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Samstag, 5. Dezember 2015

Zu einem lieben Kommentar

Antwort zu einem lieben Kommentar von Derya






Ich möchte hier mal wieder in einem Blog-Eintrag auf einen Kommentar antworten. Diesmal ist es ein netter Kommentar und er kommt von der lieben Derya, da sie keine Emailadresse hinterlassen hat, antworte ich hier darauf. Außerdem denke ich, daß das, was ich dazu zu sagen habe, vielleicht auch für andere interessant sein könnte.
Ich hoffe mal, es ist okay für Derya, wenn ich ihren Kommentar hier in diesem Blog-Eintrag zitiere und hier Öffentlich darauf antworte.


Derya hat einen neuen Kommentar zu deinem Post "Lebenszeichen,...." hinterlassen: 

Dein Blog ist wirklich sehr interessant!
Ich finde es toll, wie du das durchziehst und, dass du so viel Unterstützung erhältst :)
Ich verstehe nur nicht warum du dich so wehement gegen die Einordnung in den Islam wehrst. Islam bedeutet Hingabe zum Schöpfer und ein Muslim ist ein, seinem Schöpfer ergebener Mensch. 
So wie du das alles hier schilderst, vorallem, weshalb du dich für das Hijab entschieden hast und den Zusammenhang von Kopftuch und Gebet sind vollkommen identisch mit der muslimischen Überzeugung. 
Ich würd das alles gar nicht so eng sehen^^ Wollt ich einfach nur loswerden.
Ich wünsche dir alles Gute und bleib stark! 








Das ich soviel Unterstützung erhalte, liegt mit Sicherheit hauptsächlich daran, daß ich mein Kopftuch ja nun schon eine ganze Zeit lang trage. Meine Verwandtschaft, die Freunde und Bekannten haben sich mittlerweile daran gewöhnt und wissen, daß es eben nicht nur so eine "Phase" ist und sich daran wohl so schnell nichts mehr ändern wird. Und ich bin ja durch das Kopftuch und meine Kleidung kein anderer oder schlechterer Mensch geworden (einige behaupten sogar, daß ich mich dadurch eher zum besseren gewandelt und mich diese Kopftuch-Sache eher positiv beeinflusst hat). Außerdem ist es ihnen eigentlich egal, was ich an habe oder auf dem Kopf trage, solange ich mich wohl damit fühle.
Und die Leute, die wirklich ein Problem damit haben und hatten, daß ich Kopftuch trage, haben sich schon vor länger Zeit abgewendet - damals nachdem ich angefangen habe es zu tragen. Das war manchmal schmerzhaft, weil sie mich plötzlich nicht mehr so akzeptierten, wie ich bin und meine Ansichten und meine Entscheidung ein Kopftuch zu tragen nicht akzeptieren konnten und wollten. Aber manchmal war es auch erleichternd, wenn diese Leute ihr wahres Gesicht zeigten - ich habe dann angewöhnt solchen Leuten hinterher zu trauern.
Wer mich heute kennenlernt, der lernt mich nur noch mit der Kopftuch kennen und wer von vornherein ein Problem damit hat wird diese Bekanntschaft auch nicht weiter vertiefen.
Dass ich es auf der Arbeit tragen kann und darf, ist ein großer Glücksfall für mich und daß es den Kollegen und der Geschäftsleitung egal ist, daß ich es trage, obwohl ich keine Muslima bin und es hier bei uns für eine Christin eher unüblich ist sich zu bedecken, daß muß ich hoch anrechnen. Sie könnten ja auch sagen, "es ist okay, wenn ein Frau die bei uns arbeitet ein Kopftuch trägt, aber nur, wenn sie auch wirklich Muslimin ist". Aber es ist hält auch so okay. Das mich das irgendwie zur Quoten-Kopftuchfrau macht - nach dem Motto " sehr her wie tolerant wir sind, bei uns dürfen auch Frauen mit Kopftuch arbeiten" stört mich dabei eher weniger, da die Firma tatsächlich auch andere Frauen mit Kopftuch einstellen würde und auch schon eingestellt hat.





Du hast recht: Hingabe zu Gott ist mir in gewisserr Weise wirklich sent wichtig und ich bin in der Tat ein "Gottergebener Mensch", eine Frau, die sich Gott in jeder Weise hingibt und die ihr Leben in Demut, Ehrfurcht, Liebe und Respekt zu Gott leben und ihm gehorchen möchte. Wenn es das ist, was einen Muslim ausmacht, dann bin ich wohl auch in gewisser Weise eine Muslima - eine Gottergebener Frau.





Ich wehre mich nicht vehement gegen eine Einordnung in den Islam und wenn bei Dir der Eindruck entstanden ist, dann tut es mir leid. Ich habe nichts gegen den Islam - mein Kopftuch, meine Mode und meine Einstellung dazu und zum bedecken der weiblichen Reize und mich vor Fremden und vor Männern nicht unbedeckt zu zeigen stammen ja von dort, das kann und will ich nicht leugnen.
Aber selbst wenn ich von meiner Art zu leben, mich zu kleiden und von meiner Einstellung her eine Muslima sein mag, so bin ich doch immer noch eine Christin und das Christentum ist meine Religion und wird als diese und als mein Glaube immer in mir und meinem Herzen bleiben. Und das möchte ich nur deutlich machen. Ich glaube an Gott, Jesus und die heilige Jungfrau Maria (auch wenn ich eigentlich evangelisch bin und Maria eher bei den Katholiken eine besondere Rolle spielt). Und ich denke, es ist schon ein Unterschied, ob man nun wie eine Christin an Gott glaubt und seinen Glauben praktiziert oder wie eine Muslima - auch wenn wir an denselben Gott glauben.
Allerdings wehre ich mich auch nicht dagegen für eine Muslima gehalten zu werden und kläre dieses 'Missverständnis' nur auf, wenn es wirklich nötig und sinnvoll ist. Es ist nun mal so, daß ich durch meine Art zu Leben mich zu kleiden und letzten Endes vor allem durch die Kopftücher die ich trage, bei anderen Leuten den Eindruck erwecke, daß ich eine Muslima bin - und wenn ich ihnen ohne daß es nötig ist sage, daß es nicht so ist, würde sdie das nur unnötig verwirren, denn die wenigsten wissen daß man auch durchaus als Christin ein Kopftuch tragen kann. Wenn man mich für eine Muslima hält, dann ist mir das auch nicht peinlich oder unangenehm.
Wenn ich also sage, daß ich eine Christin und keine Muslima bin, dann ist das nicht, um mich vom Islam zu distanzieren oder abzugrenzen, sondern nur um deutlich zu machen, daß ich trotz Kopftuch, Kleidung, Lebensweise und meiner Einstellung immer noch Christin bin und das auch bleibe.
Mir wurde schon des öfteren nahe gelegt doch zum Islam zu konvertieren da ich doch die perfekte Muslima wäre. Klar würde sich dann meine offizielle Religion mit meiner Kleidung, Einstellung und Lebensweise decken; ich dürfte das Kopftuch dann ganz offiziell tragen und müßte es dann genau genommen sogar tragen, also genau das, was ich will, aber es nur deswegen zu machen wäre unehrlich und falsch, denn in meinem Herzen würde ich weiterhin Christin bleiben auch wenn ich dann nach außen hin und ganz offiziell eine richtige Muslima wäre.






