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Samstag, 26. Dezember 2015

Weihnachten mit Kopftuch

Zwei Muslima Schönheiten in winterlicher Hijab-Mode. Und Nein, das sind nicht meine Liebste und Ich.

Weihnachten mit Kopftuch


Ich wünsche all meinen Lesern und Leserinnen fröhliche Weihnachten und ein Frohes und besinnliches Weihnachtsfest - auch wenn das Wetter weder Weihnachtlich und noch nicht mal winterlich ist.

Einige haben sich sicher schon gefragt, ob ich auch Weihnachten feiere, wo ich doch ein Kopftuch trage.
Na klar, denn auch wenn ich ein Kopftuch trage und mich nach der Mode muslimischer Frauen kleide, so bin ich doch immer noch eine Christin und somit hat das Weihnachtsfest für mich wie auch für alle anderen Christen eine ganz besondere Bedeutung.
Ich trage mein Kopftuch ja nun schon seit vielen Jahren - ich damit ja schon als Teenager angefangen, als ich noch bei meiner Mutter gewohnt habe und ich muß zugeben, die ersten Weihnachten mit Kopftuch waren irgendwie komisch und merkwürdig und auch an Heiligabend damit in den Weihnachts-Gottesdienst zu gehen, war irgendwie ein merkwürdiges Gefühl. Allerdings hat auch nie jemand was deswegen gesagt, oder sich gar bei mir beschwert - im Gegenteil, die Leute schienen sich teilweise sogar darüber zu freuen, daß ein anscheinend muslimisches Mädchen den Gottesdienst an Heiligabend besucht.

Ich weiß noch, als meine Mutter und mich vor vielen Jahren mal eine ältere Dame angesprochen hat und mich gefragt hat, wie mir denn der Gottesdienst und das Krippenspiel gefallen hat. Ich meinte etwas irritiert, daß ich es toll fand und das es mir sehr gut gefallen hat. Sie meinte dann, daß sie es schön findet, daß ich mich immer noch dafür interessiere, obwohl ich ja anscheinend konvertiert bin... Ich über legte gerade ob ich sie aufklären sollte, da wandte sie sich schon an meine Mutter und meinte, daß sie es toll findet, daß meine Mutter zu mir hält, obwohl ich zum Islam konvertiert sei und das Kinder nun mal ab einem bestimmten Alter selbst entscheiden können woran sie glauben möchten und das die Eltern das halt akzeptieren müßten - selbst wenn es der Islam ist.
Da meine Mutter nun auch etwas unsicher und irritiert guckte, beschloß ich das ganze aufzuklären und meinte dann zu der älteren Dame, daß ich zwar ein Kopftuch trage und mich wie eine Muslima kleide, weil ich diese Mode mag und auch die Gründe warum eine Muslima sich verhüllen und ein Kopftuch tragen sollte nachvollziehbar und richtig finde, aber daß ich nach wie vor immer noch eine evangelische Christin bin und daran auch nichts ändern möchte. Da guckte sie dann irritiert und brummelte nur noch sowas wie 'na wenn das so ist', drehte sich um und stapfte von dannen, so als wäre sie beleidigt darüber, daß wir ihre Toleranz umsonst beansprucht haben. Mir war das ganze total peinlich und ich entschuldigte mich tausendmal bei meiner Mum deswegen, aber sie meinte nur das es nicht so schlimm wäre und ich weiterhin tun solle, was mir gefällt und was ich für richtig halte. Später konnten wir dann auch über diesen Vorfall lachen.
Um die Geschichte komplett zu machen: im neuen Jahr traf ich dann die ältere beim Einkaufen wieder und trug dabei natürlich wie immer auch ein Kopftuch. Sie sah mich, erkannte mich und kam auf mich zu und ich dachte nur, Wunder wer weiß was da jetzt kommt, aber sie sagte nur freundlich 'Hallo' und meinte, das sie sich bei mir entschuldigen wollte, weil sie mich und meine Mum so stehen lassen hat, aber sie konnte mit dem was ich ihr da gesagt habe in dem Moment nicht so wirklich was anzufangen, aber sie hätte darüber nachgedacht und wenn es mir gefällt ein Kopftuch zu tragen und mich so zu kleiden und wenn ich das selbst für richtig halte dann soll ich es ruhig tun, früher haben Christinnen ja auch ein Kopftuch getragen und dafür Sorge getragen, daß sie sich sittsam und anständig kleiden, warum sollte es also schlimm sein, wenn sich Mädchen oder junge Frauen auch heute wieder auf solche Werte besinnen?!


Seitdem ich sichtbar ein Kreuz um den Hals trage kommen solche "Verwechslungen" kaum noch vor, allerdings werde ich jetzt auch öfter wegen dem Kreuz UND dem Kopftuch angesprochen. Allerdings habe ich auch kein Problem damit, wenn man mich für eine Muslima hält, denn es ist schließlich keine Schande eine Muslima zu sein - und mal abgesehen von Religionszugehörigkeit bin ich ja im Prinzip auch eine Muslima, was mein Denken, meine Kleidung, meine Einstellung usw. betrifft. Ich kläre solche Missverständnisse nur noch auf, wenn es unbedingt nötig ist, oder ich mit der Person noch öfter zu tun habe.

Aber zurück zu Weihnachten mit Kopftuch: mittlerweile ist es für mich normal, das Kopftuch auch an Weihnachten zu tragen und ich fühle mich insbesondere an diesen Tagen viel frommer und besinnlicher und kann mich auch mit meinen Tüchern und langen Kleidern (bzw. Abayas) festlicher und eleganter kleiden und zurecht machen. Die Feiertage mit Kopftuch und schön festlich gekleidet zu verbringen ist jedes Jahr aufs neue was besonderes für mich und das Kopftuch steht für mich auch nicht mehr im Widerspruch zum christlichen Weihnachtsfest, denn zum einen feiere ich Weihnachten nicht mit meiner Kleidung, sondern mit meinem Glauben und meinem Herzen und früher war es durchaus auch bei Christinnen üblich den Kopf zu bedecken und sittsame lange Kleidung zu tragen, die nichts vom Körper zeigte - insbesondere an so hohen Feiertagen.

