Hijab

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Dienstag, 9. August 2011

12 Jahre Kopftuch

Ich kann's kaum glauben, aber es ist nun schon 12 Jahre her, daß ich damit angefangen habe, das Kopftuch immer, von morgens bis abends, jeden Tag zu tragen - auch im normalen Alltag.


Das hatte genau vor 12 Jahren nach den Sommerferien mit einem - für mich verhängnisvollen - Experiment begonnen. Nachdem ich das Kopftuch vorher schon immer öfter, wenn ich mit meiner besten Freundin unterwegs war, trug und dann auch oft wenn ich zu Hause oder allein unterwegs war - und es immer sehr genoss es tragen zu können und auch gar nicht mal so schlechte Erfahrungen damit machte, wollte ich endlich wissen, wie es für ein muslimisches Mädchen, eine muslimische Frau bzw. im allgemeinen für eine Muslima sein muß es ganz normal und selbstverständlich jeden Tag von morgens bis abends zu tragen.
Viele mit denen ich über diese Neugier und diesen Wunsch sprach, meinten ich soll es ausprobieren, so lange ich noch zur Schule gehe und noch keine Rücksicht auf Job und Arbeitgeber nehmen muss, denn wenn ich erstmal arbeite, dann könnte es für dieses Experiment vielleicht zu spät sein, weil ich dann vielleicht nur im Urlaub und in meiner Freizeit Kopftuch tragen kann. Sogar meine Mutter vertrat diese Ansicht und bestärkte mich darin meinen Wunsch auszuleben und diesen Plan in die Tat umzusetzen.
Und so faßte ich den Entschluß, im neuen Schuljahr das Experiment zu wagen und 3 Monate lang nur Kopftuch und lange Röcke und langärmelige Shirts und Blusen zu tragen. Meine Beste Freundin und ein paar andere Mädchen aus der Klasse waren eingeweiht.
In den Ferien kam Esra mehrmals vorbei um mir Schals und Tücher zu bringen und mir Bindetechniken zu zeigen - das was ich bisher wußte und konnte reichte zwar für den Hausgebrauch in der Freizeit, war aber noch nicht wirklich alltagstauglich.
Zwei Wochen vor dem Ende der Ferien fing ich dann damit an es permanent jeden Tag zu tragen - um mich schon mal daran zu gewönnen. Ich stand morgens früh auf, ging ins Bad, duschte und machte mich fertig für den Tag und zog mich dann an, wobei ich auch gleich das Kopftuch umband. Ich trug es den ganzen Tag, egal was ich machte oder wo ich hinging und nahm es erst am Abend, wenn ich ins Bett ging, ab.
Besonders überrascht und gefreut hat es mich, dass meine Mutter in der ersten Woche an ihrem freien Tag mit mir shoppen gegangen ist. Sie meinte, wenn ich dieses Experiment schon durchziehen will, dann sollte ich wenigstens ausreichend ordentliche Klamotten haben - und in neuen Sachen wäre es doch bestimmt auch viel angenehmer. Und so gab es dann ein paar neue lange Röcke, langärmelige Shirts mit hochgeschloßenem Kragen und ein paar Blusen. Außerdem kaufte sie noch einen kleinen Vorrat an halb-blickdichten, schwarzen Strumpfhosen in 40den für mich, denn hautfarbene oder zu transparente - oder gar keine - wären für ein Kopftuch-tragendes Muslima-Style-Girl sicher nicht akzeptabel gewesen.
Und unter anfänglichem Protest meinerseits gab es auch neue Unterwäsche - Hemdchen, BHs und Slips, ganz schlicht, aus Baumwolle und andere leicht figurformende - auch oft als Miederwäsche bezeichnet. Sie wollte mich schon immer in sowas zwängen und nun hatte sie es wohl oder übel geschafft. Aber gegen das Argument, das muslimische Mädchen in meinem Alter unter ihrer Kleidung mit Sicherheit keine Spitzen-Stringtangas und Spitzen-Bügel-BHs tragen dürfen kam ich nicht an. Außerdem meinte sie, daß es mir sicher nicht schaden wird, mal eine zeitlang keine sexy Dessous zu tragen.