Die Gründe warum ich mich komplett für das Kopftuch und den Hijab entschieden habe und die Gründe aus denen ich es trage und tragen will, sowie meine Vorstellungen davon und meine Einstellung dazu, sind nicht umsonst identisch mit der muslimischen Überzeugung dahinter. Nachdem ich das Kopftuch und die dazugehörende Mode, die sich ja auch aus den geltenden Kleider Vorschriften ergibt, wollte ich mehr darüber wissen. Wollte wissen warum Frauen es tragen und tragen sollen, was die Gründe und die Hintergründe dazu sind. Und das was ich darüber erfuhr war für mich schlüßig und nachvollziehbar und es ergab für mich Sinn, das eine Frau sich so kleiden soll und muss wenn sie nicht belästigt werden will, Männer nicht grundlos zu sündigen Gedanken verführen und Gott dienen und gehorchen will. Ich konnte mich mit vielem davon identifizieren und mir war klar, daß ich das im Grunde genommen eigentlich auch so will und mich danach richten und so leben möchte. Und als ich dann auch noch erfuhr, daß es in der Bibel eine ähnliche Anweisung für uns Christinnen gibt war mir klar daß es richtig ist das Kopftuch zu tragen und mich dafür zu entscheiden.







Ein jeder Mann, der betet oder prophetisch redet und hat etwas auf dem Haupt, der schändet sein Haupt. Eine Frau aber, die betet oder prophetisch redet mit unbedecktem Haupt, die schändet ihr Haupt; denn es ist gerade so, als wäre sie geschoren.Will sie sich nicht bedecken, so soll sie sich doch das Haar abschneiden lassen!Weil es aber für die Frau eine Schande ist, dass sie das Haar abgeschnitten hat oder geschoren ist, soll sie das Haupt bedecken. (1 Korinther 11.4-7)







Gut, auch wenn es sich hier hauptsächlich ums Kopf bedecken beim beten dreht, so wollte ich es doch wie eine Muslima lieber immer tragen, das fand ich irgendwie schöner, zumal es irgendwo auch seinen besonderen Reiz hat, wenn die Leute nicht wissen, wie ich wirklich, also "mit Haaren" aussehe. Das schützt mich und meine Privatsphäre in einer ganz besonderen Weiße, da sie nicht alles auf dem Silbertablet serviert bekommen und so immer noch etwas von mir im verborgenen und für mich bleibt. (was auch für den Rest meines Körpers gilt).
Und Haare kurz schneiden oder der Kopf ganz geschoren? Da trage ich doch lieber ein Kopftuch und behalte meine langen Haare und verstecke sie lieber.
Die Haare habe ich übrigens schon mal für ein paar Monate kurz geschoren getragen. Allerdings hab ich da schon ein Kopftuch getragen, so daß es niemand gesehen hat - nur meine Mutter (die nicht so begeistert war). War alles in allem keine tolle Erfahrung, das einzigst schöne daran war, daß ich so mein Kopftuch noch intensiver spüren konnte und da auch wirklich froh war es zu tragen, denn das sah echt bescheuert aus, die raspelkurz geschorenen Haare. Nun ja, über die Gründe schweig ich mal lieber,... ;-) war ne Schnapsidee - und das ganz ohne Schnaps.





Und bei diesen Nachforschungen ist mir halt auch wieder bewußt geworden, wie wichtig mir meine eigene Religion und mein Glaube an Gott eigentlich ist und das wir auf ihn hören und mit ihm in Kontakt bleiben sollten. Und so hab ich für mich beschlossen, wieder mit dem Beten anzufangen und regelmäßig morgens und abends zu beten. Etwas was vielen Christen mittlerweile oft außerhalb der Kirche total abhanden gekommen ist. Mir ist mittlerweile sehr wichtig geworden dieses Zwiegespräch mit Gott morgens und abends zu halten, ihn um Hilfe und Unterstützung für den Tag zu bitten und ihm am abend zu danken, wenn es gut gelaufen ist, ihm meine Sorgen und Nöte mitzuteilen oder ihm auch mal meine Sünden zu gestehen und ihn deswegen um Vergebung bitten. Das hilft mir und tut mir gut. Natürlich kann ich über all das auch mit meiner Partnerin reden, aber oft stell ich z.B. im Gebet fest, das meine Sorgen eher banal sind und es keine Sinn hat meine Partnerin auch noch damit zu belästigen.






Meine Ausflüge und Spaziergänge ohne Kopftuch und in kurzen Röcken habe ich mir mittlerweile wieder angewöhnt und sie sind wieder extrem selten geworden. Ich habe mich schließlich nicht ohne Grund für das Kopftuch und bedeckende Kleidung entschieden und dafür mich in der Öffentlichkeit vor Fremden bedeckt zu halten. Offene Haare und freizügige Kleidung, wie kurze Röcke trage ich nur noch gelegentlich zu Hause für meine Partnerin, da weiß das sie mich gern so sieht und daß sie es zu schätzen weiß - und auch nur sie sollte mich so sehen dürfen. Für alle anderen ist das Kopftuch da, es reicht wenn sie mein Gesicht sehen.