Dieses Jahr hat mir meine Partnerin eine besondere Freude gemacht, sie meinte ein paar Tage vor Weihnachten zu mir, daß sie an Weihnachten auch gerne ein Kopftuch tragen und sich wie ich kleiden möchte und da wir zwischen den Feiertage frei haben, würde sie sich so auch gern die ganze nächste Woche kleiden und mit mir auch so ins neue Jahr gehen. Das würde sie toll finden, und da sie indirekt von mir verlangt, daß ich mich für sie so kleide (was solange ich es selber so will allerdings keine große Rolle spielt), sollte sie zumindest mal ein paar Tage in meinen Schuhen oder besser gesagt 'in meiner Kleidung' laufen, um zu sehen, wie das so ist.
Sie hat schon des öfteren selbst ein Kopftuch getragen, aber meistens beschränkte sich das eher auf einen Nachmittag oder einen Abend, manchmal auch ein ganzer Tag - ganz selten aber mal an zwei oder mehr Tagen nacheinander. Und nun wollte sie es gleich elf Tage am Stück tragen?
Natürlich hab ich ihr sofort bereitwillig Klamotten, wie lange Röcke, Kleider, Blusen und Tücher von mir rausgesucht und ihr Outfits zusammengestellt und diese dann für sie in den Kleiderschrank im Gästezimmer gehängt. Wir sind ja zum Glück gleich groß und haben dieselbe Größe.
Und Heiligabend hatte sie dann morgens als sie zum Frühstück runterkam auch schon einen langen Rock und ein langärmeliges Shirt an und dazu ein Kopftuch auf, was sie mittlerweile auch selbst binden kann.
Nach dem Frühstück fuhren wir ganz selbstverständlich zusammen so Einkaufen und gingen auch Abends zusammen so in die Kirche. Danach zogen wir uns beide eine festliche Abaya und ein dazu passendes Kopftuch an und machten Bescherung und aßen zu Abend und danach machten wir es uns auf dem Sofa bequem und sahen fern.
Gestern am 1.Weihnachtsfeiertag als meine Mum und meine Schwester zum Essen und zum Kaffee da waren trugen wir die festlichen Abaya-Kleider wieder. Natürlich wunderten sich meine Mum und meine Schwester schon ein wenig, daß Nicole auch Kopftuch trägt, aber nachdem wir ihnen erzählten was sie vor hat, fanden sie die Idee toll.
Heute sind wir etwas legerer gekleidet, lange Röcke, Blusen zum Rock passende Blazer und einfache Kopftücher. Wir fahren heute Nachmittag, am 2. Weihnachtsfeiertag noch zu Nicoles Eltern zum Kaffee. Sie hat sie am Telefon schon auf ihr Outfit vorbereitet - mich kennen sie ja nur so.
Es ist schon ein wenig komisch meine Liebste so zu sehen - ich meine daß sie immer nur Röcke und Kleider trägt, bin ich ja schon gewohnt, sie hat vor anderthalb Jahren mir zuliebe aufgehört Jeans und Hosen anzuziehen und angefangen nur noch Röcke und Kleider zu tragen. Da sie im Job eh nur Röcke trägt und Jeans und Hosen eh nur in der Freizeit in Frage kamen, war das keine große Umstellung für sie.
Aber sie jetzt auch noch jeden Tag mit Kopftuch zu sehen und das noch bis nächste Woche Sonntag, ist schon etwas komisch für mich. Denn bisher war ich in unserer Beziehung das Kopftuchmädchen bzw die Kopftuchträgerin, während sie "normal" gekleidet war und eben kein Kopftuch trug, weil sie keines tragen brauchte, mußte oder wollte, je nachdem wie man es sieht. Das Kopftuch unterschied uns, jetzt wo wir im Moment beide eins tragen, stellt uns das auf dieselbe Stufe und macht uns gleich obwohl wir es nicht sind. Meine Partnerin hat bei uns in der Beziehung das Sagen, sie bestimmt alles was es zu bestimmen gibt, sie leitet, dirigiert und regiert, wenn man das so sagen kann und das ist auch vollkommen okay so, denn in einer Beziehung muß einer das Sagen haben, wenn beide gleichviel zu sagen haben, dann funktioniert es nicht. In der Beziehung symbolisiert das Kopftuch (wie ich finde) Unterwürfigkeit, Unterordnung und Gehorsam dem Partner gegenüber, was für mich selbst und für unsere Beziehung auf jeden Fall zutrifft. Jetzt, wo sie momentan auch ein Kopftuch trägt ist die Rollenverteilung zwar dieselbe geblieben und mit Kopftuch achte und respektiere ich sie genauso wie ohne Kopftuch. Es ist halt nur komisch, weil es nach außen hin nicht mehr erkennbar ist, wer das Sagen bei uns hat.
Da wir uns aber in der Öffentlichkeit eigentlich nie als lesbisches Paar zu erkennen geben, da ich zum einen muslimische Schwestern nicht in Misskredit bringen möchte, indem ich als, nach muslimischer Mode gekleidete Frau, meine lesbischen Neigungen offen bzw. öffentlich auslebe und ich zum anderen finde, das der Austausch von Zärtlichkeiten und anderen Intimitäten nichts in der Öffentlichkeit verloren hat und nur zu Hause in der eigenen vier Wänden stattfinden sollte.
Aber wenn wir z.B. in einem Geschäft, Restaurant oder Café sind, wenn sie einen knielangen Rock und kein Kopftuch trägt, dann ist grundsätzlich sie diejenige, an die das Wort gerichtet, mich lässt man als Kopftuchträgerin erstmal außen vor, was mir zum einen ganz Recht ist und mir zum anderen auch wieder das Gefühl gibt, daß meine Partnerin über mir steht. Wie das ist, wenn wir beide ein Kopftuch tragen weiß ich nicht, aber wäre mal spannend das rauszufinden.
Meine Partnerin könnte das Kopftuch nicht wie ich ständig tragen, schon allein wegen ihrer Arbeit nicht, weil es in ihrem Job sicher nicht akzeptiert werden würde, wenn sie ein Kopftuch trägt. Außerdem paßt ein Kopftuch nicht so wirklich zu Buisness-Kostümen, selbst wenn es eins mit langem Rock ist, wovon Nicole auch ein paar besitzt. Allerdings hat sie schon mal die Option geäußert, daß sie es ja immer in der Freizeit und an den Wochenenden tragen könnte. Aber ob mir das so recht wäre? Eigentlich möchte ich in der Beziehung für Kopftuchträgerin sein, während sie tragen kann was sie will und auch die Freiheit hat zu tragen was sie will.
Naja, aber ich finde es auf jeden Fall ganz toll, daß sie es mal über einen etwas längeren Zeitraum tragen will und es wird bestimmt schön. Danach sehen beide klarer, Sie, ob es was für sie wäre ständig ein Kopftuch zu tragen und ich ob es was für mich wäre, wenn meine Ehefrau auch Kopftuch und muslimischen Damen Hijab-Mode trägt.

Ich bin ja mal gespannt wie es wird und ob sie es die nächste Woche durch hält. Ich werde dann berichten.

Liebe Grüße
Amirah (Diana)

Sonntag, 9. März 2014

Lebenszeichen,....

