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Sonntag, 19. März 2017

Schlechte Kopftuch Situationen im Alltag

Letztens stand ich in der Drogerie am Regal und suchte ein Haarshampoo und eine Dame starrte mich unaufhörlich von der Seite an. Ich lächelte sie an, worauf sie barsch zu mir sagte: "Sowas brauchen sie doch gar nicht." Dann blickte sie abfällig auf mein Kopftuch und meinte: "Schauen sie lieber mal beim Waschmittel, damit können sie den Lappen dann wenigstens waschen."
Ich war erst etwas baff und fühlte mich ein wenig vor den Kopf gestoßen, entgegnete dann aber freundlich und bestimmt: "Ob sie es nun glauben oder nicht, aber ich habe unter meinem Kopftuch auvh Haare, die regelmäßig gewaschen werden wollen. Waschmittel für meine Kopftücher habe ich schon, aber trotzdem Danke für ihre Beratung."
Sie guckte mich etwas verduzt an, vermutlich hatte sie nicht damit gerechnet, daß ich sie verstehe und deutsch spreche.
Sie sah mich misstrauisch an und fragte mich dann in dem Tonfall eines Ordnungshüters, woher ich denn käme.
Ich erwiederte: "Aus Deutschland, ich bin Deutsche und hier gebore, genau wie meine Eltern, Großeltern und die, die es davor noch gab."
Darauf zischte sie: "Das hatte ich befürchtet. WIE kann man als DEUTSCHE nur SOO rumlaufen?! Was soll das?? WIE kann man nur so blöd sein?"
Sie sah mich an, als lauerte sie auf eine Antwort, die sie mir als nächstes um die Ohren hauen könnte.
Ich fühlte mich bedrängt und von der Situation langsam aber sicher überfordert und wußte auch nicht mehr so recht, was ich noch sagen sollte. Also sagte ich dann: "Weil ich es möchte und weil ich es toll finde. Aber WAS wollen sie jetzt eigentlich von mir? Ich bin ja noch nicht mal eine Muslima...!" Wobei ich auf das große Kreuz deutete, was ich an einer langen Kette um den Hals trug und das in Brusthöhe unter meinem Kopftuch hervorlugte. Sie sah mich erschrocken an und ich triumphierte innerlich schon, weil ich dachte sie hätte jetzt eingesehen, daß sie einen Fehler gemacht hat. Doch sie entgegnete nur aufgebracht: "Das.... das,.. das ist ja noch schlimmer!!!" Ich fragte: "Warum?" Aber die Antwort blieb sie mir schuldig, da sie schon auf dem Absatz kehrt gemacht und hinter dem nächsten Regal verschwunden war und mich verduzt stehen ließ.
"Alles in Ordnung?" fragte eine Stimme hinter mir. Ich drehte mich um, da stand ein junger Mann. Ich meinte: "Ja schon, wenn ich innerlich nicht gerade auf 180 wäre." Er grinste und meinte "Ja, ich hab das eben mitbekommen, unmöglich solche Leute. Lass Dich nicht ärgern, es sind nicht alle so drauf."
Ich: "Ja, Danke, ich werd's versuchen"
Er: "Ich wünsche Dir trotzdem noch einen schönen Tag."
Dann steckte er sich seine Ohrstöpsel wieder in die Ohren und ging seiner Wege. Ich frage mich nur, warum er sich nicht schon vorher eingemischt hat. Allerdings drohte mir ja auch keine Gefahr und er mußte ja auch erstmal die Lage abchecken. Und er hat ja hinterher wenigstens gefragt, also will ich mich da auch nicht beklagen.