Ich fühle mich mittlerweile mehr denn je verpflichtet mein Kopftuch zu tragen und die weiblichen Reize meines Körpers in der Öffentlichkeit zu bedecken und vor Fremden Augen zu verstecken. Bescheidenheit, Anspruchslosigkeit, Genügsamkeit, Anstand, Sittsamkeit, Züchtigkeit, Schamhaftigkeit und Schamgefühl - im englischen unter dem Begriff "Modesty" zusammengefasst - sind hohe und wertvolle Tugenden, die in unserer Gesellschaft mittlerweile selten geworden sind - und die man sich auch bewahren sollte, wenn man sie erstmal erlangt und in sein Leben integriert hat. Und das Kopftuch und meine Art mich zu kleiden garantieren mir selbst, dass ich mich daran halte und diese Tugenden für mich selbst einzuhalten. Wie dem auch sei ich habe mich einmal dafür entschieden und stehe auch dazu und deswegen sollte ich mich auch an meine selbst gewählten Regeln und Vorschriften halten und nicht ständig dagegen verstoßen. Ich sollte mich bedecken und mein Kopftuch tragen, wenn ich das Haus verlasse - ich muß es tragen, kein Mann und auch andere Frauen sollten mich nicht ohne Kopftuch sehen. Ich habe es meiner Partnerin versprochen und trage es ja unter anderem auch für Sie. Und nicht zuletzt fühle ich mich auch auf Grund meiner Entscheidung für das Kopftuch und aus vielerlei anderen Gründen dazu verpflichtet es immer zu tragen. Da komm ich nicht mehr raus und ich will es auch gar nicht. Es ist alles gut so wie es ist.




Wie Du schon sagtest, ich werde stark bleiben und zu meiner Entscheidung Kopftuch zu tragen stehen. Und ob ich nun Muslima oder Christin bin, ich werde das alles nicht so eng sehen und den Weg, den ich für mich gewählt und gefunden habe unbeirrt weitergehen und mein Kopftuch weiterhin tragen.

Ich wünsche Dir auch alles Gute
Liebe Grüße
Amirah (Diana)











Sonntag, 23. August 2015

Neues Buch: Unter dem SCHLEIER DIE FREIHEIT


KHOLA MARYAM HÜBSCH - Unter dem Schleier die Freiheit

Khola Maryam Hübsch - Unter dem Schleier die Freiheit

Was der Islam zu einem wirklich emanzipierten Frauenbild beitragen kannDass ausgerechnet der Islam etwas zu einem emanzipierten Frauenbild beitragen kann, scheint mehr als abwegig. Gilt doch gerade er als einer der letzten Bastionen der Unterdrückung und Entwürdigung von Frauen. Khola Maryam Hübsch wehrt sich gegen diese in ihren Augen falsche und verkürzte Sicht auf den Islam. Klug hält sie unserer Gesellschaft einen Spiegel vor: Wie frei und gleichberechtigt sind Frauen in unserer sexualisierten Gesellschaft wirklich?

Kann das Tragen eines Kopftuches – wenn es freiwillig geschieht – nicht gerade ein Zeichen für weibliche Emanzipation und Freiheit sein? Und könnte sich ein modernes islamisches Frauenbild nicht auch positiv auf das Verhältnis der Geschlechter und das Gelingen von Partnerschaften auswirken? Ein scharfsinniges und streitbares Buch, das gängige Klischees infrage stellt und neue Perspektiven auf den Islam eröffnet.*** einzigartiges Beitrag zu einer aktuellen Diskussion.


Noch ein paar Gedanken und Ansichten von mir dazu.

Sonntag, 9. März 2014

Lebenszeichen,....

Ich habe hier schon seit einer langen Zeit nichts mehr gemacht. Das tut mir leid, da ich gern über mich und meine Geschichte und alles was damit zusammenhängt rede, berichte und diskutiere. Nun gut, allerdings hat mich wohl auch noch keiner wirklich vermisst - oder liege ich da falsch?!
Eigentlich hatte ich diesen Blog mal angefangen, weil ich gerne über mich, meine Art zu leben und mich zu kleiden berichten wollte und gehofft hatte so mit gleichgesinnten, interessierten oder zumindest mit anderen Kopftuch-tragenden Frauen in Kontakt zu kommen. Ich hielt es irgendwie für außergewöhnlich, daß ich Kopftuch trage und mich wie eine Muslima kleide (und im großen und ganzen auch wie eine lebe) - ohne eine Muslima zu sein. Wahrscheinlich ist es wohl auch außergewöhnlich, nur interessiert es anscheinend niemanden so wirklich. Und die, die es interessiert - interessiert es nur, damit sie ihre ablehnende Haltung zum Kopftuch zum Ausdruck bringen können, die sich meistens nur auf Vorurteile gründet - und wenn man genauer nachfragt, dann wissen diese Leute kaum etwas über das Kopftuch und dessen Hintergründe; nur halt das was sich auf die üblichen Vorurteile stützt: Kopftuch nur zur Unterdrückung der Frau da, Frauen werden dazu gezwungen es zu tragen, Kopftuch als Integrationsbremse, Kopftuch wird nur als religiöses oder gar politisches Symbol getragen - wer es trägt zeigt seine Unterstützung für radikales und fundamentalistisches Gedankengut, usw. und so fort.
Das eine Frau ein Kopftuch freiwillig und aus eigenem Antrieb tragen könnte, anstatt sich sexy und aufreizend zu kleiden und es gar ablehnt sich selbst für Fremde zur Schau zu stellen kommt den meisten dabei anscheinend gar nicht in den Sinn.

Aber für die, die es interessiert: Ja, ich lebe noch, bin immer noch mit meiner Partnerin zusammen und trage nach wie vor das Kopftuch und die Mode muslimischer Frauen mit großer Begeisterung, Liebe und Hingabe - und aus der Überzeugung heraus, daß es für mich so gut und richtig ist. Ja, ich betrachte es durchaus als Bereicherung für mich und mein Leben, mich wie eine Muslima zu kleiden und ein Kopftuch zu tragen - ich finde dies körperbedeckende Mode einfach toll und ein Kopftuch ist doch durchaus ein sehr schönes Accessoire, wenn es richtig gebunden ist und von Farbe und Muster zum Rest der Kleidung paßt. 