Ich habe hier schon seit einer langen Zeit nichts mehr gemacht. Das tut mir leid, da ich gern über mich und meine Geschichte und alles was damit zusammenhängt rede, berichte und diskutiere. Nun gut, allerdings hat mich wohl auch noch keiner wirklich vermisst - oder liege ich da falsch?!
Eigentlich hatte ich diesen Blog mal angefangen, weil ich gerne über mich, meine Art zu leben und mich zu kleiden berichten wollte und gehofft hatte so mit gleichgesinnten, interessierten oder zumindest mit anderen Kopftuch-tragenden Frauen in Kontakt zu kommen. Ich hielt es irgendwie für außergewöhnlich, daß ich Kopftuch trage und mich wie eine Muslima kleide (und im großen und ganzen auch wie eine lebe) - ohne eine Muslima zu sein. Wahrscheinlich ist es wohl auch außergewöhnlich, nur interessiert es anscheinend niemanden so wirklich. Und die, die es interessiert - interessiert es nur, damit sie ihre ablehnende Haltung zum Kopftuch zum Ausdruck bringen können, die sich meistens nur auf Vorurteile gründet - und wenn man genauer nachfragt, dann wissen diese Leute kaum etwas über das Kopftuch und dessen Hintergründe; nur halt das was sich auf die üblichen Vorurteile stützt: Kopftuch nur zur Unterdrückung der Frau da, Frauen werden dazu gezwungen es zu tragen, Kopftuch als Integrationsbremse, Kopftuch wird nur als religiöses oder gar politisches Symbol getragen - wer es trägt zeigt seine Unterstützung für radikales und fundamentalistisches Gedankengut, usw. und so fort.
Das eine Frau ein Kopftuch freiwillig und aus eigenem Antrieb tragen könnte, anstatt sich sexy und aufreizend zu kleiden und es gar ablehnt sich selbst für Fremde zur Schau zu stellen kommt den meisten dabei anscheinend gar nicht in den Sinn.

Aber für die, die es interessiert: Ja, ich lebe noch, bin immer noch mit meiner Partnerin zusammen und trage nach wie vor das Kopftuch und die Mode muslimischer Frauen mit großer Begeisterung, Liebe und Hingabe - und aus der Überzeugung heraus, daß es für mich so gut und richtig ist. Ja, ich betrachte es durchaus als Bereicherung für mich und mein Leben, mich wie eine Muslima zu kleiden und ein Kopftuch zu tragen - ich finde dies körperbedeckende Mode einfach toll und ein Kopftuch ist doch durchaus ein sehr schönes Accessoire, wenn es richtig gebunden ist und von Farbe und Muster zum Rest der Kleidung paßt. 

Ich liebe es einfach lange Röcke zu tragen - wobei ich damit schon so knöchel- oder bodenlange Röcke meine - und dazu eine langärmelige Bluse oder ein langärmeliges Shirt und das Outfit ist perfekt. Ich muß keine superkurzen Röcke tragen und dazu noch mit nackten Armen rumlaufen um glücklich zu sein - meine lange, alles bedeckende Mode reicht mir vollkommen und ist perfekt für nahezu jede Gelegenheit. Das ich mich freizügig kleide kommt nur selten vor, und auch nur wenn ich mit meiner Partnerin allein zu Hause bin oder wenn gute Freundinnen zu Besuch sind, aber das macht es wiederum auch zu etwas besonderem für mich, wenn ich mal einen kurzen Rock anhabe. 
Es ist halt Geschmackssache wie lang der Rock und die Ärmel sein sollen und wieviel eine Frau in der Öffentlichkeit von ihrem Körper und seinen weiblichen Reizen zeigen möchte - bei mir steht die Kleiderlänge in jeder Beziehung auf maximum, da ich Fremden in der Öffentlichkeit möglichst wenig von meinem Körper zeigen will.
Und dass ich dazu nun noch zusätzlich meine Haare bedecke und ein Kopftuch trage, ist eben eine ganz persönliche Sache für mich, die mich zum einen kleidet und verhindert, daß andere mein unbedecktes Haupt und meine Haare sehen können - die Tücher sind mit ihren verschiedenen Bindetechniken, Mustern und Farben sowohl meine Frisuren als auch meine Haarfarben und mir stehen damit nahezu unendliche Trage- und Stylingmöglichkeiten offen. Ich mag es eben einfach Kopftücher zu tragen - ich finde das es einfach nur schön aussieht - und es fühlt sich einfach unbeschreiblich gut beim tragen an. Wobei das aber wohl nicht nur am Tragegefühl des Tuches um den Kopf allein liegt - es ist wohl auch die Symbolik und die Bedeutung, die für mich hinter dem Kopftuch steht, die das Tragen für mich zu einem unbeschreiblich schönem Gefühl machen.
Neben der Tatsache, dass ich die Muslima-Fashion so schön finde, daß ich mich gern selbst so kleide und dass ich finde, dass das Kopftuch ein wirklich schönes, kleidsames und vielseitiges Accessoire ist - bedeutet es mir persönlich auch unheimlich viel ein Kopftuch zu tragen. Es hat mittlerweile eine ganz besondere und tiefe Bedeutung für mich - es hat für mich fast schon etwas spirituelles es anzulegen und es zu tragen. Ich habe es mir mittlerweile als eine Art Pflicht auferlegt es immer zu tragen und mich niemals unbedeckt in der Öffentlichkeit zu zeigen. Das Kopftuch bedeckt mich, kleidet mich und schützt mich, auch wenn es nur vor Blicken ist. Das ich meinen Kopf und meine Haare bedecke, drückt meine Demut, meine Ehrfurcht, meinen Respekt und meine Liebe zu Gott aus und erinnert mich immer wieder daran, wie klein und unbedeutend ich in dieser großen Welt bin und das ich mich deswegen in Zurückhaltung und Bescheidenheit üben sollte - und ich glaube, das kann ich mit gutem Gewissen auch als evangelische und mittlerweile gläubige Christin tun. Das ich das Kopftuch trage hat mich in der Tat mit der Zeit meinem Glauben und Gott wieder näher gebracht. Das ich vielleicht zum Islam konvertiere habe ich in der Vergangenheit zwar schön überlegt und auch wenn mich vieles an den Lebensumständen und der Lebensweise muslimischer Frauen fasziniert, so war mir schnell klar, dass eine Konversion für mich nicht in Frage kommt. Allerdings wollte ich mich gern weiter so kleiden und so leben und ich hatte im Hinterkopf, dass ich ja auch immer noch Christin war und bin. Also suchte ich nach Mitteln und Wegen Kopftuch, Kleidung, Kleidervorschriften und die muslimischen Regeln, Vorschriften und Lebensweisen, die ich durch das Tragen des Kopftuches zwangsläufig kopiert und angenommen habe - mit meinem eigenen Glauben zu verbinden und zu vereinbaren. Und ich habe da mittlerweile auch einen Weg für mich gefunden, bei dem alles paßt. Ich habe mittlerweile meinen Glauben an Gott wiederentdeckt und bete morgens und abends - man könnte also sagen, dass ich eine gläubige und praktizierende Christin bin, die ein Kopftuch trägt. Ich sehe es als ein Geschenk an Gott und die Erfüllung seines Willens an, dass ich das Kopftuch trage. 