Letztens in der Bahn döste ich so vor mich hin an einer Haltestelle stieg eine Frau ein und setzte sich zu mir in die Vierergruppe. Ich machte kurz die Äuglein auf um zu gucken, wer sich da hingesetzt hat, und als ich sie gerade wieder geschlossen hatte, fragte mich die Frau:
"Warum trägst du das Kopftuch?"
"Weil ich es gerne tragen will.", antwortete ich, woraufhin sie mich anschrie "Willst du nicht!"
Ich riss erschrocken und überrascht die Augen ganz auf und da kam aus ihrem Mund schon ein Redeschwal, dem ich nicht so ganz folgen konnte, weil sie auch so schnell sprach, daß sich ihre Stimme fast überschlug.
Ich verstand hin und wieder nur Worte wie Afghanistan, Gewalt an Frauen, Unterdrückung von Frauen, Frauenrechte, Emanzipation, Zwangsehen, Ehrenmorde, - das volle Programm eben. Als sie am Ende war, meinte sie nur, wie man sowas nur tragen kann, wenn man weiß, das doch weltweit Frauen unter dem Kopftuch leiden müssen.
Wow, dachte ich, diese Predigt hat sie sich anscheinend schon lange zurechtgelegt und wartet nun schon ewig darauf, das jemandem an den Kopf zu werfen und ich hab es nun abgekriegt.
Ich sah sie von Kopf bis Fuß an. Und dann sagte ich ganz ruhig:
"Sie wissen doch das solche Sneaker, wie die, die sie da tragen, in Asien von kleinen Kinderhänden gefertigt werden oder sie zumindest von Frauen für Hungerlöhne zusammengenäht werden. Aber nur weil sie dieses Wissen haben, hören sie ja auch nicht auf Schuhe zu tragen.
Wenn ich sage, daß ich mein Kopftuch trage, weil ich es gerne tragen will, dann ist das auch so. Aber ich sage es gerne nochmal: ich trage mein Kopftuch aus freien Stücken, weil ich es gerne tragen möchte und es schön finde."
Daraufhin kam fast schon trotzig von ihr: "Möchtest Du nicht, Du wirst doch von Deinen Eltern oder Deinem Mann dazu gezwungen das Kopftuch zu tragen."
Worauf ich erwiderte: "Gute Frau, das kann wohl kaum so sein, wie sie sagen, denn ich habe keinen Mann - ich bin lesbisch und meine Ehefrau würde mich nicht dazu zwingen ein Kopftuch zu tragen. Und meine Eltern sind, wie ich, Deutsche und sie sind genau wie ich brave Christen." Wobei ich zu meinem Kreuz, was ich um den Hals trug griff und es ihr triumphierend, wie einem Vampir entgegen hielt. "Sie würden mich also auch nicht dazu zwingen ein Kopftuch zu tragen, wozu auch?! Es ist meine freie Entscheidung ein Kopftuch zu tragen, weil ich es schön finde und es gerne tragen möchte. Können oder wollen sie das nicht akzeptieren? Wir leben doch in einem freien Land."
Sie wurde rot, nahm ihre Tasche und ging zur Tür, wo sie dann auch stehen blieb, bis sie aussteigen mußte.
Natürlich guckten mittlerweile alle zu mir - einige nickten mir wohlwollend zu, andere grinsten vor sich hin. Und eine Muslima mit Kopftuch sah mich, seitdem ich erwähnte, daß ich lesbisch bin, so komisch an. Es war so eine Mischung aus argwohn, ekel und misstrauen. Vermutlich malte sie sich gerade aus, in welchen Höllenfeuern ich wegen gleichgeschlechtlicher Liebe schmorren würde. Das war mir aber gerade ganz egal, ich war nur froh diese Schreckschraube los zu sein. Sie hatte zwar ihr Ziel - was auch immer das gewesen sein mag - nicht erreicht, aber sie hatte es zumindest geschafft, mich vor allen Leuten in der Bahn bloßzustellen (zumindest die in Reichweite) - auch wenn sie sich dabei selbst demontiert hat. Mir war das alles ziemlich peinlich und ich blieb bis zum Aussteigen mit einem unguten Gefühl in der Magengegend sitzen.
Beim aussteigen nickte mir die Muslima mit dem Kopftuch freundlich zu und meinte "Gut gemacht, bloß nichts gefallen lassen. Lass Dich nicht ärgern, Schwester."
Das überraschte mich dann doch, ich hatte wohl ihren Blick falsch gedeutet - oder sie hatte sich von dem Schock mittlerweile erholt. Sicher war sie aber wohl froh, daß sich die Verrückte zu mir und nicht zu ihr gesetzt hat.

Ich verstehe nicht, das Frauen mit Kopftüchern immer als unterdrückte Wesen und Opfer des männlichen Triebs gesehen werden und das Leute meinen, daß sie wegen ihrem Kopftuch bemitleidet werden müssen und in die ach so beliebte Opferrolle gedrängt werden müssen. Kommt denn niemand auf die Idee, daß es auch viele gibt, die es aus den unterschiedlichsten Gründen freiwillig tragen, weil sie es tragen wollen und es ihre freie Entscheidung ist ein Kopftuch zu tragen?!
Wie es wirklich ist, erfährt man doch sowieso nur, wenn man (auf vernünftige Weise) nachfragt.
Und insbesondere bei mir irren sich die Leute ja oft mit ihren vorgefassten Meinungen und Vorurteilen.
Dabei könnte es sicher so manch interessante Unterhaltung geben, wenn man einfach mal nett, vernünftig und ohne irgendwelche Vorurteile im Hinterkopf nachfragt.



Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ja dreht denn die ganze Welt jetzt durch?

Logisch, Deine Haare wäscht Du bitte künftig mit Feinwaschmittel in der Waschmaschine und Deine Tücher mit Shampoo unter der Dusche ... Geht es noch bekloppter? Ach ja: Die zweite Frau weiß, dass Du das Kopftuch nicht tragen willst, kann ja auch gar nicht anders sein. Hat die sich schon einmal gefragt, wer sie bei bestimmten Gelegenheiten zwingt, sich in Schale zu werfen? Womöglich mit Rock/Kleid und hohen Absätzen? Oder oder oder - aber nein, das macht sie ja auch freiwillig. Wie war das noch? Lautet nicht eine Kernkritik von Frauen zu Benachteiligungen im Berufsleben, dass es vermeintlich heißt: "Schminkt sich eine Frau, trägt sie Kriegsbemalung, schinkt sie sich nicht, vernachlässigt sie ihr Äußeres."?

Bezüglich des kritisierten Nicht-Eingriffs des jungen männlichen Beobachters sehe ich das allerdings doch etwas anders: Bevor man sich in eine Auseinandersetzung einmischt, muss man den Sachverhalt genau beurteilen können und selbst dann tut man das nur, wenn es dringend geboten ist; anderenfalls kann es sehr (zu) schnell passieren, dass sich die (vermeintlichen) Konfliktparteien plötzlich sehr einig gegen den Helfer sind - trotz bester Absichten des Helfers. Hier würde ich das doch positiv bewerten, dass im Ernstfall jemand geholfen hätte, ein Eingriff aber eben noch nicht zwingend erforderlich war. So etwas ist immer ein ganz unglückliche Situation - und es ist auch nicht jedem gegeben, sich hier mit Worten und deeskalierend einzumischen, während die Grenze für einen körperlichen Eingriff zu recht sehr hoch liegt und hier definitiv nicht überschritten war.

Insgesamt dennoch sehr traurig und bedrückend, was Dir da passiert ist - und jeder Vorfall ist einer zu viel. Da ist der Trost sicher klein, wenn festzustellen bleibt, dass es dennoch zum Glück Ausnahmen sind.

Amirah (Diana) hat gesagt…

@anonym: Es ist einfach nur traurig, wie man in Deutschland behandelt wird, nur weil man als Frau ein Kopftuch trägt - als Deutsche von anderen Deutschen - und das, obwohl ich ja noch nicht mal eine "richtige" Muslima bin.
Es ist einfach nur beschämend, wie Deutschland mit Menschen umgegangen wird, die eine andere Herkunft, eine andere Religion haben, oder die sonstwie anders sind - selbst wenn sie sich einfach nur anders kleiden.
Ein Kopftuch ist nur ein Tuch, ein Stück Stoff, das die Haare bedeckt, darunter bin ich ein ganz normaler Mensch, eine ganz normale Frau, die sich nicht viel von anderen unterscheidet. Ich möchte nun mal in der Öffentlichkeit, vor Fremden, nur nicht soviel von mir zeigen. Die Kopftuch-Mode ist ideal dafür und paßt hervorragend zu mir und meinen Bedürfnissen. Außerdem trage ich das Kopftuch gerne und fühle mich wohl damit, warum will man mir das also nicht zugestehen?! Wir leben doch in einem freien Land, wo sich auch jeder so kleiden kann wie er will.
Was mich auch immer ärgert ist, das oft allein wegen des Kopftuches davon ausgegangen wird, daß ich Ausländerin bin und nicht gut deutsch spreche - und ich dann auch dementsprechend behandelt werde. Was sich schnell ändert, wenn mein gegenüber feststellt, das ich perfekt deutsch spreche - wohl auch Deutsche bin. Vielen ist es dann peinlich, daß sie mich vorher so komisch behandelt haben. Aber einige behandeln mich dann trotzdem weiterhin abfällig und geringschätzig - was vermutlich am Kopftuch liegt.
Ich denke mal, für diese Leute habe ich wegen des Kopftuches sozusagen den Status einer "Volksveräterin". Es scheint wohl ein Verat am deutschen Volk zu sein, als gute Deutsche ein Kopftuch zu tragen. Die Formulierung: "Wie kann man nur als DEUTSCHE soo rumlaufen?" sagt es ja schon. Nur was ist das Problem dabei? Dabei kennen sie die Hintergründe und meine (individuellen) Beweggründe gar nicht.
Klar sind solche Erlebnisse eher die Ausnahme und es denken nicht alle so, es sind eben nur zwei Erlebnisse, aus dem alltäglichen Wahnsinn, den ich mir immer antun muß. Okay, es passiert ja auch nicht jeden Tag etwas, was in der Art wie oben geschildert, die kleinen Gemeinheiten sind viel häufiger.
Da wird mir die Tür nicht aufgehalten oder extra vor der Nase zugemacht, Leute drängeln sich an Kassen oder in Schlangen vor, lästern laut über mich, weil sie denken dass ich sie eh nicht verstehe (vielleicht machen sie das aber auch mit Absicht, damit ich sie verstehe), ich werde angerempelt, manchmal wird mir auch ein Bein gestellt, wenn ich durch Bus oder Bahn gehe, es kommen auch manchmal dumme Kommentare oder ich werde halt so behandelt, als ob ich dumm wäre oder kein deutsch könnte.
Bei letzterem spiele ich manchmal sogar mit und habe meinen Spaß dabei.
Ich muß aber ganz ehrlich sagen, dass ich noch keinen Tag hatte, an dem mich blöde Kommentare so richtig runtergezogen haben, sondern ich bin schon immer ganz gespannt, was den Leuten mal wieder alles einfällt und ich amüsier mich immer, wenn die was sagen und denken ich versteh es nicht.
Aber es ist halt beschämend, das mit mir so umgegangen wird - und das Deutsche mit anderen so umgehen,...