Ich liebe es einfach lange Röcke zu tragen - wobei ich damit schon so knöchel- oder bodenlange Röcke meine - und dazu eine langärmelige Bluse oder ein langärmeliges Shirt und das Outfit ist perfekt. Ich muß keine superkurzen Röcke tragen und dazu noch mit nackten Armen rumlaufen um glücklich zu sein - meine lange, alles bedeckende Mode reicht mir vollkommen und ist perfekt für nahezu jede Gelegenheit. Das ich mich freizügig kleide kommt nur selten vor, und auch nur wenn ich mit meiner Partnerin allein zu Hause bin oder wenn gute Freundinnen zu Besuch sind, aber das macht es wiederum auch zu etwas besonderem für mich, wenn ich mal einen kurzen Rock anhabe. 
Es ist halt Geschmackssache wie lang der Rock und die Ärmel sein sollen und wieviel eine Frau in der Öffentlichkeit von ihrem Körper und seinen weiblichen Reizen zeigen möchte - bei mir steht die Kleiderlänge in jeder Beziehung auf maximum, da ich Fremden in der Öffentlichkeit möglichst wenig von meinem Körper zeigen will.
Und dass ich dazu nun noch zusätzlich meine Haare bedecke und ein Kopftuch trage, ist eben eine ganz persönliche Sache für mich, die mich zum einen kleidet und verhindert, daß andere mein unbedecktes Haupt und meine Haare sehen können - die Tücher sind mit ihren verschiedenen Bindetechniken, Mustern und Farben sowohl meine Frisuren als auch meine Haarfarben und mir stehen damit nahezu unendliche Trage- und Stylingmöglichkeiten offen. Ich mag es eben einfach Kopftücher zu tragen - ich finde das es einfach nur schön aussieht - und es fühlt sich einfach unbeschreiblich gut beim tragen an. Wobei das aber wohl nicht nur am Tragegefühl des Tuches um den Kopf allein liegt - es ist wohl auch die Symbolik und die Bedeutung, die für mich hinter dem Kopftuch steht, die das Tragen für mich zu einem unbeschreiblich schönem Gefühl machen.
Neben der Tatsache, dass ich die Muslima-Fashion so schön finde, daß ich mich gern selbst so kleide und dass ich finde, dass das Kopftuch ein wirklich schönes, kleidsames und vielseitiges Accessoire ist - bedeutet es mir persönlich auch unheimlich viel ein Kopftuch zu tragen. Es hat mittlerweile eine ganz besondere und tiefe Bedeutung für mich - es hat für mich fast schon etwas spirituelles es anzulegen und es zu tragen. Ich habe es mir mittlerweile als eine Art Pflicht auferlegt es immer zu tragen und mich niemals unbedeckt in der Öffentlichkeit zu zeigen. Das Kopftuch bedeckt mich, kleidet mich und schützt mich, auch wenn es nur vor Blicken ist. Das ich meinen Kopf und meine Haare bedecke, drückt meine Demut, meine Ehrfurcht, meinen Respekt und meine Liebe zu Gott aus und erinnert mich immer wieder daran, wie klein und unbedeutend ich in dieser großen Welt bin und das ich mich deswegen in Zurückhaltung und Bescheidenheit üben sollte - und ich glaube, das kann ich mit gutem Gewissen auch als evangelische und mittlerweile gläubige Christin tun. Das ich das Kopftuch trage hat mich in der Tat mit der Zeit meinem Glauben und Gott wieder näher gebracht. Das ich vielleicht zum Islam konvertiere habe ich in der Vergangenheit zwar schön überlegt und auch wenn mich vieles an den Lebensumständen und der Lebensweise muslimischer Frauen fasziniert, so war mir schnell klar, dass eine Konversion für mich nicht in Frage kommt. Allerdings wollte ich mich gern weiter so kleiden und so leben und ich hatte im Hinterkopf, dass ich ja auch immer noch Christin war und bin. Also suchte ich nach Mitteln und Wegen Kopftuch, Kleidung, Kleidervorschriften und die muslimischen Regeln, Vorschriften und Lebensweisen, die ich durch das Tragen des Kopftuches zwangsläufig kopiert und angenommen habe - mit meinem eigenen Glauben zu verbinden und zu vereinbaren. Und ich habe da mittlerweile auch einen Weg für mich gefunden, bei dem alles paßt. Ich habe mittlerweile meinen Glauben an Gott wiederentdeckt und bete morgens und abends - man könnte also sagen, dass ich eine gläubige und praktizierende Christin bin, die ein Kopftuch trägt. Ich sehe es als ein Geschenk an Gott und die Erfüllung seines Willens an, dass ich das Kopftuch trage. 

Außerdem ist es ein Geschenk für meine Partnerin, dass ich das Kopftuch trage, denn ich trage es auch für sie, als Beweis für meine Liebe und Hingabe ihr gegenüber - kein Fremder in der Öffentlichkeit, keine Frau und erst recht kein Mann darf mich ohne Kopftuch sehen - nur sie und ein paar enge vertraute Verwandte und Freundinnen dürfen mich ohne Kopftuch sehen. Ich finde die Vorstellung unheimlich romantisch mein Aussehen in der Öffentlichkeit teilweise vor anderen zu verbergen und nur ihr alles zu zeigen.
"Alle können mich ansehen, aber nur sie kann mich sehen, wie ich wirklich aussehe."
Mein Aussehen gehört mir und ist meine Privatsache - somit dient das Tragen des Kopftuches auch ein wenig dem Schutz meiner Privatspähre. Und seien wir doch mal ehrlich: anderen, mehr oder weniger fremden Leuten in der Öffentlichkeit sollte es doch reichen, wenn sie mein Gesicht sehen können. Und die restlichen Kleidung, wie die langen Röcke schützen meinen Körper vor neugierigen Blicken - ich finde, das zur Schau stellen körperlicher Reize wie Bauch, Beine, Po, Brüste und Dekolleté hat nichts in der Öffentlichkeit verloren - zumindest für mich nicht, das sollte man auf den privaten Bereich beschränken und nur die Menschen sehen lassen, die es auch sehen sollen.
Außerdem möchte ich nicht nach meinem Aussehen beurteilt werden, sondern nach dem was ich tue, meinem Charakter und meinem Verhalten anderer gegenüber. Ich möchte nicht nach meinem Outfit, meiner Frisur oder meinem Makeup beurteilt werden - selbst wenn das das erste ist was andere von mir sehen, aber ich möchte bei diesem täglichem Schönheitswettbewerb und dem buhlen um die Aufmerksamkeit anderer allein durch das Aussehen nicht mit machen und habe dem schon lange durch das Tragen meines Kopftuches entsagt.
Und nicht zuletzt möchte ich mit meinem Kopftuch ein Zeichen setzen - es heißt doch: "Sagt Euren Frauen sie sollen ihre Tücher über sich ziehen, damit sie erkannt und nicht belästigt werden."
Ich möchte als ehrbare und sittsame Frau erkannt werden, die nicht zum flirten (mit Männern) bereit ist und deshalb sorgsam ihre weiblichen Reize und einen Teil ihres Aussehens verbirgt, damit sich niemand genötigt sehen muß sie wegen ihres Aussehens zu belästigen. Und ich muß sagen, durch diese Art der Kleidung hält man die Angriffsfläche für männliche Flirtversuche und Anmachen möglichst gering. 
Wie dem auch sei, ich kann auch mit Kopftuch hübsch sein und gut aussehen und fühle mich ausgesprochen wohl, wenn ich es trage.