Außerdem ist es ein Geschenk für meine Partnerin, dass ich das Kopftuch trage, denn ich trage es auch für sie, als Beweis für meine Liebe und Hingabe ihr gegenüber - kein Fremder in der Öffentlichkeit, keine Frau und erst recht kein Mann darf mich ohne Kopftuch sehen - nur sie und ein paar enge vertraute Verwandte und Freundinnen dürfen mich ohne Kopftuch sehen. Ich finde die Vorstellung unheimlich romantisch mein Aussehen in der Öffentlichkeit teilweise vor anderen zu verbergen und nur ihr alles zu zeigen.
"Alle können mich ansehen, aber nur sie kann mich sehen, wie ich wirklich aussehe."
Mein Aussehen gehört mir und ist meine Privatsache - somit dient das Tragen des Kopftuches auch ein wenig dem Schutz meiner Privatspähre. Und seien wir doch mal ehrlich: anderen, mehr oder weniger fremden Leuten in der Öffentlichkeit sollte es doch reichen, wenn sie mein Gesicht sehen können. Und die restlichen Kleidung, wie die langen Röcke schützen meinen Körper vor neugierigen Blicken - ich finde, das zur Schau stellen körperlicher Reize wie Bauch, Beine, Po, Brüste und Dekolleté hat nichts in der Öffentlichkeit verloren - zumindest für mich nicht, das sollte man auf den privaten Bereich beschränken und nur die Menschen sehen lassen, die es auch sehen sollen.
Außerdem möchte ich nicht nach meinem Aussehen beurteilt werden, sondern nach dem was ich tue, meinem Charakter und meinem Verhalten anderer gegenüber. Ich möchte nicht nach meinem Outfit, meiner Frisur oder meinem Makeup beurteilt werden - selbst wenn das das erste ist was andere von mir sehen, aber ich möchte bei diesem täglichem Schönheitswettbewerb und dem buhlen um die Aufmerksamkeit anderer allein durch das Aussehen nicht mit machen und habe dem schon lange durch das Tragen meines Kopftuches entsagt.
Und nicht zuletzt möchte ich mit meinem Kopftuch ein Zeichen setzen - es heißt doch: "Sagt Euren Frauen sie sollen ihre Tücher über sich ziehen, damit sie erkannt und nicht belästigt werden."
Ich möchte als ehrbare und sittsame Frau erkannt werden, die nicht zum flirten (mit Männern) bereit ist und deshalb sorgsam ihre weiblichen Reize und einen Teil ihres Aussehens verbirgt, damit sich niemand genötigt sehen muß sie wegen ihres Aussehens zu belästigen. Und ich muß sagen, durch diese Art der Kleidung hält man die Angriffsfläche für männliche Flirtversuche und Anmachen möglichst gering. 
Wie dem auch sei, ich kann auch mit Kopftuch hübsch sein und gut aussehen und fühle mich ausgesprochen wohl, wenn ich es trage.

Allerdings muß ich zugeben, dass ich im letzten Jahr oft an mir gezweifelt habe und mir nicht mehr sicher war, ob ich das richtige tue - ob es das richtige für mich ist das Kopftuch zu tragen und mich auch sonst wie eine Muslima zu kleiden. Das Muslime nichts dagegen haben, wenn man als andersgläubige das Kopftuch trägt und sich nach der Mode der Muslimas kleidet, weiß ich durch einige Freundinnen - im Gegenteil, viele freuen sich sogar darüber, wenn man sich als andersgläubige dafür interessiert oder sich entschließt sich ganz nach den Regeln ihres Glaubens zu kleiden, allerdings wird dann auch viel Wert darauf gelegt, dass man sich dann auch dementsprechend verhält, was aber ja eigentlich auch selbstverständlich sein sollte - für mich zumindest.
Nein, vielleicht war es eher die Angst was zu verpassen, wenn ich mich nicht zeige und zur Schau stelle bzw. mich nicht sexy und aufreizend kleide solange ich noch jung bin oder mir irgendwann was fehlt, wenn ich mich nicht wenigstens in jungen Jahren "normal" gekleidet habe. 
Und so habe ich immer mal wieder Klamotten von meiner Partnerin angezogen - kurze Röcke und Kleider, Kostüme mit kurzen Röcken, die Haare unbedeckt und offen oder hochgesteckt und bin dann nach der Arbeit oder am Wochenende so spazieren gegangen, hab mich in ein Café gesetzt und einen Kaffee getrunken und bin dann wieder nach Hause.
Wenn man so will also quasi ein umgekehrtes Kopftuchexperiment. Klar war es aufregend so auszugehen, wenn man sonst immer nur lange Kleidung und Kopftuch gewohnt ist, aber es war auch frustrierend, was ich teilweise erlebt habe: mir wurden Blicke zugeworfen, die ich so gar nicht kannte, wildfremde Männer glotzten meine Beine an oder versuchten mir im sitzen oder beim hinsetzen verstohlen unter den Rock zu gucken, manche kamen auch zu mir an den Tisch, machten mich nett an, oder auch weniger nett und das ein oder andere eindeutige Angebot war auch dabei- Und was mir teilweise auf der Straße zu- oder hintergerufen wurde möchte ich hier gar nicht wiederholen, dabei war ich gar nicht mal aufreizend gekleidet - kurzer Rock ja, aber sonst alles ganz normal. Und ich habe mich immer wieder gefragt, wie das eine normale Frau tagtäglich so aushält mit Kopftuch passiert mir sowas nie - da sind es eher die Kopftuch und islamfeindlichen Sprüche, die man sich gefallen lassen hat, was aber auch abgenommen hat, seitdem ich sichtbar eine Kette mit einem Kreuz um den Hals trage.
Nach solchen Ausflügen war ich immer frustriert, zum einen wegen der Reaktion der Leute und zum anderen auch Wegen der Erkenntnis das mein Kopftuch und meine Muslima-Mode eben doch am besten für mich sind - als wenn ich das nicht schon vorher gewußt hätte...
Noch schwerer wog danach allerdings das schlechte Gewissen, weil ich ohne Kopftuch rausgegangen bin, mich nicht an meine Kleidervorschriften gehalten zu haben und mich zur Schau gestellt und Teile meines Körpers gezeigt zu haben die sonst bedeckt sind. Hauptsächlich hatte ich dieses schlechte Gewissen natürlich mir selbst gegenüber, weil ich meine eigenen Prinzipien, Ansichten, Regeln und Vorschriften in Frage gestellt und verraten hatte. Aber auch Gott und meiner Partnerin gegenüber hatte ich ein schlechtes Gewissen, sind sie es doch neben mir selbst, die für die ich mich so kleide.
Schließlich kam es aber zu dem Schluß, dass es okay ist mal auszubrechen um seinen Weg zu finden - das Kopftuch hatte ich ja damals auch sehr oft ausprobiert, bis ich mir sicher war, dass es das richtige für mich ist und das es das ist, was ich will, ehe ich mich dafür entschieden habe es dauerhaft zu tragen.
Ich weihte schließlich auch meine Partnerin ein, sie war zwar zuerst etwas enttäuscht, das ich das hinter ihrem Rücken gemacht habe, aber sie sagte mir schließlich ihre Unterstützung zu, ganz egal was passiert - selbst wenn ich das Kopftuch ablegen sollte. Und so machte ich dann solche Spaziergänge ohne Kopftuch und im kurzen Rock fortan nur noch in Ihrer Begleitung. Der Zweifel am Kopftuch und der Reiz es abzulegen verloren sich so mit der Zeit auch wegen der Reaktion der Leute, die zwar in Begleitung meiner Partnerin nicht mehr so penetrant, aber trotzdem noch vorhanden waren.
In langer bedeckender Kleidung und mit dem Kopftuch fühle ich mich einfach besser, wohler und angezogener, als "normal" gekleidet und ich weiß jetzt, das das Kopftuch für mich das Beste und richtigste ist - ohne fehlt mir einfach was.
Allerdings gehe ich mit meiner Partnerin trotzdem hin und wieder noch mal "normal" gekleidet, mit kurzem Rock und ohne Kopftuch aus, wenn mir oder ihr danach ist, ganz einfach um den Bezug zu dem was unsere Gesellschaft als normal erachtet nicht zu verlieren und um dafür gewappnet zu sein, falls ich es doch mal ablegen will oder muss.
Das mit dem Kopftuch tragen, mit dem wie ich es trage, was ich dazu trage und meine Meinung, meine Ansichten dazu, die Hintergründe und die Regeln und Vorschriften, die ich für mich ausgewählt habe, um danach zu leben und sie in mein Leben einzubauen, mein Verhältnis zu Gott und zu meinem eigenen Glauben - auch im Zusammenhang mit dem Kopftuch - das hat sich ja alles über die Jahre entwickelt. Das nimmt man nicht von heute auf morgen für sich an - und legt es auch nicht einfach von heute auf morgen ab. Was nicht heißen soll dass ich das Kopftuch ablegen will - im Gegenteil ich trage es mit noch mehr Begeisterung, Liebe und Hingabe als vorher und ich glaube auch nicht, dass mich die Faszination und die Überzeugung mit der ich es trage je wieder los lassen. Ich bin stolz darauf, das ich ein Kopftuch trage und das ich eine sog. "Non-muslim Hijabi" bin.
Ich möchte nur vorbereitet sein für den Fall, dass ich es doch mal ablegen muß oder aus irgendwelchen Gründen Ablegen will.