Und so sah dann meine Unterwäsche ab sofort genauso schlicht und keusch wie das darüber aus.
Ein paar knöchellange, langärmelige Nachthemden für die Nacht fanden sich dann zum krönenden Abschluß auch noch - "für das perfekte Muslimagirl-Feeling auch bei Nacht" - wie meine Mutter mit einem grinsen meinte, aber okay, ich liebte diese Nachthemden, mann war da nachts so schön drin eingehüllt und konnte sie auch bequem ohne Höschen drunter tragen ohne sich untenrum nackt zu fühlen.
Meine Mutter hatte nach anfänglicher skepsis plötzlich sichtbaren Spaß an meinem Mulimagirl-Experimen und sie fand genau wie ich, daß drei Monate eine gute Zeit wären um ein Gefühl für das Immer-tragen" dieser Art von Kleidung zu bekommen und einiges an Erfahrungen im Alltagsleben damit zu sammeln und sie erklärte sich gern dazu bereit, dafür zu sorgen, daß ich diese 3 Monate auch durchhalte, wobei sicher nun das Beste Argument war, daß sie mich dafür extra neu eingekleidet hatte.
Die zwei Wochen Eingewöhnungszeit, in denen ich auch schon fleißig meine neuen Sachen inklusive der Unterwäsche und den Nachthemden trug vergingen wie im Fluge und ehe ich es mich versah, war der erste Schultag nach den Ferien da und ich ging doch mit einem sehr mulmigen Gefühl im Bauch zur Schule und war von meinem Experiment nun doch gar nicht mehr so überzeugt. Auf dem Pausenhof wurde ich schon von Esra und den anderen 3 Klassenkameradinnen erwartet und mir war etwas wohler in meiner Haut als ich zusammen mit den vieren durch die Schule ging, wo dann auch prompt einige blöd schauten, aber nichts sagten. Während andere fragten warum ich denn jetzt Kopftuch trage und ob ich jetzt moslem sei oder zum Islam übergetreten sei.
Im Unterricht fragte dann auch prompt unsere Klassenlehrerin, die außer Deutsch auch Geschichte, Politik und Sozialkunde in unserer Klasse unterrichtete, was es denn mit dem Kopftuch auf sich hat.
Ich gab natürlich genau Auskunft - auch, damit die Fragerei der anderen aufhörte - und erzählte die ganze Vorgeschichte, mit dem gelegentlich Klamotten und Kopftuch von Esra tragen und mit ihr darin unterwegs zu sein, über die Herbstferien im Kopftuch bei Esra und das tragen wenn ich zu Hause und allein unterwegs war, bis hin zu meinem Wunsch, es mal für längere Zeit zu tragen bzw. es tragen zu müssen - und der Idee mit dem Experiment es für 3 Monate im normalen Alltag tagein, tagaus vom Aufstehen bis zum Schlafengehen zu tragen.
Nach meinem Vortrag herschte ersteinmal schweigen - dann meinte meine Lehrerin, daß es wohl eine gute Idee ist das einfach mal auszuprobieren, wenn man es gern möchte und es helfen würde vieles zu verstehen und sie fand es sehr mutig von mir es zu tragen. Sie schlug mir vor, doch ein Tagebuch zu führen und am Ende der 3 Monate ein Referat über meine Erfahrungen zu halten und ferner schlug sie vor einen Aushang über mein Projekt/Experiment am schwarzen Brett der Schule zu machen, damit alle anderen Schüler Bescheid wissen und keine dummen Fragen stellen. Ich nahm beide Vorschläge dankend an. Nur vom Sport- und Schwimmunterricht könnte sie mich nicht befreien meinte sie dann mit einem grinsen. Und damit war die Stunde dann rum - nur wegen meinem Kopftuch ist ne ganze Schulstunde draufgegangen - das war mir echt unangenehm, deswegen so im Mittelpunkt zu stehen.