Allerdings muß ich zugeben, dass ich im letzten Jahr oft an mir gezweifelt habe und mir nicht mehr sicher war, ob ich das richtige tue - ob es das richtige für mich ist das Kopftuch zu tragen und mich auch sonst wie eine Muslima zu kleiden. Das Muslime nichts dagegen haben, wenn man als andersgläubige das Kopftuch trägt und sich nach der Mode der Muslimas kleidet, weiß ich durch einige Freundinnen - im Gegenteil, viele freuen sich sogar darüber, wenn man sich als andersgläubige dafür interessiert oder sich entschließt sich ganz nach den Regeln ihres Glaubens zu kleiden, allerdings wird dann auch viel Wert darauf gelegt, dass man sich dann auch dementsprechend verhält, was aber ja eigentlich auch selbstverständlich sein sollte - für mich zumindest.
Nein, vielleicht war es eher die Angst was zu verpassen, wenn ich mich nicht zeige und zur Schau stelle bzw. mich nicht sexy und aufreizend kleide solange ich noch jung bin oder mir irgendwann was fehlt, wenn ich mich nicht wenigstens in jungen Jahren "normal" gekleidet habe. 
Und so habe ich immer mal wieder Klamotten von meiner Partnerin angezogen - kurze Röcke und Kleider, Kostüme mit kurzen Röcken, die Haare unbedeckt und offen oder hochgesteckt und bin dann nach der Arbeit oder am Wochenende so spazieren gegangen, hab mich in ein Café gesetzt und einen Kaffee getrunken und bin dann wieder nach Hause.
Wenn man so will also quasi ein umgekehrtes Kopftuchexperiment. Klar war es aufregend so auszugehen, wenn man sonst immer nur lange Kleidung und Kopftuch gewohnt ist, aber es war auch frustrierend, was ich teilweise erlebt habe: mir wurden Blicke zugeworfen, die ich so gar nicht kannte, wildfremde Männer glotzten meine Beine an oder versuchten mir im sitzen oder beim hinsetzen verstohlen unter den Rock zu gucken, manche kamen auch zu mir an den Tisch, machten mich nett an, oder auch weniger nett und das ein oder andere eindeutige Angebot war auch dabei- Und was mir teilweise auf der Straße zu- oder hintergerufen wurde möchte ich hier gar nicht wiederholen, dabei war ich gar nicht mal aufreizend gekleidet - kurzer Rock ja, aber sonst alles ganz normal. Und ich habe mich immer wieder gefragt, wie das eine normale Frau tagtäglich so aushält mit Kopftuch passiert mir sowas nie - da sind es eher die Kopftuch und islamfeindlichen Sprüche, die man sich gefallen lassen hat, was aber auch abgenommen hat, seitdem ich sichtbar eine Kette mit einem Kreuz um den Hals trage.
Nach solchen Ausflügen war ich immer frustriert, zum einen wegen der Reaktion der Leute und zum anderen auch Wegen der Erkenntnis das mein Kopftuch und meine Muslima-Mode eben doch am besten für mich sind - als wenn ich das nicht schon vorher gewußt hätte...
Noch schwerer wog danach allerdings das schlechte Gewissen, weil ich ohne Kopftuch rausgegangen bin, mich nicht an meine Kleidervorschriften gehalten zu haben und mich zur Schau gestellt und Teile meines Körpers gezeigt zu haben die sonst bedeckt sind. Hauptsächlich hatte ich dieses schlechte Gewissen natürlich mir selbst gegenüber, weil ich meine eigenen Prinzipien, Ansichten, Regeln und Vorschriften in Frage gestellt und verraten hatte. Aber auch Gott und meiner Partnerin gegenüber hatte ich ein schlechtes Gewissen, sind sie es doch neben mir selbst, die für die ich mich so kleide.
Schließlich kam es aber zu dem Schluß, dass es okay ist mal auszubrechen um seinen Weg zu finden - das Kopftuch hatte ich ja damals auch sehr oft ausprobiert, bis ich mir sicher war, dass es das richtige für mich ist und das es das ist, was ich will, ehe ich mich dafür entschieden habe es dauerhaft zu tragen.
Ich weihte schließlich auch meine Partnerin ein, sie war zwar zuerst etwas enttäuscht, das ich das hinter ihrem Rücken gemacht habe, aber sie sagte mir schließlich ihre Unterstützung zu, ganz egal was passiert - selbst wenn ich das Kopftuch ablegen sollte. Und so machte ich dann solche Spaziergänge ohne Kopftuch und im kurzen Rock fortan nur noch in Ihrer Begleitung. Der Zweifel am Kopftuch und der Reiz es abzulegen verloren sich so mit der Zeit auch wegen der Reaktion der Leute, die zwar in Begleitung meiner Partnerin nicht mehr so penetrant, aber trotzdem noch vorhanden waren.
In langer bedeckender Kleidung und mit dem Kopftuch fühle ich mich einfach besser, wohler und angezogener, als "normal" gekleidet und ich weiß jetzt, das das Kopftuch für mich das Beste und richtigste ist - ohne fehlt mir einfach was.
Allerdings gehe ich mit meiner Partnerin trotzdem hin und wieder noch mal "normal" gekleidet, mit kurzem Rock und ohne Kopftuch aus, wenn mir oder ihr danach ist, ganz einfach um den Bezug zu dem was unsere Gesellschaft als normal erachtet nicht zu verlieren und um dafür gewappnet zu sein, falls ich es doch mal ablegen will oder muss.
Das mit dem Kopftuch tragen, mit dem wie ich es trage, was ich dazu trage und meine Meinung, meine Ansichten dazu, die Hintergründe und die Regeln und Vorschriften, die ich für mich ausgewählt habe, um danach zu leben und sie in mein Leben einzubauen, mein Verhältnis zu Gott und zu meinem eigenen Glauben - auch im Zusammenhang mit dem Kopftuch - das hat sich ja alles über die Jahre entwickelt. Das nimmt man nicht von heute auf morgen für sich an - und legt es auch nicht einfach von heute auf morgen ab. Was nicht heißen soll dass ich das Kopftuch ablegen will - im Gegenteil ich trage es mit noch mehr Begeisterung, Liebe und Hingabe als vorher und ich glaube auch nicht, dass mich die Faszination und die Überzeugung mit der ich es trage je wieder los lassen. Ich bin stolz darauf, das ich ein Kopftuch trage und das ich eine sog. "Non-muslim Hijabi" bin.
Ich möchte nur vorbereitet sein für den Fall, dass ich es doch mal ablegen muß oder aus irgendwelchen Gründen Ablegen will.