Outfits wie dieses machen für mich die Faszination des Kopftuches aus: 
Ein superschönes langes Kleid mit einem in der Farbe und der Bindetechnik dazu passendem Kopftuch von http://www.inayahcollection.com



Maxikleid mit passendem Hijab by http://www.inayahcollection.com

Maxikleid mit passendem Hijab by http://www.inayahcollection.com

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Montag, 20. August 2012

[Kopftuch-Experiment / Selbstversuch] Bericht - Ein Tag mit Kopftuch

Hier mal wieder was neues, aus der Kategorie [Kopftuch-Experiment / Selbstversuch]. Der Bericht ist zwar schon ein wenig älter, aber ganz witzig geschrieben, so daß ich ihn Euch nicht vorenthalten will - und diesmal ist er auch auf deutsch ;)
Ich finde es doch immer wieder erstaunlich, wie viele solcher Berichte man im Internet finden kann, wenn man nur ein wenig danach sucht - wo das Kopftuch doch so umstritten ist. Aber wahrscheinlich weckt gerade die Diskussion darum bei vielen die Neugier darauf, mal zu sehen, wie das ist im Alltag bzw. auf der Straße so gekleidet zu sein und wie es sich so anfühlt. Und nicht jede Frau, die es mal ausprobiert, schreibt auch darüber und veröffentlicht es dann im Internet. So wird es dann sicher noch ein paar mehr geben, die es mal so just for fun irgendwann mal ganz für sich ausprobieren um die Erfahrungen mit in den Alltag zu nehmen und danach Frauen mit Kopftuch mit etwas anderen Augen zu sehen. 
Und daran finde ich absolut nichts verkehrtes, denn es einfach mal für einen Tag auszuprobieren kann helfen Vorurteile abzubauen. Wenn man allerdings wissen möchte, wie sich eine Frau damit im Alltag so fühlt, wie der Alltag so aussieht und was sie für Probleme hat, reicht das allerdings nicht, denke ich, da sollte man es dann schon ein paar mal wiederholen oder sich gleich ein paar Tage dafür Zeit nehmen, denn erst wenn man sich ein wenig an das Kopftuch gewöhnt hat und es sich fast "normal" anfühlt damit draußen rumzulaufen, hat man auch den Kopf freier um alles was so um einen herum passiert ein wenig distanzierter zu sehen und so eben nicht gleich alles auf sich selbst und sein auftreten zu beziehen.
Meine Liebste hat mir nach dem Ausflug in die Stadt auch von einer anfänglichen Unsicherheit berichtet - genauso wie andere Frauen, die es mit mir zusammen schon einmal ausprobiert haben, wie z.b. meine Mutter, meine Schwester und ein paar gute Freundinnen.
Warum ich das alles erzähle? Weil die Schreiberin, denke ich mal, auch unter dieser anfänglichen Unsicherheit ein paar Begebenheiten, die sich zugetragen haben in den falschen Hals bekommen oder einfach nur überbewertet hat, denn so extrem wie sie es teilweise beschreibt kommt es mir gar nicht vor - aber lest selbst der Originaltext findet sich auf dieser Webseite: NEON: Einen Tag mit Kopftuch - Ein Selbstversuch




