den Blicken der Leute oft, daß es ihnen wohl aufzufallen scheint, denn einige sehen erst das Kreuz und sehen dann zu meinem Kopftuch und auf meine Kleidung und schauen mir dann ins Gesicht, wohl in der Hoffnung dort eine Antwort zu finden. Aber sorry, wer mich nicht drauf anspricht oder fragt, wird da wohl vergeblich warten.

Ich bin aber in der Tat schon des öfteren darauf angesprochen worden. Meistens von Musliminnen - mit ohne Kopftuch. Entweder fragen sie einfach warum ich ein Kreuz und ein Kopftuch trage oder sie kommen an: “Entschuldigung Schwester, Du weißt aber schon, daß Du das Kreuz nicht tragen darfst?!” Wenn ich dann aber erkläre, daß ich Christin bin und mich vor Jahren schon dazu entschieden habe ein Kopftuch zu tragen, weil es mir gefällt eins zu tragen und weil mir auch die Gründe warum getragen wird gefallen und zusagen, kommt oft nur ein “Ach so, dann ist es ja okay. Find ich toll, daß Du das machst.” Es hat sich deswegen bisher kaum eine negativ geäußert, die meisten sind eher überrascht und erstaunt, daß sich eine deutsche Christin dazu entschließt ein Kopftuch zu tragen, obwohl sie es gar nicht müßte und sich mit dieser Entscheidung - Kopftuch ja oder nein - normalerweise auch gar nicht beschäftigen muß. Von deutschen werde ich auch manchmal drauf angesprochen, aber die sind da meistens nicht so Verständnisvoll, verdrücken sich dann aber auch zum Glück meist schnell mit einem Kopfschütteln.

Das zweite worauf wir uns geeinigt hatten, war, daß ich bis auf weiteres immer direkt zur Arbeit fahre und auch auf direktem Wege wieder nach Hause komme, ohne noch nach der Arbeit irgendwelche Besorgungen zu machen - es sei denn es läßt sich nicht vermeiden und ich brauche irgendwas noch ganz dringend.

Vor zwei Monaten stellte sich dann in einer Unterhaltung, mit einer Nachbarin ein paar Häuser weiter, wo meine Frau auch mit dabei war, heraus, das sie nur ein paar Straßen weiter arbeitet und wir fast die gleichen Arbeitszeiten haben. Da wir ihr vorher schon von dem Kopftuch-Angriff erzählt haben, bot sie an, daß wir doch morgens und abends zusammen fahren können - sie bringt mich morgens zur Arbeit und holt mich auch abends wieder ab, dafür müsste sie zwar eine Station früher aussteigen, aber das ist kein Problem. So bin ich dann wenigstens nicht allein unterwegs. Klappt auch alles soweit ganz gut und wenn ich nach der Arbeit noch Besorgungen machen will, dann ist das oft auch kein Problem, da sag ich dann morgens Bescheid und dann begleitet sie mich noch bevor wir nach Hause fahren. Wir haben uns mittlerweile auch schon angefreundet.

Dieser Begleitservice ist ganz praktisch, denn das dritte, worauf wir uns geeinigt haben ist, daß ich, auch bis auf weiteres, nicht mehr alleine, ohne Begleitung, in die Stadt fahre, denn wenn man nicht allein ist und noch eine Begleitperson dabei ist, dann ist natürlich auch die Wahrscheinlichkeit, daß man angegriffen wird wesentlich geringer, denn wenn man nicht allein ist, dann trauen sich solche Spinner solche Aktionen gar nicht erst. Meine Frau hat es mir förmlich verboten allein in die Stadt zu fahren oder dahin wo viele Leute sind und die Gefahr relativ hoch ist, daß etwas passiert.