Outfits wie dieses machen für mich die Faszination des Kopftuches aus: 
Ein superschönes langes Kleid mit einem in der Farbe und der Bindetechnik dazu passendem Kopftuch von http://www.inayahcollection.com



Maxikleid mit passendem Hijab by http://www.inayahcollection.com

Maxikleid mit passendem Hijab by http://www.inayahcollection.com

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Freitag, 20. Juli 2012

Ein Wochenende mit Kopftuch (Meine Liebste)


Ich liebe die Outfits der Beiden, das sieht total toll aus - und so, oder so ähnlich
kann man sich meine Liebste und mich am Wochenende wohl vorstellen.

Nicole's Kopftuch-Wochenende

Samstag

Samstag wachten meine Frau Nicole und ich in unserem gemeinsamen Schlafzimmer auf, wo wir die Nacht gemeinsam verbracht haben.

Sonst haben wir eigentlich getrennte Schlafzimmer - mit Bett, Couch, Schreibtisch, Kleiderschrank, fast schon so Mädchenzimmer-mäßig, wo man sich auch mal zurückziehen kann und jede mehr oder wenige ihr eigenes Reich hat. Ständig ein gemeinsames Schlafzimmer miteinander teilen, wollen wir beide nicht - paßt auch irgendwie mit unseren Schlafgewohnheiten und Aufstehzeiten nicht. Aber wir haben eben trotzdem noch ein gemeinsames Schlafzimmer, in dem wir durch unsere getrennten Zimmer auf einen großen Kleiderschrank verzichten können und so etwas mehr Platz haben. Da steht natürlich im Gegensatz zu unseren eigenen Zimmern auch ein großes Bett. Das "große Schlafzimmer" nutzen wir hauptsächlich am Wochenende oder unter der Woche, wenn es sich mal so ergibt ;). Ich find es alles in allem so viel schöner, als wenn man ständig aufeinander hängt - so kann man sich auch mal zurückziehen, hat sein eigenes Reich und es ist eben nicht selbstverständlich, daß man nebeneinander einschläft und aufwacht. Irgendwie freu ich mich deswegen schon immer aufs Wochenende und wenn unter der Woche mal Kuschelbedarf besteht - muß man das halt dem anderen sagen - und wird sich da dann meißt einig *lach*. So spricht man wenigstens drüber und geht nicht ganz selbstverständlich abends ins Bett und kuschelt sich einfach an - oder macht was auch immer... ;) Naja und zur Not kann man ja auch immer noch zu der anderen ins Zimmer huschen und in ihr Bett krabbeln ;) Bei Gewitter mach ich das oft (ja, ich geb's ja zu,...) 
Aber ich schweife ab....

Wir wachten also auf, kuschelten noch ein bißchen, bis ich dann meinte, daß ich langsam mal aufstehen, das Frühstück vorbereiten und den Tisch decken will, denn wir wollten noch in die Stadt, ein wenig bummeln einkaufen und irgendwo Mittagessen. Da meinte sie dann, ich solle ihr vorher doch noch ein paar Klamotten von mir raussuchen, einen schönen langen Rock, ein Shirt und ein Tuch was dazu paßt.

Ich hab sie wohl eine Spur zu überrascht angeguckt, denn sie wurde rot und meinte dann verlegen, daß sie auch mal wieder ein Kopftuch tragen möchte und so könnten wir auch mal im Partnerlook gehen - was mich zum schmunzeln brachte.

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Dienstag, 9. August 2011

12 Jahre Kopftuch

Ich kann's kaum glauben, aber es ist nun schon 12 Jahre her, daß ich damit angefangen habe, das Kopftuch immer, von morgens bis abends, jeden Tag zu tragen - auch im normalen Alltag.


Das hatte genau vor 12 Jahren nach den Sommerferien mit einem - für mich verhängnisvollen - Experiment begonnen. Nachdem ich das Kopftuch vorher schon immer öfter, wenn ich mit meiner besten Freundin unterwegs war, trug und dann auch oft wenn ich zu Hause oder allein unterwegs war - und es immer sehr genoss es tragen zu können und auch gar nicht mal so schlechte Erfahrungen damit machte, wollte ich endlich wissen, wie es für ein muslimisches Mädchen, eine muslimische Frau bzw. im allgemeinen für eine Muslima sein muß es ganz normal und selbstverständlich jeden Tag von morgens bis abends zu tragen.
Viele mit denen ich über diese Neugier und diesen Wunsch sprach, meinten ich soll es ausprobieren, so lange ich noch zur Schule gehe und noch keine Rücksicht auf Job und Arbeitgeber nehmen muss, denn wenn ich erstmal arbeite, dann könnte es für dieses Experiment vielleicht zu spät sein, weil ich dann vielleicht nur im Urlaub und in meiner Freizeit Kopftuch tragen kann. Sogar meine Mutter vertrat diese Ansicht und bestärkte mich darin meinen Wunsch auszuleben und diesen Plan in die Tat umzusetzen.
Und so faßte ich den Entschluß, im neuen Schuljahr das Experiment zu wagen und 3 Monate lang nur Kopftuch und lange Röcke und langärmelige Shirts und Blusen zu tragen. Meine Beste Freundin und ein paar andere Mädchen aus der Klasse waren eingeweiht.