Aber mein Vortrag schien gut gewesen zu sein . denn nach der Stunde kamen mehrere Mädchen und auch ein paar Jungs an, und meinten, daß sie daß was ich mache voll cool und mutig finden und wünschten mir alles Gute und viel Spaß dabei.
Nur ein paar Mitschüler aus der Parallelklasse machten blöde Sprüche, aber da war sofort einer meiner Klassenkameraden zur Stelle und nahm mich in Schutz - war ja schon irgendwie süß.
Und so ging dann für's erste alles seinen Gang. Ein paar Tage später hatten alle den Aushang am schwarzen Brett gesehen, an den meine Lehrerin sogar ein Foto von mir mit Kopftuch gehängt hatte. Hin und wieder kam nochmal ein wohlwollender Kommentar, aber ansonsten beachtete man mich nicht mehr weiter.
Auch in der Stadt und auf der Straße blieb ich von blöden Kommentaren weitestgehend verschont, die meisten Leute beachteten das Mädchen mit Kopftuch kaum, was wohl auch daran lag das in unserer Stadt Muslimas mit Kopftuch nicht unbedingt eine Seltenheit waren.
Der nächste Zwischenfall ereignete sich dann ein paar Wochen später zu Hause, als ich das erste mal während meines Experiments meine Regel bekam: meine Tampons waren verschwunden. Als ich meine Mutter darauf ansprach überreichte sie mir nur Wortlos eine Tüte, darin befanden sich 5 feste, weiße Baumwollslips - ich nahm einen heraus und bei näherer Betrachtung stellte sich heraus, dass sie einen sogenannten Wäscheschutz im Schritt hatten - eine in die Baumwolle eingenähte Plastikfolie. Ich wußte nur zu gut, daß es sogenannte Monats-Höschen waren, weil meine Mutter die auch immer trug wenn sie ihre Regel hatte.
Ein weiterer Griff in die Tüte förderte eine Packung Binden zu Tage. "Oh shit" Ich sah meine Mutter fragend an, worauf sie nur meinte "Na, meinst Du muslimische Mädchen in Deinem Alter dürfen sich Tampons in die Scheide stecken? Ich glaube mal eher nicht." Und damit ließ sie mich stehen. Mir behagte die Vorstellung zwar nicht sehr nun Binden statt Tampons benutzen zu müssen, aber was blieb mir anderes übrig?!
Und sie hatte ja auch recht: mit Sicherheit würde sich kein mulimisches Mädchen in meinem Alter, das Kopftuch trägt und noch Jungfrau ist, ein Phallusähnliches Stück Watte in die Vagina schieben - also ging ich ins Bad und zog mir statt meines Slips das Monatshöschen an und legte eine Binde hinein und fand mich mit dem Gedanken ab, daß so von nun an meine Monatshygiene aussehen würde.
Nur bei dem Gedanken, daß meine Mutter jetzt sogar schon darüber bestimmte, war mir nicht ganz wohl - ihr Engagement in allen Ehren, aber ging das nicht etwas weit?
Nun ja, umso länger mein Experiment ging desto mehr mischte sich meine Mutter darin ein - sie bevormundete mich immer mehr, kontrollierte mich, machte mir Vorschriften, wie ich dies und das zu tun hätte und verhängte, in meiner Situation zugegebenermaßen auch nicht ganz unbegründet, Verbote.
Einerseits ging es mir ein wenig auf die nerven, aber andererseits gehörte es für auch irgendwie dazu, daß ich von meiner Mutter so bevormundet wurde - schließlich ist es bei muslimischen Mädchen, die Kopftuch tragen auch nicht anders, da sind die Eltern auch streng und sie dürfen auch nicht viel. Ich denke mal dafür wollte mir meine Mutter ein Gefühl vermitteln, außerdem wollte sie auch, daß ich alles richtig mache - denn wie schon gesagt stand sie mit Feuereifer hinter meinem "Experiment" - und sie liebte es streng zu mir sein zu können und das Kopftuch bot ihr da nun ganz neue Möglichkeiten,...
