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Sonntag, 11. Juni 2017

Das Kopftuch freiwillig tragen


"Jede Frau hat das Recht ein Kopftuch zu tragen, wenn sie das will.
- Ein Problem ist es nur dann, wenn sie es MUSS und dazu gezwungen wird das Kopftuch zu tragen.
Aber einfach davon auszugehen, dass jede Kopftuchträgerin dazu gezwungen wird ein Kopftuch zu tragen, ist schlicht Blödsinn. "





Ich finde das Tragen des Kopftuches und die Entscheidung es tragen zu wollen, sollte immer freiwillig sein. Eine Frau sollte das Kopftuch tragen, weil sie es selbst tragen will und gerne ein Kopftuch tragen möchte. Sie sollte es nicht tragen, weil andere es von ihr wollen oder meinen, daß sie es tragen müsste. Es sollte wirklich ihre eigene freie Entscheidung sein, ein Kopftuch zu tragen - und auch kulturelle, traditionelle, familiäre oder religiöse Gründe sollten bei dieser Entscheidung hinten an stehen. Eine Frau sollte ganz genau wissen, warum sie es trägt oder tragen will und sie sollte auch genau wissen, was das Kopftuch (ihr) bedeutet - und sie sollte sich voll und ganz darüber bewusst sein, was es für Folgen für sie hat, wenn sie es trägt, denn ein Kopftuch zu tragen bringt ja einiges an Veränderungen, Regeln, Einschränkungen und Beschränkungen mit sich - sie sollte also vorher genau wissen, worauf sie sich dabei einlässt. Wenn alles für sie passt, dann ist es vollkommen okay, wenn sie damit anfängt ein Kopftuch zu tragen. Aber wenn es einen oder sogar mehrere Punkte gibt, die dagegen sprechen würden ein Kopftuch zu tragen, dann sollte sie es lieber lassen. Und vor allem sollte eine Frau auch das Recht haben, sich gegen das Kopftuch entscheiden zu können - und vor allem es auch zu dürfen.
Sicher, wenn es “nur” ein Grund ist, der dagegen spricht, dann kommt es natürlich darauf an, wie gravierend dieser eine Grund ist - wenn er nicht so gravierend ist, dann könnte man ja eventuell auch Kompromisse eingehen. Aber die Bereitschaft dazu, diese Kompromisse einzugehen und die Entscheidung, dazu diese Kompromisse zu machen, um das Kopftuch trotzdem zu tragen, sollten allein von der Frau selbst kommen - ist sie also nicht bereit da irgendwelche Kompromisse einzugehen, dann sollte sie das mit dem Kopftuch lassen und das sollte auch akzeptiert und respektiert werden.
Oder wenn der Partner es sich wünscht oder es gar von seiner Ehefrau verlangt, dass sie ein Kopftuch trägt, dann kann sie ihm diesen Gefallen natürlich tun - und es als Liebesdienst oder Liebesbeweis ansehen. Aber letzten Endes liegt es ganz alleine an der Frau selbst, ob sie ihm diesen Gefallen auch tun möchte. Wenn sie das aus verschiedenen Gründen nicht will, oder das Kopftuch nur zu besonderen Anlässen und Gelegenheiten tragen möchte, dann sollte er das auch akzeptieren und respektieren.
Ich finde es generell falsch, wenn Mädchen und Frauen dazu gezwungen werden ein Kopftuch zu zeigen, sei es nun durch die Eltern, den Ehemann, die Familie im allgemeinen, von Freunden oder Bekannten oder durch kulturelle, traditionelle oder religiöse Zwänge. Oder wenn die Frauen von noch höherer Ebene, z.B durch Gesetze dazu verpflichtet / gezwungen werden, ein Kopftuch zu tragen und ihren Körper zu verhüllen. Sicher gibt es solche Gesetze nur in muslimischen Ländern, wo die meisten Frauen sich allein schon wegen ihrer Religion und ihrem Glauben so kleiden - das macht es aber nicht gerade besser, denn da es Gesetz ist und gesetzlich vorgeschrieben ist, heißt das auch, daß eine Frau bestraft werden kann - und auch bestraft wird - wenn sie sich nicht so kleiden möchte.
Aber genauso falsch würde ich es finden, wenn hier bei uns das Kopftuch per Gesetz verboten werden würde und Frauen somit gezwungen werden kein Kopftuch zu tragen, bzw. das Kopftuch gesetzlich vorgeschrieben nicht tragen dürfen, ganz egal aus welchen Gründen sie es tragen wollen oder welcher Religion sie angehören. Das würde unsere ganze Freiheit, die wir hier haben, in Frage stellen, denn bisher ist es ja so, daß jede/r sich so kleiden darf wie er/sie will, solange man mit seinem Outfit und Kleidung andere nicht stört oder belästigt, indem man sich z.B auf obszön / frivole Weise präsentiert - was allerdings auch noch nicht unbedingt ein Problem ist, solange niemand die Polizei ruft und Anzeige erstattet.
Also bevor man das Kopftuch verbietet, sollte man es lieber verbieten und unter Strafe stellen, daß Mädchen und Frauen dazu gezwungen werden ein Kopftuch zu tragen. Man sollte die Mädchen und Frauen aus diesen Kulturkreisen dazu ermächtigen und ermutigen, selbst zu entscheiden und entscheiden zu dürfen ob sie ein Kopftuch tragen wollen oder nicht. Man sollte bei beiden Seiten das Bewusstsein schärfen, daß hier bei uns niemand dazu gezwungen werden darf, ein Kopftuch tragen zu müssen und daß sie hier auch kein Kopftuch tragen brauchen oder müssen, wenn sie es nicht wollen. Vielmehr sollte man vielleicht Beratungs- und Anlaufstellen für Frauen und Mädchen einrichten, die dazu gezwungen werden, ein Kopftuch zu tragen. Wenn sowas überhaupt angenommen wird, denn die Zahl der Frauen und Mädchen die dazu gezwungen werden, ein Kopftuch zu tragen, ist vermutlich wohl eh viel kleiner, als uns die öffentliche Meinung weis machen will - der Großteil der Frauen, die ein Kopftuch tragen, trägt es vermutlich eh freiwillig und aus eigener Entscheidung heraus, weil sie es tragen wollen. Und die Frauen, die es nicht ganz freiwillig tragen, arrangieren sich erfahrungsgemäß irgendwie damit, daß sie es tragen müssen und machen das Beste draus, so daß es bald keine Rolle mehr spielt, ob sie es tragen wollen oder möchten - sie tragen das Kopftuch und es ist okay für sie - irgendwie.
Opimal ist das natürlich nicht als Kopftuchträgerin kann man nur glücklich sein, wenn man es wirklich tragen will und möchte und wenn man es freiwillig und von sich aus trägt - nur dann kann man ein überzeugtes und glückliches Kopftuchmädchen sein.
Was ist allerdings mit den Frauen, die sich nach ihrer Entscheidung ein Kopftuch zu tragen, dazu verpflichtet fühlen, es zu tragen - sei es nun aus traditionellen, kulturellen, persönlichen, familiären, romantischen, religiösen oder spirituellen Gründen — ist DAS dann nicht auch eine Form von MUSS oder Zwang?! Nicht unbedingt, denn wenn eine Frau sich freiwillig dafür entscheidet ein Kopftuch zu tragen UND ihr von vornherein bewusst ist, daß sie damit auch eine Verpflichtung eingeht, das Kopftuch aus einem oder mehreren von den zuvor genannten Gründen ständig tragen zu müssen, dann weiß sie ja bei Ihrer Entscheidung für das Kopftuch, das sie damit auch eine Verpflichtung es zu tragen eingeht - und diese Verpflichtung ist somit auch Teil ihrer Entscheidung. Es steht ihr also frei, sich für das Kopftuch zu entscheiden und damit auch die Verpflichtung einzugehen es zu tragen - oder sich gegen das Kopftuch und die Verpflichtung es zu tragen, zu entscheiden. Das ist somit ein notwendiges MUSS, was dazugehört, also quasi ein gewolltes und akzeptiertes MUSS.
Ich selbst kenne zumindest keine Frau, die dazu gezwungen wird ein Kopftuch zu tragen oder sich nicht wohl damit fühlt. Die Kopftuchträgerinnen, die ich kenne tragen es alle freiwillig und aus freien Stücken und es war ihre eigene Entscheidung es zu tragen.