Klar, wenn ich eine Freundin besuchen will oder zum Supermarkt um die Ecke oder hier im Viertel ein wenig spazieren oder joggen gehen will, dann kann ich natürlich auch alleine gehen. Wenn ich aber in die Stadt zum shoppen will, soll ich nicht mehr alleine fahren. Normalerweise begleitet meine Frau mich, wenn sie aber mal nicht da ist, keine Zeit hat, keine Lust oder was anderes vor hat, dann kommen meine Mutter, meine Schwester oder eine von unseren Freundinnen mit, die sich netterweise bereit erklärt haben, mich zu begleiten, wenn ich mal in die Stadt möchte.

Wenn sich mal niemand findet, die mit mir kommt, dann muss ich leider zu Hause bleiben. Natürlich könnte ich zur Not auch alleine fahren, aber ich respektiere den Wunsch meiner Frau nicht mehr alleine ohne Begleitung in die Stadt zu fahren, wo viele Leute sind und somit auch viel passieren kann. Und deswegen halte ich mich auch an ihr Verbot, alleine in die Stadt zum shoppen zu fahren.

Ich sehe das nicht als Unterdrückung an, es ist höchstens eine Bevormundung, die aber ja nur zu meinem Besten ist, meine Frau macht sich halt Sorgen um mich und meine Sicherheit und will nur auf Nummer Sicher gehen. Irgendwann werden wir das auch wieder lockerer handhaben.

Aber es hat auch seine Vorteile: wir unternehmen jetzt mehr zusammen und sprechen uns jetzt mehr ab, wegen gemeinsamer Unternehmungen oder zum shoppen oder bummeln in die Stadt zu fahren. Und ich unternehme jetzt auvh wesentlich mehr mit meiner Mutter, Schwester oder Freundinnen, da ich ja alleine nicht weg darf bzw. soll. Es hat also auch seine Vorteile.

Es ist ärgerlich, daß ich wegen so einem Idioten quasi Hausarrest habe und nur noch mit Begleitschutz und Escortservice in die Stadt darf, auch wenn es nur zu meinem Besten und zu meinem Schutz ist. Ich bin nur froh, das hier bei uns noch nie was passiert ist - oder unterwegs, wenn ich meine Mutter, meine Schwester oder Freundin besucht habe, sonst würde meine Frau mich alleine gar nicht mehr vor die Tür lassen. Aber wie gesagt, sie macht sich halt nur Sorgen - ich nehme das ja eigentlich eher auf die leichte Schulter und wenn es nach mir ginge, dann hätte sich wegen diesem Kopftuch-Runterreißer bei mir nichts geändert, Idioten gibt es halt überall - aber meine Frau ist da halt vorsichtig und Überfürsorglich und das muß ich eben akzeptieren und respektiere das auch.

Es ist halt nur so traurig, daß ich mich als Deutsche in meinem Heimatland nicht mehr sicher fühlen kann, nur weil ich mich so kleide wie ich will und wie ich mich persönlich am wohlsten fühle. Und DAS nur wegen anderer deutscher Mitbürger, die in mir nur wegen meiner Kleidung eine Bedrohung sehen ohne daß ich oder sonst eine Frau mit Kopftuch ihnen je etwas getan hätte.

Und ich werde letzten Endes durch solche Vorsichtsmaßnahmen, wie sie meine Frau und ich beschlossen haben, auch noch dafür bestraft, weil sie viele Umstände machen und mich in meiner Freiheit und Freizügigkeit einschränken - auch wenn es den Vorteil hat, daß ich jetzt mehr mit meiner Frau und meinen Freundinnen unternehme und daß ich neue Leute kennengelernt habe, wie die drei Mädchen, die mich nach dem Angriff nach Hause gebracht haben (und zu denen ich immer noch Kontakt habe) oder meine Nachbarin, die mich täglich zur Arbeit und wieder nach Hause begleitet.

Dieses nicht mehr allein in die Stadt dürfen oder mich zur Arbeit begleiten und abholen lassen, war mir zuerst natürlich irgendwie peinlich, aber nachdem ich mich dran gewöhnt habe ist es schon irgendwie ganz nett. Dieser Kopftuch-Runterreißer war an dem ganzen - zumindest für mich - eigentlich das geringere Übel, schlimm sind eigentlich eher die Folgen, die das letzten Endes hatte, auch wenn das nur zu meinem Besten ist und weil meine Frau sich Sorgen um mich macht. Natürlich haben diese Folgen auch ihre positiven und angenehmen Seiten, die ich nicht von der Hand weisen kann und will.