Sie hatte sich auch ziemlich schnell abgewöhnt nach dem anklopfen an meinem Zimmer auf ein "Herein" zu warten - sie wartete maximal 2 Sekunden und machte dann die Tür auf. Dadurch kam es an einem morgen dann auch zu folgender Situation: Ich war spät dran und sie wollte mich nochmals zur Eile mahnen. Sie klopfte und die Tür flog auf - und da stand ich dann nur in einem schwarzen Spitzen-Stringtanga und einem schwarzen Spitzen-Bügel-BH. Mein Experiment lief bereits 1 1/2 Monate und ich hatte mal wieder Lust darauf feminine und sexy Unterwäsche unter meinem Muslimagirl-Style zu tragen.
Sie schimpfte gleich, daß ich das wieder ausziehen und mir vernünftige Unterwäsche anziehen solle. Ich war so perplex, da? ich mir die Wäsche vor ihr wieder auszog, nackt zu meinem Kleiderschrank ging und mir Slip, BH und Hemdchen in schlichter schwarzer Baumwolle aus dem Schrank holte und anzog - meine Mutter blieb noch in der Tür stehen, bis ich meine Strumpfhose angezogen hatte und ging dann wortlos wieder. Mir war das mega-peinlich.
Wie ich dann das nächste mal in meinen Kleiderschrank sah, bemerkte ich, daß sie das Problem auf ihre Weise gelöst hatte: alle meine Stringtangas, Spitzenslips, Bügel-BHs und spitzen-BHs waren verschwunden und es waren nur noch die schlichten Baumwollsachen und die formenden Miederslips und BHs da, die wir zusammen gekauft und die sie nachträglich noch bei einem Versandhaus bestellt hatte. Na super dachte ich und war echt sauer. Aber ich mußte das wohl oder übel so hinnehmen, wir hatten vereinbart, das ich zu meinem Style schlichte Unterwäsche zu tragen habe - das gehörte halt dazu - und sie würde die Sachen wohl auch nicht wieder rausrücken.
Naja, sie hatte großen Spaß daran mein Experiment zu unterstützen und hatte in dem Kopftuch und dem Styling nun auch endlich ein Instrument gefunden ihre Erziehung und ihre Vorstellungen durchsetzen zu können.... Endlich hatte ich eine richtig strenge Mutter *lach*
Als begeisterte Schwimmerin und Wasserratte, mit Jahreskarte für das örtliche Schwimmbad, ging ich natürlich auch während meines 3-Monats-Experiments weiterhin schwimmen. Allerdings hatte ich mir schon Gedanken gemacht, wie ich das angemessen, sprich nicht zu viel haut-zeigend - insbesondere an den Beinen - machen konnte. Ich hatte mir extra hochgeschlossene Badeanzüge besorgt, die nicht soviel Rücken zeigten und an den Brüsten nicht so tief ausgeschnitten waren und auch an den Beinen nicht so hoch ausgescnitten waren, einer hatte sogar kurze Beinchen - und ein anderer war obenrum wie ein ärmelloses Top mit Stehkragen geschnitten und hatte einen Reißverschluß im Rücken - auf den war ich besonders stolz, leider war er auch etwas teuer. Unter dem Badeanzug trug ich dann entweder eine Leggings oder Capri-Leggings aus Lycra oder eine Blickdichte Strumpfhose, wo ich die Füße abgeschnitten hatte. Es erwiesen sich beide Lösungen als brauchbar, aber das mit den Leggings gefiel mir dann doch eindeutig besser. Dazu dann noch eine Badekappe, die Kopf und Haare bedeckte und mein Schwimm_Styling war perfekt - und die Badekappe war im Schwimmbad ja sowieso Pflicht.
Einige Leute guckten zwar etwas blöd, wegen der Leggings unter Badeanzug, aber die meisten störten sich nicht dran und nahmen kaum Notiz von mir. Da schauten die Leute schon blöder, wenn ich wie eine Muslima angezogen mit Kopftuch und langem Rock das Schwimmbad betrat. Es konnte sich wohl keiner wirklich vorstellen, daß ich tatsächlich im Badeanzug schwimmen gehen würde.