Und auch ich selbst trage mein Kopftuch freiwillig, weil ich es tragen will und möchte und es zu tragen war meine Entscheidung ganz alleine. Und da ich Deutsche und Christin bin, konnte ich meine Entscheidung ganz unabhängig von irgendwelchen sozialen, gesellschaftlichen, kulturellen, traditionellen, familiären oder religiösen Zwängen oder Überzeugungen fällen. Ich hatte nur die fixe Idee unbedingt ein Kopftuch tragen zu wollen. Nachdem ich dann die Gelegenheit hatte, das Kopftuch probeweise einmal für einen​ längeren​ Zeitraum ständig im ganz normalen Alltag zu tragen, war ich einfach nur begeistert davon. Wie die bedeckende Mode und das Kopftuch an mir aussahen, das Tragegefühl, meine eigenen Gefühle beim Tragen bzw. wie ich mich selbst so gekleidet fühlte und die eher gleichgültigen Reaktionen der Leute (und Jungs / Männer) auf mich als Kopftuchträgerin, das gefiel mir alles sehr gut. Und ich wußte nach dieser “Probezeit”, daß ich das Kopftuch wirklich tragen will und möchte. Und nach dieser “Probezeit” war das verlangen danach, ein Kopftuch tragen wollen so groß, daß ich dem einfach nachgeben mußte und mich für das Kopftuch entschied. Da es eher eine persönliche Entscheidung auf Basis von Mode, Tragegefühl und dem ganzen drumherum war, war es für mich okay es auch als Christin zu tragen. Mir hat da keiner reingeredet, daß ich es tragen soll - mir wollten das eher diverse Leute (die allerdings mit meiner “Probezeit” kein Problem hatten) wieder Ausreden, aber für mich stand meine Entscheidung schon fest und es war mir damals egal was die Leute sagen, ich wollte es unbedingt tragen, mein eigenes Ding machen und machen was mir gefällt - eben anders sein als die anderen.
Nach meiner offiziellen Entscheidung für das Kopftuch, fühlte ich mich natürlich dazu verpflichtet, es ständig zu tragen - das gehört für mich dazu. Wenn man sich erstmal für das Kopftuch entschieden hat, dann MUSS man es auch ständig tragen - immer und überall, ganz egal, wo man hingeht. Aber das war mir vorher schon klar, daß aus dem wollen und möchten ein MUSS wird, sobald ich mich offiziell dafür entschieden habe ein Kopftuch zu tragen. Trotzdem trage ich es immer noch freiwillig, weil ich es tragen will und möchte - auch wenn ich mich mittlerweile aus diversen Gründen dazu verpflichtet fühle mein Kopftuch zu tragen und es deshalb tragen muss. Aber dieses MUSS basiert auf meiner eigenen Einstellung zum Kopftuch und meinen eigenen Vorstellungen davon, wie ich mein Kopftuch tragen will und möchte, es ist also mein ganz persönliches MUSS - d.h. es kommt von mir selbst und nicht von außen von anderen und das ist ein großer und wichtiger Unterschied.