JesusJudas09.10.2006, 13:15 Uhr 27  7 

Einen Tag mit Kopftuch- Ein Selbstversuch

Zehn Uhr und ich war immer noch zu Hause, ich hätte schon längst am Markt sein sollen, aber bis so ein Kopftuch richtig sitzt bedarf es seiner Zeit.
Ganz besonders wenn man es das erste Mal bindet. Wir hatten uns ohne Fahrrad verabredet, aber da ich nun so spät dran war hatte ich leider keine Wahl. Als ich dann durch eine Straße gefahren bin, die für ihren hohen Ausländeranteil, speziell muslimische, bekannt war war mir dann aber doch sehr mulmig zu Mute. Ich konnte mich nicht daran erinnern je eine Frau mit Kopftuch auf einem Fahrrad gesehen zu haben. Aber achtete ich da im Alltag tatsächlich so stark drauf? Vielleicht ist es mir einfach nicht aufgefallen, weil ich es nicht für ungewöhnlich gehalten habe. Wie auch immer, ich war froh als ich den Drahtesel angeschlossen hatte und mir diese Gedanken nicht mehr machen musste.
Die letzten Meter zu Fuß dann, kam mir ein junges Pärchen entgegen und als Sie mich sah drehte sie sich erschrocken zu Ihrem Freund um und meinte „ wie furchtbar!“.... Eine Bemerkung die wohl eher bei einem Unfall angemessen wäre. Anscheinend hatte sie gedacht, dass man mit dem Tuch über den Ohren nichts mehr hört, sonst hätte sie sich in Ihrer Lautstärkenregelung wohl etwas zusammengerissen.
Um zehn nach Zehn hatte ich es dann endlich auch zum Kröpcke geschafft. Die Anderen waren schon angekommen. Heute sollten wir los ziehen. Emel und ich in muslimischer Kluft begleitet von unseren Mitpraktikantinnen, die versuchen wollten einen Teil des Ausflugs zu dokumentieren. Unsere erste Station war eine Bank in der Nähe vom Kröpcke wo wir schon mal ein paar Fotos machen wollten. Direkt hinter uns saßen auf einer anderen Bank ein Junge und zwei Mädchen von denen wohl eine seine Freundin war. Er war auf jeden Fall Türke, ob es die Mädchen waren konnte man nicht so genau sagen. Er wird uns wohl gesehen haben, denn auf einmal hörte ich wie er zu dem Mädchen hoffnungsvoll meinte: „ So will ich dich in ein paar Jahren auch mal sehen.“ „ wie jetzt?“ Sie hatte uns wohl noch nicht gesehen. „ Na mit Kopftuch!“ erläuterte er. „ Ist doch nicht schlimm.“ meinte sie und wollte noch etwas sagen aber da fuhr er ihr schon über den Mund „ Ach , das hältst du doch gar nicht aus!“ Unterhaltung beendet.
Das Wetter war schön und es wurde langsam wärmer. Unter dem Kopftuch, den Knöchel, Hals und Handgelenke bedeckenden Kleidern stiegen die Temperaturen und ich musste ständig am Tuch rumzippeln um sicher zu gehen, dass noch alles bedeckt war. Mein erstes Fazit war also:
Unpraktisch.
Der morgentliche Kaffeedurst führte uns in die Altstadt. Es waren schon recht viele Menschen an diesem Vormittag unterwegs. Normalerweise schaue ich entgegenkommenden Passanten gern ins Gesicht aber diesmal war es irgendwie anders. Sobald mich jemand ansah, insbesondere Männer, konnte ich keinem Blick standhalten und hatte sofort das Bedürfnis meinen Blick abzuwenden oder auf den Boden zu sehen. Als wenn mich das Kopftuch zu den, damit verbundenen Verhaltensregeln, ermahnen würde. Dass für Erinnerungen an den Codex nicht nur das Kopftuch zuständig ist sollte ich später noch feststellen .Im Café kam dann von Emel die ersehnte Aufklärung über die Kopftuch vs. Fahrrad – Geschichte. Es wäre wohl tatsächlich nicht erlaubt oder gern gesehen wenn Frauen Rad fahren , weil dabei das „Geschlecht gerieben wird“. Hab ich da irgendwas verpasst? Ich fahre seit Jahren mit dem Rad zu Arbeit und zur Schule aber kein einziges Mal davon würde ich als sexuelles Erlebnis durchgehen lassen. Das Fahrrad blieb trotzdem dort wo ich es zurück ließ, denn ich wollte versuchen mich meiner Rolle anzupassen und möglichst keine Gotteslästerung betreiben.

Nachdem wir uns gestärkt hatten sollte es dann weitergehen. Einkaufen, Eindrücke sammeln. Eingekauft habe ich nichts , denn was hätte das sein sollen?! Die bunte Spitzenunterwäsche hab ich mich nicht einmal getraut anzusehen, die Bluse die mir gefallen hat, hatte halblange Ärmel, die Röcke waren zu kurz und, und , und.
Letztendlich habe ich mich in eine Buchhandlung verzogen und habe ein wenig gestöbert. Nichts interessantes, was mich interessierte hatte ich schon. Aber an einem Buch konnte ich dann doch nicht vorbei. Als ich den Koran bezahle schaut mich die Kassiererin an als würde sie denken: „ man sollte immer zuerst das klein Gedruckte lesen.“ Denn an meinem Kopftuch sah man ja , dass ich diesen Vertrag längst unterschrieben hatte.
Am häufigsten kam es vor , dass mich junge Türkinnen oder Araberinnen ohne Kopftuch mit einem Ausdruck von Unverständnis ansahen. Dies lässt viele Deutungen zu, aber keine davon ist zur Niederschrift geeignet. Ansonsten hab ich auf meiner Shopping-tour keine erwähnenswerten Reaktionen bemerkt. Das meiste war doch immer nur in meinem Kopf. Ich war zurückhaltender, habe Augenkontakt vermieden und hab meine Alles verhüllende Strickjacke zugezogen sobald ich gemerkt hab , dass mich jemand ansieht. Zweites Fazit: Kopftuch = Kopfsache !

Zum Mittagessen hatten wir verabredet Zeit versetzt in die Mensa zu gehen. Für mich gab es leider kein Schnitzel, denn Schweinefleisch sollte ja heute zu meinen Tabus gehören. Bis auf ein paar Seitenblicke , die ich wohl auch mit einer auffälligen Jacke oder Frisur erregt hätte, verlief alles ganz normal. Kein Unterschied zu sonst. Nicht einmal als ich auf der Terrasse den Koran durchstöbert habe. Hier scheint man tolerant zu sein, hier ist alles bekannt.
Das Gleiche galt für den Park. Die Blicke die hier kamen waren ohne Wertung. Man schaut eben.

Den Abschluss des Tages sollte ein gemeinsamer Besuch im Reisebüro bilden. Wir wollten uns über eine Pilgerfahrt nach Mekka erkundigen. Das schien der jungen Fachkraft zwar neu aber keinesfalls abwegig zu sein. Kollegin gefragt, Atlas geholt und es konnte los gehen. Auch dass wir das letzte Stück nach Mekka zu Fuß zurücklegen wollten stieß bei ihr nicht auf Unverständnis. Nur von einem 500 Kilometermarsch durch die Wüste hatte sie uns abgeraten. Verständlich.
Das wir dort lieber in einem einfachen Gästehaus statt in einem 5 Sterne Hotel nächtigen würden war ihr auch schon klar. Das Hilton gibt es zwar auch in Mekka, aber das wäre ja Blasphemie, lachte sie. Drittes Fazit: Neckermann- Malle oder Mekka.. whatever you want!