Es ist halt nur schade, daß man wegen solch verkorkster Idioten solche Vorsichtsmaßnahmen überhaupt ergreifen muß und sich als Frau nicht mehr so kleiden kann, wie man es will und möchte - und man, wenn man es doch tut, sich um seine Sicherheit sorgen muss. Ich möchte nun mal ein Kopftuch tragen, aber das ist meine eigene ganz persönliche Sache und mein eigenes Problem - was geht das solche Spinner an? Und darf ich, nur weil ich Deutsche bin, kein Kopftuch tragen? Hab ich da irgendwas verpasst oder übersehen?!

Ich werd da echt nicht schlau drauß, was in den Köpfen dieser Leute vorgeht. Ich weiß nur, daß es vor PEGIDA, AfD und der gesteigerten Islamophobie hier in Deutschland, undenkbar gewesen wäre das mir irgendwas passiert, oder das überhaupt jemand auf die Idee kommt mir in der Öffentlichkeit einfach mein Kopftuch runter zu reißen. Das hätte sich keiner getraut - vor allem was sollen die Leute von so einem Typen denken? Das ist einigen Leuten ja durchaus nicht unwichtig. Aber mittlerweile haben solche Leute vermutlich die Vorstellung, daß sie wegen solch feiger Aktionen von den Umstehenden als Held gefeiert werden und sich so irgendwie profilieren können, weil sie ja der sind, der endlich was unternimmt. Nur gegen was? Dagegen das eine brave deutsche Frau Kopftuch trägt?! Scheint für einige undenkbar zu sein. Oder geht es dabei einfach nur darum eine Kopftuchträgerin zu demütigen, indem man ihr das Kopftuch runterreißt um sich selbst toll zu fühlen?


Aber allen Schwierigkeiten zum Trotz, genieße ich es immer noch anders zu sein und mit dem Kopftuch-tragen etwas für mich entdeckt zu haben, was mir gefällt, was ich schön finde und wo ich mich wohl bei fühle.
Und was andere Frauen, die wie ich Deutsche und Christin sind, eben nicht so ohne weiteres machen bzw. tragen und anziehen würden. Und auch wenn das Kopftuch hier bei uns oft von muslimischen Frauen getragen wird so ist es doch etwas anderes und "besonderes", wenn es eine Frau trägt ohne eine Muslima zu sein.
Ich mag meine Muslima-Mode und mein Kopftuch und trage beides nach wie vor sehr gerne - und das werd ich mir von solchen Idioten auch nicht vermiesen lassen, selbst wenn ich deswegen nicht mehr alleine weg darf - zumindest nicht mit Kopftuch, aber da ich nicht raus gehen will ohne eins zu tragen, geht es halt für's erste nur noch in Begleitung, was wie gesagt ja auch seine schönen und positiven Seiten hat.
Als ich mich dazu entschieden habe ein Kopftuch zu tragen, habr ich mich dazu entschlossen es mit allen Konsequenzen zu tragen, die es eben so mit sich bringt ein Kopftuch: Regeln, Vorschriften,  Einschränkungen (bei der Kleidungsauswahl und im Alltag), aber auch Diskriminierung und Ablehnung. Letzteres gab es am Anfang kaum, das ist erst in den letzten paar Jahren so extrem geworden. Und ich hoffe wirklich, das die Deutschen wieder normal und toleranter werden, damit ich mich trotz meines Kopftuchs wieder sicher fühlen kann.
Denn auch wenn ich keine Muslima bin (und eine Deutsche) so bin ich doch ein Kopftuchmädchen und möchte das aus vielerlei Gründen gerne bleiben, ohne deswegen Probleme zu haben oder Angst vor Übergriffen haben zu müssen.


Bildidee: Lady Bitch Ray © Columbus