Durch das Kopftuch habe ich meinen eigenen (christlichen) Glauben an Gott wieder entdeckt und wieder gefunden und ich bin mittlerweile auch zu der Überzeugung gelangt, daß ich auch als Christin in der Öffentlichkeit ein Kopftuch tragen und meinen Körper bedecken sollte und muss - das ist für mich als brave Frau und gute Christin anständiger, sittsamer und züchtiger. Für gewöhnlich bin ich ja auch ein braves und anständiges Kopftuchmädchen, wenn ich außer Haus bin, in der Öffentlichkeit, unter fremden Leuten gehört sich das ja auch so. Freizügig, ungezogen, unanständig und unzüchtig bin ich nur zu Hause im privaten Bereich, wo ich das auch darf und so sein kann wie ich will und wie ich bin.
Aber mittlerweile trage ich mein Kopftuch eben auch aus religiösen oder zumindest aber aus spirituellen Gründen, um Gott zu gehorchen und zu dienen und ihm meinen Respekt zu zeigen. Ich fühle mich mit dem Kopftuch Gott näher und fühle mich von ihm begleitet und beschützt. 



Es gibt ja auch im Christentum ein entsprechendes “Kopftuchgebot” oder zumindest Regeln, nach denen sich die Frau anständig und sittsam kleiden soll, ihren Körper und ihre weiblichen Reize bedecken soll UND nach Möglichkeit auch ihren Kopf und ihre Haare mit einer Kopfbedeckung (z.B. Kopftuch) bedecken soll. Was ich durchaus auch sehr gut und sinnvoll finde, allerdings ist das (leider) bei den meisten Christen / Christinnen mittlerweile in Vergessenheit geraten und hat (leider) so gut wie gar keine Bedeutung mehr und wird nicht mehr beachtet. Und wer sich dennoch daran hält, wie ich, wird oft müde belächelt und als verrückt und seltsam abgestempelt. 



Ich trage es, weil ich als anständige und gläubige Frau erkannt und nicht​ wegen meines Aussehens belästigt werden möchte - außerdem signalisiere ich mit der Bedeckung meiner weiblichen Schönheit und dem verstecken der weiblichen Reize meines Körpers, daß ich nicht zum flirten bereit bin und kein Interesse an Männerbekanntschaften habe. 

Ich halte mich, was Kopftuch und Kleidung angeht, am liebsten an die muslimischen Regeln und Vorschriften, da diese doch sehr ausführlich und eindeutig sind - auch was das Benehmen und Verhalten der Kopftuch-tragenden Frau angeht. Ich finde das auch durchaus legitim, da Christen und Muslime ja an den gleichen, oder besser gesagt an denselben Gott glauben und es für eine Christin genauso gut und richtig ist, sich so wie eine Muslima zu kleiden. Außerdem haben Muslime, bzw. Musliminnen eine genauere Vorstellung davon, WARUM eine Frau sich überhaupt bedecken und ein Kopftuch tragen sollte. Hier ist das Warum und Wie einfach genauer und besser geregelt und erklärt als im Christentum. Man muss sich halt nur ein wenig damit beschäftigen und sich das herausziehen, was einem selbst wichtig ist. Allerdings muss ich natürlich zugeben, daß man es als Christin, die ein Kopftuch trägt oder tragen will, einfacher und leichter hat, als eine Muslima. Denn im Christentum ist die Kopfbedeckung / das Kopftuch wirklich freiwillig, während es im Islam (fast schon) als religiöse Pflicht angesehen wird es zu tragen - und auch wenn es eigentlich keinen Zwang im Glauben gibt (geben sollte), so ist es für eine Frau doch schwierig, sich dem Thema Kopftuch zu entziehen, während es im Christentum genau andersrum ist: es tragen kaum Frauen Kopftuch und dafür haben es die wenigen, die es gerne tragen wollen schwer.
Als Christin wird man schief angeschaut, wenn man ein Kopftuch trägt oder tragen will, während man als Muslima schief angeschaut wird, wenn man keins trägt oder keins tragen will.
Verkehrte Welt, soll es doch jede machen, wie sie es gerne machen möchte, wie es ihr am Besten gefällt und wie sie sich am wohlsten fühlt - ganz unabhängig davon, was andere meinen oder wollen, denn was geht es andere an, ob ich ein Kopftuch trage oder nicht?! Es ist schließlich mein Körper und mein Leben.
Ich trage nun schon seit 16 Jahren offiziell Kopftuch und lebe nun seit 16 Jahren unter dem Kopftuch und ich habe es bisher nie wirklich bereut, daß ich mich für das Kopftuch entschieden habe. Ich finde es sehr interessant, reizvoll und faszinierend, mit meinem Kopftuch unterwegs zu sein. Ich fühle mich sicher und beschützt damit und es gibt mir ein Gefühl der Macht und Kotrolle, darüber, was andere von mir und meinem Körper sehen können und dürfen. 