Damit war das Experiment für uns beendet, uns stand zwar noch der Heimweg bevor, aber was war da noch groß zu erwarten? Am Steintor traf ich einen Bekannten der mich gut 20 Stunden zuvor noch gut angetrunken im Kulturpalast erlebt hatte. Nun stand ich ihm in Kopftuch gegenüber, das bedurfte natürlich einer Erklärung. Mit jeder Sekunde die dieses Gespräch dauerte wurde mir jedoch mulmiger, denn etwas 10 Augenpaare türkischer älterer Männer musterten mich strafend. Ich beschloß mich rasch zu verabschieden um mich von dieser unangenehmen Lage zu befreien. Außerdem war ich noch mit Steffen verabredet. Das Kopftuch hatte ich eigentlich nur noch auf, weil sich darunter eine zerstörte Frisur befand und um Steffen eine Lacher zu bescheren.
Also Kaffee bei Balzac geholt und vor die Tür gesetzt. Es hätte so schön sein können, wenn Steffen nicht zehn Minuten später und fünf grimmig guckende Moslems später die Angst überfallen hätte, heute noch Ärger zu kriegen. Viertes Fazit: Big Brother`s watching you.
Für mich ging es nach Hause. Strickjacke, lange Hose und Kopftuch gegen luftiges Sommeroutfit getauscht und endlich konnte ich mein Fahrrad abholen.


Ich fand diesen Bericht sehr amüsant geschrieben ;) Und zum Teil auch sehr authentisch - in den meisten Fällen ist man den Leuten mit Kopftuch tatsächlich ziemlich gleichgültig, sie schauen zwar, aber doch eher neutral, so wie man wahrscheinlich auch ohne Kopftuch angesehen würde. Und man wird mit Kopftuch auch oft nicht viel anders behandelt als wenn man keins tragen würde. Aber natürlich achtet man auf die Reaktionen der Leute viel eher und viel mehr, wenn man es nicht gewohnt ist es zu tragen. Von daher kann ich ihrem Fazit: Kopftuch = Kopfsache eigentlich nur zustimmen. 
Am meisten mußte ich bei der Sache mit dem Fahrrad schmunzeln :D Denn das war mir wirklich neu - ich fahre auch oft und viel Fahrrad und sehe auch des öfteren mal Frauen und Mädchen mit Kopftuch Fahrrad fahren, wo ist also das besondere daran? Ich könnte mir höchstens vorstellen, dass es vielleicht damit zu tun hat, das man als Frau mit der Scham nun mal direkt auf dem schmalen Teil des Sattels sitzt und sich das ... nun ja, auch mal reiben könnte *grins* aber ich kann mich nicht daran erinnern jemals beim Fahhrrad fahren erotische Gefühle gehabt zu haben *lach* Sollte es aber jemals einen Sattel geben, der das verspricht,... wäre ich nicht abgeneigt, den mal auszuprobieren... *grins*
Ich habe mal gegoogelt und dabei herausgefunden, das es in Islamischen Ländern zwar nicht unbedingt verboten ist das Frauen Fahrrad fahren, aber es ist zumindest verpönt. Eine andere Erklärung, die ich dabei gefunden habe war, daß beim Fahrradfahren die Klamotten evtl. doch mal verrutschen können und so mehr preisgeben könnten, als sie eigentlich sollten und das durch den Fahrtwind die Kleidung enger anliegt als sie sollte und man so mehr zeigt als evtl. gewünscht und das es halt deswegen vermieden werden sollte. Diese Erklärung erscheint mir dann doch plausibler als die mit den erotischen Gefühlen - wobei ich letzteres immer noch sehr interessant finden würde... *grins*
Was ich zudem noch etwas übertrieben fand, war das mit dem Koran und der Reise nach Mekka - finde ich so ein bißchen klischeehaft, aber da es wohl um ein Studienprojekt, bei dem es zum einen um das eigene befinden und die Reaktionen der Leute ging, ist das wohl schon okay.
Das die Klamotten, insbesondere das Kopftuch ständig verrutschen und man immer dran rumzuppeln muß, kann ich so auch nicht bestätigen. Bei mir sitzt immer alles bombenfest. Aber das ist wohl mehr eine Gewohnheitssache - sie hat es zum ersten mal umgebunden und da zu erwarten, daß es gleich 100%ig sitzt, erst recht, wenn man nicht so recht weiß wie es richtig gebunden wird ist doch etwas viel verlangt.
Und das einem mit den langen Klamotten nun sehr warm ist, naja, das ist zum einen wohl Auslegungs- und Gewohnheitssache. Und es kommt auch sehr darauf an, aus welchen Stoffen die Kleidung ist - sicher wäre es in kurzen Sachen imme noch kühler, aber man gewöhnt sich mit der Zeit dran und wenn man zudem auch noch die Stoffe richtig zum Wetter auswählt, dann läßt es sich schon aushalten. Und so unpraktisch ist es auch nicht, von daher also Kopftuch = Gwohnheitssache.
Das man von türkischen bzw. arabischen Männer grimmig angeschaut wird ist mir so noch nicht direkt aufgefallen, allerdings hab ich da so auch noch nicht drauf geachtet.
Aber von aufgestylten türkischen bzw. arabisch aussehenden jungen Frauen, die kein Kopftuch tragen werde ich auch des öfteren verächtlich angeschaut - als wenn sie sagen wollten "Verräterin, schau wie wir rumlaufen und sieh Dich mal an." Vielleicht liegt es wohl auch eher daran, das sie mir ansehen, dass ich deutsche bin und mich mit dem Kopftuch für eine Konvertierte halten. Aber es hat mich (zum Glück) auch noch keine drauf angesprochen oder blöd angemacht.
Blöde Sprüche in meine Richtung oder getuschel hinter vorgehaltener Hand kommt natürlich auch hin und wieder vor, aber eher selten und ich achte da eigentlich kaum noch drauf - sollen sie doch denken was sie wollen. Würde ich im Mini und ärmellosen Top rumlaufen, würden wahrscheinlich andere tuscheln und lästern, also geb ich da nichts drauf.
Nerviger sind da schon die mitleidigen Blicke, die mir manche zuwerfen, weil sie wohl immer noch glauben, das ie meisten Frauen dazu gezwungen werden, Kopftuch zu tragen und sich nicht vorstellen können, dass es welche gibt, die es freiwillig tragen und tragen wollen.
Das einen das Kopftuch, wie sie es beschreibt, dazu mahnt sich an die damit verbundenen Verhaltensregeln zu halten, kann ich so tatsächlich bestätigen. 
(Sobald mich jemand ansah, insbesondere Männer, konnte ich keinem Blick standhalten und hatte sofort das Bedürfnis meinen Blick abzuwenden oder auf den Boden zu sehen. Als wenn mich das Kopftuch zu den, damit verbundenen Verhaltensregeln, ermahnen würde.)
Allerdings ist das auch wieder so eine Kopfsache, man muß diese Regeln natürlich kennen und sich auch daran halten wollen. Ich halte mich auch mehr oder weniger an die mit dem tragen des Kopftuchs verbundenen Verhaltensregeln, zum einen, weil ich einige durchaus nicht schlecht finde, zum anderen aber wohl auch um nicht aufzufallen ;). So habe ich die letzten Tage mal ein wenig drauf geachtet - und ich wende tatsächlich meinen Blick ab, oder senke ihn zu Boden, sobald mich ein Mann ansieht - das geschieht sogar mittlerweile fast schon ganz automatisch. Aber ich mache das wohl auch eher, weil ich das so möchte - ich versuche normalerweise sowieso den Kontakt zu Männern zu vermeiden und so vermeide ich es auch ihnen direkt ins Gesicht zu sehen - klingt etwas verrückt ich weiß. Aber zum einen steh ich eher auf Frauen und zum anderen bin ich in festen Händen - und zwar in denen einer Frau, von daher interessieren mich die Männer nicht besonders, so daß ich auch nicht mit ihnen flirten will und wenn man sie ansieht wirft man ihnen doch schnell mal ein unbedachtes lächeln zu und sie sehen sich gleich genötigt einen anzusprechen und diesen Grund dazu will ich ihnen halt nicht geben oder ihnen sonstige Hoffnungen machen - und wer hat schon mal eine Muslima gesehen, also eine Frau mit Kopftuch, die mit Männern flirtet?! das wäre doch schon etwas auffällig ;) Und das will ich ja auch gar nicht.
Aber sie hat schon recht, man ist mit Kopftuch im allgemeinen tatsächlich stiller, schüchterner und zurückhaltender, was ich aber nicht wirklich als Nachteil sehe - meine Liebste mag diese Eigenschaften.
Naja, das war's dann auch schon, was ich dazu noch aus eigener Sicht sagen wollte, falls mich da irgendjemand korrigieren oder ergänzen möchte - nur zu,... ;)