Einmal kam ich in die Umkleide, als 3 ältere Damen sich gerade wieder anzogen. Als ich reinkam verstummte ihre Unterhaltung, während sie sich weiter langsam anzogen und mich, das Mädchen mit dem Kopftuch, neugierig betrachteten. Ich nahm mein Kopftuch ab und zog mich ganz normal aus, bis ich nackt in der Kabine stand, dann kramte ich in meiner Tasche, wobei ich feststellen mußte, daß ich die Leggings vergessen hatte aber deswegen jetzt nicht schwimmen zu gehen sah ich auch nicht ein - ging auch mal nur im Badeanzug - ich holte ihn heraus und zog ihn an. Zum Schluß setzte ich noch die Badekappe auf und schloß den Schrank ab. Ich wollte gerade in Richtung Schwimmhalle gehen, da meinte eine der Damen plötzlich ob ich SO denn überhaupt schwimmen gehen darf. Daruf antwortete ich dann nur na klr, mein Kopf und meine Haare sind doch von der Badekappe bedeckt und der Badeanzug ist doch nun mal die praktischte und gebräuchlichste Bekleidung zum schwimmen, oder nicht?! - sie nickte. Und nach einer kurzen Pause fügte ich dann noch hinzu - und außerdem bin ich ja auch keine Muslima - und ließ alle 3 mit runtergeklappter Kinnlade stehen.

Alles in allem machte ich in den 3 Monaten eigentlich nur gute Erfahrungen mit dem Kopftuch, die Leute waren größtenteils durchaus nett und höflich und Jungs und Männer glotzten mich auch nicht mehr so an wie sonst immer - was ich noch nie mochte - insbesondere die Blicke auf Beine, Po und Brüste fielen dezenter aus, ob das nun daran lag, das meine neue Kleidung diese Körperpartien nicht so sehr betonte - oder schlicht daran, daß sie die Intimspähre eines Mädchens bzw. einer jungen Frau mit Kopftuch mehr achten und respektieren wage ich allerdings nicht zu beurteilen.
Ich mochte meinen neuen Look und gefiel mir darin ausgesprochen gut - es war immer schön mich so im Spiegel zu sehen und es war ein gutes Gefühl so rauszugehen und den Leuten nicht alles von mir zeigen zu müssen - ich konnte ja nun selbst bestimmen wer wieviel von mir sehen durfte - mein Aussehen gehörte nun mir. Und es war ein unbeschreiblich schönes Gefühl, das Kopftuch zu tragen und ständig davon verhüllt und bedeckt zu sein und den Stoff ständig um meinen Kopf zu spüren - ich fühlte mich die ganze Zeit, wenn ich es trug beschützt, behütet und geborgen damit. Und um meine Haare und Frisur mußte ich mir auch endlich keine Sorgen mehr machen - die wurden einfach hinten zu einem Knoten zusammengedreht und fertig.
Ich wurde förmlich süchtig danach es zu tragen und kam mir ohne Kopftuch nackt und der Welt schutzlos ausgeliefert vor.
Mir war schon nach zwei Monaten klar, daß ich mich auch nach ende des Experiments gern weiter so kleiden möchte. Die 3 Monate waren fast wie im Flug vergangen und in der letzten Woche sprach ich mit meiner Mutter über meinen Entschluß es weiter tragen zu wollen - sie war zuerst nicht sehr begeistert von dieser Idee und versuchte mir das wieder auszureden, aber ohne Erfolg.
Als meine Experiment offiziell zu Ende war fragte sie mich nochmal, wie es denn nun aussieht und ich meinte mein Entschluss würde feststehen - ich will weiterhin Kopftuch tragen und mich in diesem Style kleiden. darauf gab sie mir noch eine Woche Bedenkzeit, die aber daran auch nichts änderte, was ich ihr am Ende der Woche auch mitteilte.