Und ich bin wirklich froh, dass ich, eine Partnerin habe, die es akzeptiert, daß ich ein Kopftuch trage - ihr gefällt es sehr gut, daß ich es trage und sie unterstützt das auch, wo sie kann. Manchmal trägt sie sogar selbst ein Kopftuch, wenn wir zusammen weg gehen (spazieren, shoppen, Essen gehen, Freundinnen besuchen). Das fühlt sich zwar immer etwas komisch an, weil ich ja eigentlich die Kopftuchträgerin bin und sie es nur vorübergehend trägt, aber es ist trotzdem irgendwie cool und schön, wenn wir beide so unterwegs sind.
Der fairness halber muß ich natürlich sagen, daß es meinem Ex-Freund / Verlobten, mit ich vorher lange zusammen war und zusammen gelebt habe, auch gut gefallen hat, daß ich ein Kopftuch trage. Er hat es akzeptiert und respektiert, daß seine Partnerin eine Kopftuchträgerin ist und er mochte das wirklich sehr gerne. Es gehörte für ihn zu mir und er fand es wirklich toll, auch weil er meinen Anblick nicht mit anderen Männern teilen mußte. Nach einer Weile gehörte das einfach zu unserer Beziehung, daß ich Kopftuch trage und es wäre für ihn undenkbar gewesen, daß ich es plötzlich nicht mehr trage. Dabei ist er Christ wie ich und hatte mit dem Thema eigentlich vorher nichts am Hut. Dennoch verlangte er es förmlich von mir, daß ich mein Kopftuch weiterhin für ihn trage, auch wenn er das natürlich nicht so direkt gesagt hat, aber das war okay für mich, da ich es ja eh tragen wollte.
Meiner jetzigen Partnerin und Ehefrau ist es mittlerweile auch sehr wichtig geworden, daß ich ein Kopftuch trage - es gehört für sie ebenfalls untrennbar zu mir und sie genießt es sehr, daß Männer mich nicht ohne Kopftuch sehen dürfen und daß ich mein Kopftuch auch vor den meisten anderen Frauen trage und sie so meinen Anblick nicht teilen muß und das für dich hat und sich so auch keine "Sorgen" machen muss. Insbesondere das mich Männer nicht ohne mein Kopftuch sehen dürfen, weil ich rbrn eine Frau bin findet sie toll - und passend, weil ich ja in einer lesbischen Beziehung lebe und mit einer Frau verheiratet bin und somit (obwohl BI) selbst auch bekennende Lesbe bin, da ist es doch sehr cool und passend, daß Männer mich nicht ohne Kopftuch sehen dürfen.
Sie findet es toll mit einem Kopftuchmädchen liiert zu sein und verlangt mittlerweile auch ganz offen von mir, daß ich mein Kopftuch für​ sie trage und daß ich es auch weiterhin trage und nicht einfach so damit aufhöre. Das macht sie aber auch nur, weil sie meine Einstellung zum Kopftuch kennt und weiß, daß ich es gerne tragen möchte und will und es so oder so tragen würde. Denn das sie von mir verlangt das Kopftuch für sie zu tragen, bedeutet ja indirekt auch, daß sie mir vorschreibt es zu tragen. Aber das ist okay für mich, denn sie ist schließlich meine Ehefrau und ich trage mein Kopftuch gerne für sie und bin gerne ihr Kopftuchmädchen. Und so weiß ich wenigstens, daß es ihr gefällt, daß sie es akzeptiert und daß es ihr wichtig ist, daß ich es trage - und ich habe so einen guten Grund mehr es zu tragen und es tragen zu müssen. Außerdem trägt sie ja selbst hin und wieder mal ein Kopftuch und weiß was sie da von mir verlangt. Und sie hat mir zuliebe vor einiger Zeit aufgehört Jeans und Hosen anzuziehen und trägt seitdem fast nur noch Röcke und Kleider, weil mir das wichtig war, daß sie sich als Frau und meine Partnerin so kleidet - da kann sie das dann auch ruhig von mir verlangen und da muß ich dann halt auch Zugeständnisse machen. 
Aber wie gesagt, ich will und möchte das Kopftuch sowieso tragen und bin Kopftuchträgerin und Kopftuchmädchen aus Leidenschaft und Überzeugung - da macht es keinen großen Unterschied, ob sie nun von verlangt es für sie zu tragen oder nicht - es gibt dem ganzen nur einen größeren Stellenwert und mehr Gewicht und Bedeutung.