Freitag, 20. Juli 2012

Ein Wochenende mit Kopftuch (Meine Liebste)


Ich liebe die Outfits der Beiden, das sieht total toll aus - und so, oder so ähnlich
kann man sich meine Liebste und mich am Wochenende wohl vorstellen.

Nicole's Kopftuch-Wochenende

Samstag

Samstag wachten meine Frau Nicole und ich in unserem gemeinsamen Schlafzimmer auf, wo wir die Nacht gemeinsam verbracht haben.

Sonst haben wir eigentlich getrennte Schlafzimmer - mit Bett, Couch, Schreibtisch, Kleiderschrank, fast schon so Mädchenzimmer-mäßig, wo man sich auch mal zurückziehen kann und jede mehr oder wenige ihr eigenes Reich hat. Ständig ein gemeinsames Schlafzimmer miteinander teilen, wollen wir beide nicht - paßt auch irgendwie mit unseren Schlafgewohnheiten und Aufstehzeiten nicht. Aber wir haben eben trotzdem noch ein gemeinsames Schlafzimmer, in dem wir durch unsere getrennten Zimmer auf einen großen Kleiderschrank verzichten können und so etwas mehr Platz haben. Da steht natürlich im Gegensatz zu unseren eigenen Zimmern auch ein großes Bett. Das "große Schlafzimmer" nutzen wir hauptsächlich am Wochenende oder unter der Woche, wenn es sich mal so ergibt ;). Ich find es alles in allem so viel schöner, als wenn man ständig aufeinander hängt - so kann man sich auch mal zurückziehen, hat sein eigenes Reich und es ist eben nicht selbstverständlich, daß man nebeneinander einschläft und aufwacht. Irgendwie freu ich mich deswegen schon immer aufs Wochenende und wenn unter der Woche mal Kuschelbedarf besteht - muß man das halt dem anderen sagen - und wird sich da dann meißt einig *lach*. So spricht man wenigstens drüber und geht nicht ganz selbstverständlich abends ins Bett und kuschelt sich einfach an - oder macht was auch immer... ;) Naja und zur Not kann man ja auch immer noch zu der anderen ins Zimmer huschen und in ihr Bett krabbeln ;) Bei Gewitter mach ich das oft (ja, ich geb's ja zu,...) 
Aber ich schweife ab....

Wir wachten also auf, kuschelten noch ein bißchen, bis ich dann meinte, daß ich langsam mal aufstehen, das Frühstück vorbereiten und den Tisch decken will, denn wir wollten noch in die Stadt, ein wenig bummeln einkaufen und irgendwo Mittagessen. Da meinte sie dann, ich solle ihr vorher doch noch ein paar Klamotten von mir raussuchen, einen schönen langen Rock, ein Shirt und ein Tuch was dazu paßt.

Ich hab sie wohl eine Spur zu überrascht angeguckt, denn sie wurde rot und meinte dann verlegen, daß sie auch mal wieder ein Kopftuch tragen möchte und so könnten wir auch mal im Partnerlook gehen - was mich zum schmunzeln brachte.

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Dienstag, 9. August 2011

12 Jahre Kopftuch

Ich kann's kaum glauben, aber es ist nun schon 12 Jahre her, daß ich damit angefangen habe, das Kopftuch immer, von morgens bis abends, jeden Tag zu tragen - auch im normalen Alltag.


Das hatte genau vor 12 Jahren nach den Sommerferien mit einem - für mich verhängnisvollen - Experiment begonnen. Nachdem ich das Kopftuch vorher schon immer öfter, wenn ich mit meiner besten Freundin unterwegs war, trug und dann auch oft wenn ich zu Hause oder allein unterwegs war - und es immer sehr genoss es tragen zu können und auch gar nicht mal so schlechte Erfahrungen damit machte, wollte ich endlich wissen, wie es für ein muslimisches Mädchen, eine muslimische Frau bzw. im allgemeinen für eine Muslima sein muß es ganz normal und selbstverständlich jeden Tag von morgens bis abends zu tragen.
Viele mit denen ich über diese Neugier und diesen Wunsch sprach, meinten ich soll es ausprobieren, so lange ich noch zur Schule gehe und noch keine Rücksicht auf Job und Arbeitgeber nehmen muss, denn wenn ich erstmal arbeite, dann könnte es für dieses Experiment vielleicht zu spät sein, weil ich dann vielleicht nur im Urlaub und in meiner Freizeit Kopftuch tragen kann. Sogar meine Mutter vertrat diese Ansicht und bestärkte mich darin meinen Wunsch auszuleben und diesen Plan in die Tat umzusetzen.
Und so faßte ich den Entschluß, im neuen Schuljahr das Experiment zu wagen und 3 Monate lang nur Kopftuch und lange Röcke und langärmelige Shirts und Blusen zu tragen. Meine Beste Freundin und ein paar andere Mädchen aus der Klasse waren eingeweiht.