Daraufhin sagte sie mir dann ganz klar, das sie nicht möchte, daß ich mich mal so und mal so anziehe und von daher wäre es mir ab sofort nicht mehr erlaubt ohne Kopftuch das Haus zu verlassen oder Hosen und kurze Röcke zu tragen - einzig lange Röcke und Kleider wären mir noch erlaubt, denn wenn ich mich jetzt schon dafür entscheide, dann muß ich es schon ständig tragen und mich immer so kleiden - ohne Ausnahmen. Und das galt so lange ich noch bei ihr zu Hause wohnte - zumindest aber so lange wie ich noch zur Schule ging, wie es danach in Ausbildung oder Studium mit dem Kopftuch aussehen wird, würde sich zeigen.
Was sie nun damit erreichen wollte, das sie mir diesen Muslimastyle und das Kopftuch als einzige akzeptable Kleidung diktierte, wo ich es doch wirklich und freiwillig von mir aus tragen wollte, blieb mir zwar verborgen - vielleicht hoffte sie ja ich würde irgendwann kommen und betteln wieder "normale" Sachen anziehen zu dürfen, aber das würde ich wohl eher nicht tun. Innerlich jubbelte ich aber, da ich nach der 10. noch Abi machen wollte bedeutete das noch über 3 1/2 Jahre Kopftuch tragen zu müssen - und das war doch genau das was ich wollte.
Regel Nr. 2 traf mich da schon etwas härter, denn sie verbot mir auch etwas mit einem Jungen anzufangen und einen Freund zu haben, außerdem sollte ich mich von den Jungs nach Möglichkeit fernhalten, denn wie würde das denn wohl aussehen? Ich trage Kopftuch und treibe mich mit Jungs rum - gibt es nicht, außerdem könnte ich mich so besser auf die Schule konzentrieren, würde sie nicht wegen einem Kerl vernachlässigen und das Risiko schwanger zu werden wäre so auch minimiert. Ich war noch Jungfrau zu der Zeit und auch noch nicht mit einem Jungen zusammen gewesen, von daher wußte ich nicht, was ich vermissen sollte - auch wenn ich mir das schön vorgestellt hätte einen Freund zu haben, der stolz ist, das seine Freundin Kopftuch trägt und nur er derjenige ist, der sie ohne sehen darf - aber was nicht ist, gibt es halt nicht und ich akzeptierte diese Regel.
Da meine Mutter wußte, daß ich mich auch zu Mädchen hingezogen fühle fragte ich auch gleich, ob sie denn auch was gegen eine Freundin hätte - sie überlegte kurz und meinte dann, das das kein Problem wäre und so beschloß ich mich in Zukunft halt an die Mädchen zu halten und ich hatte auch diverse Beziehungen mit Mädchen und jungen Frauen in der Zeit....
Ferner bestimmte sie, daß ich sofern nichts anderes vereinbart ist spätestens zwischen 7 und 8 zu Hause zu sein habe - und wenn ich weg wollte, so mußte ich sie vorher um Erlaubnis fragen und ihr auch sagen, wo ich hin will und warum. Wenn ich zur Schule oder zum Sport, sprich Joggen, Schwimmen oder Inliner fahren ging mußte ich ihr lediglich Bescheid sagen. Klang fast wie eine Art Dauer-Hausarrest mit Ausnahmen. Vorraussetzung um weggehen zu dürfen, war natürlich, daß ich alles für die Schule und auch meine Aufgaben im Haushalt erledigt hätte, wo ich jetzt verstärkt mithelfen mußte.
Und Tampons blieben weiterhin verboten – ich durfte auch weiterhin nur Binden benutzen, das Erwähnte und betonte sie noch einmal extra – aber sie gestatte mir eine Ausnahme, zum Sport und zum schwimmen durfte ich auch Tampons benutzen, wenn ich das wollte.