Wie dem auch sei, es geht mir darum, dass ICH mich wohl fühle in meiner Kleidung wohlfühle. Genauso wie es Frauen ohne Kopftuch wichtig ist, sich in ihren Klamotten auch wohlzufühlen.
Und ich fühle mich nunmal nur (noch) MIT Kopftuch wohl. Egal ob man mich mit Kopftuch für “NOT so hot" halten würde, ich will ja auch gar nicht, daß man(n) mich für HOT hält, denn da ich ja eine Frau bin werden hauptsächlich Männer nach mir sehen und beurteilen, ob ich in ihren Augen ”Hot or Not” bin.
Das will ich aber gar nicht, da ich in festen Händen bin und außerdem wäre das auch unpassend, da ich ja mit einer Frau verheiratet bin - aber selbst, wenn ich mit einem Mann zusammen wäre, wäre es unangebracht, wenn ich mich in der Öffentlichkeit von anderen Männern “begutachten” und begaffen lassen würde.
Aber mir ist das sowieso egal, was andere Menschen von meinem Aussehen halten (was nicht heißen soll, dass ich wie 'ne Vogelscheuche durch die Gegend laufe), wenn ich mich schön anziehe, dann nur, damit ich mich selbstbewusst und gut fühle. Denn nur wenn ich mich in meiner Haut wohlfühle (= Kopftuch, schöne Kleidung und ein gepflegtes Äußeres), kann ich auch selbstbewusst sein.
Ich ziehe mich also nur für mich selbst - und für meine Ehefrau - schön an, für niemand sonst. Und was mein Kopftuch und meine Kleidung verbergen und verstecken ist ja auch nicht für fremde Augen bestimmt, sondern geht nur mich und meine Partnerin was an. 
Und ich trage mein Kopftuch freiwillig, weil ich es tragen möchte und tragen will. Es hat eine besondere Funktion und eine spezielle (spirituelle) Bedeutung für mich. Daß ich das Kopftuch tatsächlich ständig tragen MUSS ist auch meine eigene freie Entscheidung und Einstellung dazu und meine ganz persönliche Kopf-Sache, denn niemand zwingt mich dazu mein Kopftuch zu tragen - außer mir selbst natürlich. 





Nachtrag über das "Kopftuch tragen MÜSSEN":Ich erwähne des öfteren, daß ich mein Kopftuch tragen MUSS - hier könnte leicht der Eindruck entstehen, daß ich zum tragen des Kopftuches verdonnert und gezwungen werde - dem ist aber nicht so, denn dieses MÜSSEN kommt nicht von außen - es kommt von mir selbst, von meiner Einstellung zum Kopftuch und meinen ganz eigenen Vorstellungen vom Kopftuch tragen, die darauf hinauslaufen, das ich es tragen MUSS. Damals, als ich mit dem Kopftuchtragen​ anfing wollte ich es unbedingt ständig tragen, weil ich es wollte und weil ich es gern trug. Ich stellte mir allerdings auch vor, wie es wäre, wenn ich tatsächlich tragen müsste - und gar keine andere Wahl hätte als es zu tragen. Ich fand diesen Gedanken durchaus interessant, spannend und faszinierend. Aber mein kultureller, traditioneller, familiärer und religiöser Hintergrund gaben eine generelle Verpflichtung zum Kopftuchtragen als MUSS einfach nicht her. Und zum Islam zu konvertieren, nur damit ich ein Kopftuch tragen muss, war auch keine Option, denn das wollte ich ja gar nicht, da ich mich als Christin ganz wohl mit meinem Glauben fühle. Also bekam ich meine ganz eigenen Vorstellungen, von meinem persönlichem Kopftuch-MUSS - und stellte mir meine eigenen Regeln und Vorschriften auf, die mich zum Kopftuchtragen verpflichteten und weswegen ich es tragen muss. Zuallererst sah ich natürlich meine freiwillige Entscheidung dafür, ständig ein Kopftuch tragen zu wollen, als Verpflichtung an - sprich, durch diese bewußte Entscheidung für das Kopftuch ist aus dem Wollen und Möchten (in meiner Vorstellung) ein MUSS geworden. Was ja okay so ist, denn ich möchte ja eine Kopftuchträgerin sein und möchte es tragen müssen. Und das zweite MUSS ist, daß ich es aus Gehorsam, Demut und Respekt zu Gott trage, denn mit meiner Entscheidung das Kopftuch zu tragen, habe ich mich letzten Endes auch entschieden, Gott zu gehorchen, seinem Willen zu folgen und es für Ihn zu tragen. Und diese Verpflichtung kann man nun schlecht leugnen oder von der Hand weisen. Ich habe auch noch andere Gründe für mich gefunden, aus denen ich das Kopftuch tragen muss, aber die möchte ich jetzt hier nicht alle aufzählen. Auf jeden Fall hab ich mich da im Laufe der Zeit ziemlich reingesteigert, so daß ich selbst dran geglaubt habe das Kopftuch nun tragen zu müssen und es nicht wieder ablegen zu können und zu dürfen.Daß meine Partnerin ganz offen von mir verlangt, daß ich das Kopftuch für sie tragen soll, ist in dem Sinne sogar eine Entlastung für mich, weil mir da jetzt um das muß und die Gründe dafür keine Gedanken mehr machen muss, sondern mich entspannt zurücklehnen kann und mir sagen kann, daß ich mein Kopftuch tragen muss, weil meine Ehefrau will, daß ich es für sie trage und sie es von mir verlangt. Für sie trage ich es natürlich gerne - ich sehe daß auch nicht als zwingen oder so an, ich sehe das eher als Liebesdienst und Liebesbeweis - so wie sie für mich nur noch Röcke und Kleider anzieht. Und da ich das Kopftuch ja sowieso tragen will und möchte, macht es eigentlich keinen Unterschied, dass sie es mir quasi vorschreibt - zu etwas das man freiwillig macht und tun will, kann man schließlich schlecht gezwungen werden. Aber es gibt dem ganzen halt mehr Gewicht und Bedeutung - und zusätzlich zu meinem eigenen Gründen ein Kopftuch tragen zu müssen, kommt es einem MUSS, wie ich es immer haben wollte schon sehr nahe, wenn sie auch noch von mir verlangt ein Kopftuch für sie zu tragen und ihr Kopftuchmädchen zu sein. So hab ich jetzt quasi meine eigenen Gründe, das Kopftuch tragen zu müssen und das verlangen bzw. die Verpflichtung durch meine Partnerin, mein Koptuch für sie zu tragen, von außen​, so daß sich jetzt innere und äußere Gründe das Kopftuch tragen zu müssen, die Waage halten. Aber dennoch läuft alles so, wie ich es gern haben möchte, ich trage ich mein Kopftuch immer noch freiwillig, weil ich es tragen will und möchte. Und ich MUSS es trage, weil ich das so möchte und ich es gerne tragen müssen will. 