Anonym hat gesagt…

Verstehe mich bitte nicht falsch, ich glaube Dir jedes Wort, dass so etwas tatsächlich passiert, andererseits kann und will ich das aber nicht glauben - und habe das auch noch nicht erlebt. Das sind die Momente, in denen ich mich frage, ob es reiner Zufall ist, dass ich noch nicht Zeuge solcher Vorfälle wurde, oder ob man in unserer Region doch etwas anders "drauf" ist?

Lass Dich auf alle Fälle nicht demoralisieren, Du tust nichts, was verboten wäre - und wenn jemand Dein Anblick nicht gefällt, mir gefällt auch bei weitem nicht alles, was ich mir an Dritten als Bekleidung ansehen muss. Nebenbei ist das Kopftuch an sich ein historisch sehr stark in Deutschland und Europa verankertes Kleidungsstück, von der Praktikabilität und der weiblichen Ausstrahlung ganz zu schweigen - nebenbei trägt die Queen bekanntlich auch des Öfteren ein solches Teil ... Auch hier gilt: Ob ich nun jedes Muster und jede Trageweise (gerade Schals werden für mein Empfinden oft sehr unvorteilhaft getragen) schön finden muss, meine Güte, ich finde auch nicht jede Frisur schön.

Amirah (Diana) hat gesagt…

@anonym: Einerseits glaubst Du mir jedes Wort, aber andererseits kannst und willst Du es nicht glauben?! Was ist das bitte für eine Logik - wenn Du jetzt gesagt hättest dass Du es nicht wahr haben willst, dann hätte ich es vielleicht verstanden.
Ich habe nicht gesagt, daß mir sowas ständig passiert. Aber es kommt halt vor. Das Kopftuch ist mit allerhand Vorurteilen belegt und die Stimmung gegenüber Kopftuchträgerinnen ist manchmal nicht gerade die Beste. Aber das sind neben den kleinen Gemeinheiten des Alltags ja auch nur zwei Ereignisse, die besonders rausstechen bzw. auffallen. Und selbst die anderen Kleinigkeiten (siehe letzter Kommentar von mir) passieren nicht so häufig. Es passiert manchmal tagelang nix, im Gegenteil, da sind die Leute nett und freundlich zu mir - machmal bekomme ich sogar Komplimente für mein Kopftuch. Und dann passiert mal wieder irgendwas. Aber ich habe ja auch nicht gesagt, daß sowas ständig passiert.
Und das Du noch nie Zeuge eines solchen Vorfalls warst mag sein, denn Du kannst auch nicht überall sein und hörst sicher auch nicht bei allem zu, was in Deiner Umgebung passiert.
Aber Du hast recht, ich tue nichts verbotenes, wenn ich ein Kopftuch trage und ich trage es wirklich gern und finde es sehr schön es zu tragen.
Und von solchen Erlebnissen lasse ich mich nicht entmutigen, denn wenn ich so Recht überlege, dann überwiegen doch eindeutig die positiven und schönen Erlebnisse, die ich mit dem Kopftuch, und manchmal auch wegen dem Kopftuch, habe.

Anonym hat gesagt…

Ups, da habe ich mich missverständlich ausgedrückt - aber Du hast des Pudels Kern getroffen, mir ging es wirklich darum, dass ich das nicht wahrhaben will, Entschuldigung, da sieht man mal wieder, wie leicht man sich missverstehen kann.