Montag, 28. März 2011

Bin ich "Eine Schande für die westliche Emanzipation der Frau"? ... zu einem Kommentar...

Vor einiger Zeit bekam ich mal folgenden Kommentar:
Quoting Kommentar:
Du bist ja absolut verrückt. Eine Schande für die westliche Emanzipation der Frau. Ich verstehe Dich nicht... Wahrscheinlich ist es wohl nur der typische unterbewusste Männerhass, den doch alle Lesben irgendwie in sich tragen... Und dann soll man euch bitteschön nicht lächerlich finden? Lustig.



Ich mußte ja schon schmunzeln, denn was hat es mit Emanzipation zu tun, wenn Frau kurze Röcke, knappe Tops trägt und sich bis zur unkenntlichkeit schminkt? Oder ist es vielleicht emanzipierter hautenge Jeans und Leggings zu tragen?! Ist demnach also JEDE Frau, die Röcke trägt unemanzipiert und eine Schande für die weibliche Emanzipation?! Umso länger der Rock und umso öfter welche getragen werden, desto unemanzipierter und unselbstständiger?! So ein Quatsch....

Gerade, weil ich frei bin, die Kleidung zu wählen, die ich gern tragen möchte, habe ich mich für lange Röcke und Kopftuch entschieden. Gerade weil ich eine Frau bin, trage ich ausschließlich Röcke. Männer tragen Hosen und Frauen Röcke. Für mich ist das zumindest so und ich bin auch so erzogen worden - ich finde nun mal, dass beide Geschlechter sich auch in der Kleidung unterscheiden sollten und deswegen sind für mich Hosen nun mal tabu andere können sie ja gern tragen.

Und was das Kopftuch angeht, so war es meine eigene freie Entscheidung es zu tragen - keiner zwingt mich dazu, weder meine Familie, noch meine Religion oder irgendwelche Traditionen, selbst meine Partnerin verlangt es nicht von mir,...

Die einzige, die mich dazu "zwingt" und die will, daß ich es trage, das bin ich selbst!!! Und das aus den unterschiedlichsten Gründen.

Schon früher fand ich muslimische Frauen mit Kopftuch faszinierend und hübsch anzusehen und wollte selbst irgendwann mal eins tragen und mich so kleiden. Ich dachte nur immer das geht nicht, weil ich ja gar keine Muslima bin und wegen der Kleidung extra die Religion wechseln?! Nein, das kam für mich nicht in Frage, außerdem bin ich nicht wirklich gläubig und der Islam wäre definitiv keine Religion für mich.

Ich hab es aber dann doch mal ausprobiert, mit dem Kopftuch und den langen Röcken und es hat mir gefallen - da ging ich noch zur Schule. Zuerst hab ich mich nur gelegentlich zu Hause so angezogen - später bin ich dann auch so rausgegangen. Und einige Zeit später hab ich dann das Experiment gewagt und über mehrere Wochen hinweg tagein tagaus von morgens bis abends das Kopftuch getragen und es teilweise nur zum Schlafen abgenommen.

Dabei wurde mir sehr schnell klar, das es DAS ist, was ich will. Es fühlt sich so schön an es zu tragen und es ist ein tolles Gefühl, wenn die Menschen um herum mich zwar ansehen können aber keiner mich wirklich "SEHEN" kann. Das ist so ein gewisses Machtgefühl, ich ganz allein bestimme wer wieviel von mir sehen darf, wer mich ohne Kopftuch sehen darf und wer nicht. Ich für mich selbst muß nicht ohne Kopftuch sein, ich weiß wie ich aussehe und von daher stört es mich nicht, es denn ganzen Tag zu tragen und es gibt auch nur sehr wenig Menschen, für die ich es abnehme.

So warf ich dann zum Ende meines Experiments meine bedenken schnell über Bord, denn zum einen ist es doch nur Kleidung und ein bestimmter Modestil und andererseits, wieviele Muslimas gibt es, die zwar Kopftuch tragen, aber ihre Religion nur teilweise oder gar nicht praktizieren? Und so stand dann mein Entschluß schnell fest weiterhin Kopftuch zu tragen und mich zu bedecken - sprich nur lange Röcke und langärmelige Oberteile zu tragen.

Ich habe mich nun mal dafür enschieden und nehme diese Entscheidung auch sehr ernst, denn in meinen Augen gibt es kein zurück mehr, wenn man erst einmal damit angefangen hat. Aber ich habe diese Entscheidung bisher auch noch nie bereut und stehe dazu.

Diese Kleidung gibt mir eine Art von Geborgenheit, sie ist wie ein Schutzschild, der mich vor allzu aufdringlichen Blicken beschützt, meine Privatspähre schützt, meine Sittsamkeit (und die anderer) bewahrt und mich von allerlei Zwängen des Alltags befreit.

So muß ich mir z.B. keine Gedanken um meine Frisur oder Haarfarbe machen, denn meine Haare sieht eh keiner und wenn ich sie mir schön zurechtmache oder färbe, dann tue ich das für mich selbst oder eben für meine Freundin. Im moment sind sie knallrot gefärbt, weil sie das so sehr mag - zwar nicht so ganz mein Fall, weil es mir zu auffällig wäre, aber es sieht ja außer Ihr und mir niemand ;) Und was die Kleidung angeht, so brauch ich mir da auch keine großen Gedanken machen, da es durch den Stil ja sowieso schon fest vorgegeben ist, was ich anziehe: langer Rock (Hosen sind ja tabu und kurze Röcke sowieso), langärmeliges Oberteil - also Bluse oder Shirt bzw. Pullover und das natürlich das Kopftuch. So bleiben nur noch die Auswahl welche Farbe, mit Muster oder ohne, Bluse oder Shirt und ob ich eine Strickjacke oder einen Blazer anziehe.