Donnerstag, 20. April 2017

Ich bin eine Christina / Ich bin ein Kopftuchmädchen.


Muslimin mit Kopftuch = Muslima
Christin mit Koptuch = Christina ???

Ich mag das Wort "Muslima", ich find's wunderschön und wenn ich es höre, dann sehe ich vor meinem inneren Auge immer eine hübsche Frau mit Kopftuch. Für mich ist eine Muslima in erster Linie eine Kopftuchträgerin, aber natürlich sagt das Wort auch aus, das sie eine Muslimin ist, dem Islam angehört und zu Allah betet.
Da ich selbst Kopftuchträgerin bin, würde ich mich gern selbst auch als "Muslima" bezeichnen können, aber das geht leider nicht, da ich keine Muslimin bin. Ich bin Christin und daran wird sich auch nichts ändern. Also kann ich keine "Muslima" seine. Wenn man natürlich "Muslima" nur mit einer Kopftuchträgerin gleichsetzt, dann könnte ich immer noch eine "Christliche Muslima" sein. Klingt aber irgendwie komisch, wenn man weiß, daß Muslima auch für eine muslimische Frau im allgemeinen steht, dann klingt das irgendwie komisch.
Es wäre natürlich toll, wenn es für kopftuchtragende Christinnen auch ein eigenes Wort, eine eigene Bezeichnung, gäbe, gibt es aber leider nicht, zumindest ist mir da nichts bekannt. Dazu tragen es heutzutage wohl zu wenig Christinnen, als daß es sich lohnen würde, dafür eine eigene Bezeichnung zu ersinnen.
Ich bin da zwar nicht wirklich traurig drüber, dennoch finde ich es schade, daß mir als christliches Kopftuchmädchen die Bezeichnung "Muslima" und damit dieses wunderschöne Wort verwehrt bleibt.
Ich habe da letztens mal mit einer Freundin, die selber Muslima ist, drüber philosophiert und sie ist auch die Idee gekommen, es doch nach dem selben Muster, wie bei der "Muslima" zu machen. Sprich, ich bin eine Christin, also nimmt man "Christin" und hängt einfach ein "a" dran - und tada heraus kommt "Christina". Finde ich als Namen auch wunderschön und als Bezeichnung für eine Kopftuchtragende Christin? Da wäre es auch okay und wirklich sehr schön. Dann könnte ich sagen, daß ich eine "Christina" bin, wäre auch schön - nur ob sich daß so durchsetzen würde?

"Hey, sieh mal, sie trägt ein Kopftuch - ist sie eine Muslima?"
"Nein, sie ist eine Christina."
"Ach so."

Naja, wie dem auch sei, ich finde es toll eine Kopftuchträgerin zu sein und ich finde es auch toll ein Kopftuchmädchen zu sein - und deswegen finde ich es auch toll eine Christina zu sein - und bin stolz darauf.
Und auch, wenn sich “Christina” wohl nie als Bezeichnung für Kopftuchtragende Christinnen durchsetzen wird, so wissen doch meine Freundinnen und ich mittlerweile ganz genau was gemeint ist, wenn ich sage:
"Ich bin eine Christina."
Das hat sich mittlerweile zu einem kleinen Insider entwickelt, eine schöne Bezeichnung für mich als christliche Kopftuchträgerin, mit der ich gut leben kann.
Als eine Freundin letztens meinte: "Ah, da ist ja unsere Christina." als ich kam, dachte eine Bekannte von ihr doch glatt, daß ich Christina heiße und hat mich dann auch die ganze Zeit so genannt, was uns allerdings nicht aufgefallen ist. Erst als sie mich dann "Chrissie" nannte, sahen wir sie alle an und da ist uns das Mißverständnis dann aufgefallen und wir haben sie dann erstmal eingeweiht, was die Christina” zu bedeuten hat - und wir haben herzlich darüber gelacht. Die Bekannte nennt mich jetzt immer noch Christina, meistens mit einem Augenzwinkern - zumindest wenn ich sie gerade ansehe. Ein neuer Spitzname? Vielleicht. Hätte ich zumindest nichts gegen.