Wie ernst ihr das war wurde mir dann am nächsten Tag nach der Schule gewahr. Als ich in mein Zimmer kam stand mein Kleiderschrank offen und sah auf den ersten Blick ungewohnt leer aus, davor stand eine große Blechkiste, der Deckel war zu und zusätzlich mit einem Vorhängeschloß verschloßen. Ich inspizierte sogleich meinen Kleiderschrank und stellte fest, daß alle meine kurzen Röcke, die wenigen Hosen, die ich besaß, kurze Nachthemden, diverse Schlafanzüge, kurze Kleider div. T-Shirts und Tops und andere Sachen, die ich mit meinem neuen Styling nicht mehr anziehen konnte bzw. durfte fehlten. Die mußten wohl in der Kiste sein – verdammt, meine Mutter hatte die Zeit die ich in der Schule war ausgenutzt um meinen Kleiderschrank auszusortieren. 
Im nächsten Moment stand sie dann auch schon hinter mir und meinte sie wäre so frei gewesen mal alles auszusortieren, was ich jetzt nicht mehr anziehen kann und darf, damit ich nicht in Versuchung käme, mich entgegen meines neuen Stylings zu kleiden, das wäre ja auch sicher in meinem Sinne. Ich nickte nur obwohl ich innerlich kochte. Und dann bat sie mich doch mal mit anzufassen, damit wir die Kiste in die Abstellkammer bringen können, sie müsste ja nicht da rum stehen. Ich half ihr wiederwillig dabei. Danach gingen wir hinunter ins Wohnzimmer und wälzten Kataloge, denn ich bräuchte ja doch noch ein paar Sachen wie sie meinte – und das ließ ich mir natürlich nicht zweimal sagen und suchte fleißig aus, denn dafür das sie sich so einmischte sollte sie auch ein wenig bluten.
Zuerst war es schon ein wenig komisch für mich, das sie mich nun dazu “zwang“ Kopftuch zu tragen und mich wie ein muslimisches Mädchen zu kleiden, obwohl ich es doch selber wollte und das nur, weil ich mich entschloßen hatte mich auch nach dem Experiment weiter so zu kleiden und das Kopftuch weiterhin zu tragen. Plötzlich hatte ich eigentlich keine Lust mehr dazu und wollte am liebsten alles wieder aufgeben. Aber dann entschloß ich mich doch weiter zu machen, mit den Regeln, die meine Mutter aufgestellt hatte konnte ich leben und ihre neue strenge hielt sich auch in Grenzen und sie blieb dabei immer fair. Und ich hatte ja was ich wollte: ich durfte, konnte Kopftuch tragen – und mußte es sogar tragen – und neu eingekleidet hatte sie mich auch, was wollte ich also mehr?!
Ich trug es bis zum Ende meiner Schulzeit und auch noch kurze Zeit, nachdem ich mit der Schule fertig war und mein ABI in der Tasche hatte. Aber als ich dann mit meiner Ausbildung began nahm ich es erstmal wieder ab – ich hatte mich überall ohne Kopftuch vorgestellt um nicht zu riskieren, deswegen keine Stelle zu bekommen. Meine Mutter hatte dafür sogar die Blechkiste wieder rausgerückt – zuerst stand sie nur in meinem Zimmer und ich holte mir raus was ich brauchte, wenn meine Mutter sie aufschloß, aber wie ich dann mit der Ausbildung anfing kamen die Sachen wieder in meinen Schrank, wobei ich auch einige aussortierte. 
Kopftuch und lange Röcke trug ich dann für's erste nur noch zu Hause und in meiner Freizeit und es fiel mir echt schwer, auf der Arbeit darauf zu verzichten - und ein schlechtes Gewissen hatte ich deswegen auch irgendwie. Durch einen glücklichen Zufall, konnte ich es dann nach einem knappen Jahr dann auch zur Arbeit tragen und fing wieder damit an es ständig zu tragen – aber das sit eine andere Geschichte, hab sowieso schon wieder viel zu viel geschrieben, aber ich hoffe es war für den geneigten Leser, der es bis hierhin durchgehalten hat trotzdem interessant und unterhaltsam zu lesen.
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