Selbst das Schminken ist nicht so das Problem - ich schminke mich zwar sehr gerne und versuche mir dabei auch einen leicht orientalischen touch zu geben, damit es nicht ganz so auffällt, das ich keine echte Muslima bin und ich nicht wie eine konvertierte Deutsche aussehe *lach* was ich ja definitiv nicht bin. Aber selbst wenn ich mich mal nicht schminke - who cares? so wie ich mich kleide erwartet es niemand von mir, das ich geschminkt bin und es setzt auch niemand voraus und wenn ich mich schminke, dann tue ich das in erster Linie für mich oder um meiner Liebsten zu gefallen.

Und der Vorwurf, daß mich ein unterschwelliger Männerhaß dazu verleitet, wie er angeblich allen Lesben eigen sein soll (komisch, ich kenne keine, die Männer haßt) ist auch so nicht wahr. Ich finde es generell unangenehm, wenn Männer mir auf Beine, Po oder Brüste glotzen und ich mag die Vorstellung nicht, daß sie sich dabei allerlei versaute Dinge ausmalen - und daß nicht nur weil ich lesbisch bin... Ich mag es eben generell nicht - ich habe nichts gegen Sex, aber ich möchte gern selbst bestimmen, mit wem ich den habe und wer davon träumt welchen mit mir zu haben - und da kommt mir ja meine Kleidung als Schutz wieder zur Hilfe.


Im Islam gilt die Frau als das schönere Geschlecht und ihr ganzer Körper ist ihr als Schmuck mit auf den Weg gegeben worden und als solcher anzusehen: Haare; Brüste; die Beine; ihre Figur - einfach alles - wohlwissend, was sie mit diesen Reizen bei den Männern auszulösen vermag. Und deswegen ist jede Frau selbst dafür verantworlich, wie sie mit ihren Reizen umgeht und wenn sie nicht will, das Männer sich wegen ihr unkeusche und versaute Gedanken machen oder sie nur als Lustobjekt betrachten, muß sie die Verantwortung für ihre köperlichen Reize übernehmen und diese eben bedecken und genau auswählen wem sie ihre körperlichen Schönheiten und Reize zeigt und präsentiert.

Und diese Verantwortung für meinen Körper und sein (hauptsächlich für die Männer) reizvolles Aussehen möchte ich gern tragen und übernehmen, indem ich mich eben wie eine Muslima kleide.

Sicher macht man es sich da schon einfach, indem man einfach der Frau die Schuld für das Verhalten der Männer gibt und ihr die Verantwortung dafür aufbürdet die Erregung der Männer im Zaum zu halten.... Aber ich trage die Verantwortung dafür gern und kleide mich so wie ich es eben tue - zum einen finde ich die Vorstellung widerlich, dass ich die Hauptrolle in den sexuellen Fantasien eines fremden Mannes spiele und zum anderen lehne ich es ab, mich selbst als Frau zur Schau zu stellen - wozu auch? Ich bin vergeben und suche nicht und die einzige, die ein Recht darauf hat, das ich mich ihr präsentiere und ihr alles von mir zeige, wartet zu Hause und ist meine Freundin, Geliebte, Frau, Herrin und Gebieterin - und noch so vieles mehr. Alle anderen sollen mich als einfache Frau und Person sehen und nicht als Modepüppchen sehen und sollen mich nachdem, was ich sage denke und tue beurteilen und nicht nach meinem Outfit und der Kürze meines Rockes.

Aber wie dem auch sei, in erster Linie ist es nur Kleidung, Klamotten - ein Modestil, den Frau so eben tragen kann oder auch nicht.

Der Islam wäre als Religion zwar nie eine Option für mich, da ich nicht an Gott glaube und mir der Islam einfach zu sehr auf den glauben ausgelegt ist - er ist mir halt einfach zu "fromm". Aber eine andere Sache die ich am Islam mag ist, das er sehr auf Familie, Liebe und Partnerschaft ausgerichtet ist - wobei mir am meisten die Rolle der Frau und ihre Stellung in Familie und Gesellschaft gefällt, da ich mich darin am meisten wiedererkennen und mich am Besten damit identifizieren kann. Die Frau wird als schwach und verletzlich angesehen - ebenso sehe ich mich selbst. Ich mag die Regeln, nach denen Frauen im Islam, besonders in Ehe und Partnerschaft, leben. Vielen mögen diese Regeln als unterdrückund der Frau erscheinen, aber wenn man sich ein wenig damit beschäftigt sind eigentlich alle diese Regeln, klar definiert und eigentlich nur zum Besten der Frau - vor dem Hintergrund, das sie als schwach und verletzlich gilt und ihre Rolle auf das Wohl der Familie Liebe und Partnerschaft ausgelegt ist.
Ich will meine Ansichten dazu jetzt nicht in allen Einzelheiten erläutern, aber selbst wenn es nicht meine Religion ist, so kann es doch nicht schaden, die Regeln, die für Frauen im Islam gelten für mich zu übernehmen und danach, als eine Art Lifestyle zu leben - wozu es dann ja wiederum paßt, daß ich Kopftuch trage ;)
Ich bin damit bisher immer gut gefahren und zufrieden so wie es ist - und meiner Partnerin gafällt es auch, also, was sollte daran falsch sein?! Selbst wenn ich ihr gehorchen muß und sie frei über mich und mein tun bestimmen kann, so sehe ich das nicht als Unterdrückung - sie führt und leitet mich. Und warum sollte eine Frau nicht tun, was der Mensch den sie liebt von ihr will, selbst wenn es eine andere Frau ist?! Sich dem anderen vertrauensvoll und bedingungslos hingeben könne, das wünschen sich doch viele Frauen...

Und last but not least: ich habe mir das selbst alles so ausgesucht und mache es freiwillig, weil ich es so will, niemand zwingt mich dazu, sei es nun Kopftuch zu tragen oder meiner Freundin zu gehorchen - das mache ich weil ich es so möchte - ich habe es mir selbst so gewählt...