Naja, über was man sich nicht so alles Gedanken macht. Ich muß mich halt damit abfinden, daß es für mich keine besondere Bezeichnung gibt und dass ich eben "nur" eine Kopftuchträgerin oder eben ein "Kopftuchmädchen" bin. Wobei ich letzteres auch sehr schön und passend finde.

Das Internet sagt dazu:
Kopftuchmädchen, das = meist abwertend: weibliche Person in einem Alter zwischen 2 und 18 Jahren, welche (meistens aus religiösen Gründen) ein Kopftuch trägt.

Gut, 18 bin ich zwar nicht mehr, aber ein Mädchen bin ich in gewisser Hinsicht ja immer noch, ein Kopftuch trage ich auch und aus religiösen Gründen (selbst wenn das in Klammern steht) trage ich es ja zu einem Teil auch. Das “Kopftuchmädchen” nun eine abwertende Bezeichnung für eine Kopftuchträgerin ist, oder es abwertend gemeint ist, finde ich eigentlich nicht. Ist doch eigentlich ganz hübsch. “Kopftuchfrau” würde ich allerdings doof finden, da finde ich “Kopftuchmädchen” schon schöner.
Gut, dann bin ich eben ein “Kopftuchmädchen”. Das Kopftuchmädchen Christina. ;-)

LG Diana (genannt Amirah) - gläubige Christina. ;-)

(Ich hoffe ich habe mit diesem Text niemanden beleidigt, oder sonstwie auf den Schlips getreten. Der Text spiegelt auch lediglich meine persönliche Meinung und meine eigenen Gedanken zu dem Thema wieder.)

Sonntag, 19. März 2017

Schlechte Kopftuch Situationen im Alltag

Letztens stand ich in der Drogerie am Regal und suchte ein Haarshampoo und eine Dame starrte mich unaufhörlich von der Seite an. Ich lächelte sie an, worauf sie barsch zu mir sagte: "Sowas brauchen sie doch gar nicht." Dann blickte sie abfällig auf mein Kopftuch und meinte: "Schauen sie lieber mal beim Waschmittel, damit können sie den Lappen dann wenigstens waschen."
Ich war erst etwas baff und fühlte mich ein wenig vor den Kopf gestoßen, entgegnete dann aber freundlich und bestimmt: "Ob sie es nun glauben oder nicht, aber ich habe unter meinem Kopftuch auvh Haare, die regelmäßig gewaschen werden wollen. Waschmittel für meine Kopftücher habe ich schon, aber trotzdem Danke für ihre Beratung."
Sie guckte mich etwas verduzt an, vermutlich hatte sie nicht damit gerechnet, daß ich sie verstehe und deutsch spreche.
Sie sah mich misstrauisch an und fragte mich dann in dem Tonfall eines Ordnungshüters, woher ich denn käme.
Ich erwiederte: "Aus Deutschland, ich bin Deutsche und hier gebore, genau wie meine Eltern, Großeltern und die, die es davor noch gab."
Darauf zischte sie: "Das hatte ich befürchtet. WIE kann man als DEUTSCHE nur SOO rumlaufen?! Was soll das?? WIE kann man nur so blöd sein?"
Sie sah mich an, als lauerte sie auf eine Antwort, die sie mir als nächstes um die Ohren hauen könnte.
Ich fühlte mich bedrängt und von der Situation langsam aber sicher überfordert und wußte auch nicht mehr so recht, was ich noch sagen sollte. Also sagte ich dann: "Weil ich es möchte und weil ich es toll finde. Aber WAS wollen sie jetzt eigentlich von mir? Ich bin ja noch nicht mal eine Muslima...!" Wobei ich auf das große Kreuz deutete, was ich an einer langen Kette um den Hals trug und das in Brusthöhe unter meinem Kopftuch hervorlugte. Sie sah mich erschrocken an und ich triumphierte innerlich schon, weil ich dachte sie hätte jetzt eingesehen, daß sie einen Fehler gemacht hat. Doch sie entgegnete nur aufgebracht: "Das.... das,.. das ist ja noch schlimmer!!!" Ich fragte: "Warum?" Aber die Antwort blieb sie mir schuldig, da sie schon auf dem Absatz kehrt gemacht und hinter dem nächsten Regal verschwunden war und mich verduzt stehen ließ.
"Alles in Ordnung?" fragte eine Stimme hinter mir. Ich drehte mich um, da stand ein junger Mann. Ich meinte: "Ja schon, wenn ich innerlich nicht gerade auf 180 wäre." Er grinste und meinte "Ja, ich hab das eben mitbekommen, unmöglich solche Leute. Lass Dich nicht ärgern, es sind nicht alle so drauf."
Ich: "Ja, Danke, ich werd's versuchen"
Er: "Ich wünsche Dir trotzdem noch einen schönen Tag."
Dann steckte er sich seine Ohrstöpsel wieder in die Ohren und ging seiner Wege. Ich frage mich nur, warum er sich nicht schon vorher eingemischt hat. Allerdings drohte mir ja auch keine Gefahr und er mußte ja auch erstmal die Lage abchecken. Und er hat ja hinterher wenigstens gefragt, also will ich mich da auch nicht beklagen.

Letztens in der Bahn döste ich so vor mich hin an einer Haltestelle stieg eine Frau ein und setzte sich zu mir in die Vierergruppe. Ich machte kurz die Äuglein auf um zu gucken, wer sich da hingesetzt hat, und als ich sie gerade wieder geschlossen hatte, fragte mich die Frau:
"Warum trägst du das Kopftuch?"
"Weil ich es gerne tragen will.", antwortete ich, woraufhin sie mich anschrie "Willst du nicht!"
Ich riss erschrocken und überrascht die Augen ganz auf und da kam aus ihrem Mund schon ein Redeschwal, dem ich nicht so ganz folgen konnte, weil sie auch so schnell sprach, daß sich ihre Stimme fast überschlug.
Ich verstand hin und wieder nur Worte wie Afghanistan, Gewalt an Frauen, Unterdrückung von Frauen, Frauenrechte, Emanzipation, Zwangsehen, Ehrenmorde, - das volle Programm eben. Als sie am Ende war, meinte sie nur, wie man sowas nur tragen kann, wenn man weiß, das doch weltweit Frauen unter dem Kopftuch leiden müssen.
Wow, dachte ich, diese Predigt hat sie sich anscheinend schon lange zurechtgelegt und wartet nun schon ewig darauf, das jemandem an den Kopf zu werfen und ich hab es nun abgekriegt.
Ich sah sie von Kopf bis Fuß an. Und dann sagte ich ganz ruhig:
"Sie wissen doch das solche Sneaker, wie die, die sie da tragen, in Asien von kleinen Kinderhänden gefertigt werden oder sie zumindest von Frauen für Hungerlöhne zusammengenäht werden. Aber nur weil sie dieses Wissen haben, hören sie ja auch nicht auf Schuhe zu tragen.
Wenn ich sage, daß ich mein Kopftuch trage, weil ich es gerne tragen will, dann ist das auch so. Aber ich sage es gerne nochmal: ich trage mein Kopftuch aus freien Stücken, weil ich es gerne tragen möchte und es schön finde."
Daraufhin kam fast schon trotzig von ihr: "Möchtest Du nicht, Du wirst doch von Deinen Eltern oder Deinem Mann dazu gezwungen das Kopftuch zu tragen."
Worauf ich erwiderte: "Gute Frau, das kann wohl kaum so sein, wie sie sagen, denn ich habe keinen Mann - ich bin lesbisch und meine Ehefrau würde mich nicht dazu zwingen ein Kopftuch zu tragen. Und meine Eltern sind, wie ich, Deutsche und sie sind genau wie ich brave Christen." Wobei ich zu meinem Kreuz, was ich um den Hals trug griff und es ihr triumphierend, wie einem Vampir entgegen hielt. "Sie würden mich also auch nicht dazu zwingen ein Kopftuch zu tragen, wozu auch?! Es ist meine freie Entscheidung ein Kopftuch zu tragen, weil ich es schön finde und es gerne tragen möchte. Können oder wollen sie das nicht akzeptieren? Wir leben doch in einem freien Land."
Sie wurde rot, nahm ihre Tasche und ging zur Tür, wo sie dann auch stehen blieb, bis sie aussteigen mußte.
Natürlich guckten mittlerweile alle zu mir - einige nickten mir wohlwollend zu, andere grinsten vor sich hin. Und eine Muslima mit Kopftuch sah mich, seitdem ich erwähnte, daß ich lesbisch bin, so komisch an. Es war so eine Mischung aus argwohn, ekel und misstrauen. Vermutlich malte sie sich gerade aus, in welchen Höllenfeuern ich wegen gleichgeschlechtlicher Liebe schmorren würde. Das war mir aber gerade ganz egal, ich war nur froh diese Schreckschraube los zu sein. Sie hatte zwar ihr Ziel - was auch immer das gewesen sein mag - nicht erreicht, aber sie hatte es zumindest geschafft, mich vor allen Leuten in der Bahn bloßzustellen (zumindest die in Reichweite) - auch wenn sie sich dabei selbst demontiert hat. Mir war das alles ziemlich peinlich und ich blieb bis zum Aussteigen mit einem unguten Gefühl in der Magengegend sitzen.
Beim aussteigen nickte mir die Muslima mit dem Kopftuch freundlich zu und meinte "Gut gemacht, bloß nichts gefallen lassen. Lass Dich nicht ärgern, Schwester."
Das überraschte mich dann doch, ich hatte wohl ihren Blick falsch gedeutet - oder sie hatte sich von dem Schock mittlerweile erholt. Sicher war sie aber wohl froh, daß sich die Verrückte zu mir und nicht zu ihr gesetzt hat.

Ich verstehe nicht, das Frauen mit Kopftüchern immer als unterdrückte Wesen und Opfer des männlichen Triebs gesehen werden und das Leute meinen, daß sie wegen ihrem Kopftuch bemitleidet werden müssen und in die ach so beliebte Opferrolle gedrängt werden müssen. Kommt denn niemand auf die Idee, daß es auch viele gibt, die es aus den unterschiedlichsten Gründen freiwillig tragen, weil sie es tragen wollen und es ihre freie Entscheidung ist ein Kopftuch zu tragen?!
Wie es wirklich ist, erfährt man doch sowieso nur, wenn man (auf vernünftige Weise) nachfragt.
Und insbesondere bei mir irren sich die Leute ja oft mit ihren vorgefassten Meinungen und Vorurteilen.
Dabei könnte es sicher so manch interessante Unterhaltung geben, wenn man einfach mal nett, vernünftig und ohne irgendwelche Vorurteile im Hinterkopf nachfragt.