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Mittwoch, 20. Dezember 2017

Meine Ehefrau mit Kopftuch im Weihnachtsurlaub

Meine Partnerin: Kopftuch tragen im Weihnachts-Urlaub




Meine Frau und ich haben jetzt 3 Wochen Urlaub: diese Woche, also die Woche vor Weihnachten, die Woche nach Weihnachten und die Woche nach Sylvester & Neujahr, welches ja die erste Woche vom neuen Jahr ist.



Sie trägt jetzt unseren ganzen Urlaub über ein Kopftuch und Muslima-Mode, also zum Kopftuch passende lange, bedeckende und bescheidene Kleidung - auch über Weihnachten, wenn wir uns mit unseren Familien treffen - aber halt auch bei Treffen und Unternehmungen mit unseren Freundinnen und auch zu der Sylvesterparty mit unseren Freundinnen, zu der wir eingeladen sind, wird sie ein Kopftuch tragen und sich so kleiden.
Sie überlegt schon länger, ob sie das in diesem Weihnachtsurlaub wieder machen soll, denn im letzten Weihnachts-Urlaub hat sie auch schon die ganze Zeit über ein Kopftuch getragen.



Anfang des Monats hat sie sich dann endlich dazu entschieden, in unserem Weihnachts-Urlaub auch wieder ein Kopftuch tragen zu wollen und hat mich gebeten, für sie schon mal ein paar lange Kleider,  Röcke, Oberteile und Kopftücher heraus zu suchen und ihr ein paar schöne Kopftuch-Outfits zusammen zu stellen, die sie in ihren 3 Wochen als Kopftuchmädchen tragen kann.
Natürlich hat sie auch selbst ein paar passende Röcke, Kleider und Oberteile, die sie tragen wird, aber obwohl sie schon seit ca. 3 Jahren selbst nur noch Röcke und Kleider trägt hat sie nicht allzu viel lange Sachen, die geeignet wären, da sie sich ja eben eher wie eine ganz “normale” Frau kleidet und deswegen auch hauptsächlich knielange und kürzere Röcke und Kleider bevorzugt - lange Röcke und Kleider sind bei ihr eher die Ausnahme.
Sie könnte auch ohne Probleme einen knielangen Rock mit einer blickdichten, schwarzen Strumpfhose zum Kopftuch tragen - das ist aus meiner Sicht vollkommen okay (trage ich ja selbst auch manchmal) - aber meine Frau möchte halt lieber das volle Programm haben und lange Kleidung tragen, damit bei ihr auch “das richtige Feeling aufkommt” wie sie sagt.



Sie hat sogar extra ihren Kleiderschrank umgeräumt: auf der einen Seite sind die Sachen, die sie als Kopftuchmädchen nicht tragen kann und auf der anderen Seite sind Pullis, Shirts, Blusen, Röcke und Kleider, die sie auch auch Kopftuchträgerin tragen kann und darf - ist allerdings nicht viel, abgesehen von den Shirts und Pullis, sodaß auch noch Platz für meine Klamotten, die ich für sie rausgesucht habe, war. Die hatte ich im Kleiderschrank im Gästezimmer untergebracht - die habe ich dann am Wochenende in den Kleiderschrank meiner Frau eingeräumt.
Die Türen von den Fächern, wo ihre “normale” Kleidung drin ist, die sie als Kopftuchträgerin nicht tragen kann, hat sie am Samstag abgeschlossen und sie hat mir die Schlüssel zur Aufbewahrung gegeben, mit der Order sie ihr unter keinen Umständen vor Ende unseres Urlaubs und der 3 Wochen wieder zu geben - sie möchte nämlich gar nicht mehr die Möglichkeit haben, ihre “normale” Kleidung zu tragen, denn dieses Jahr soll es für Sie etwas anders laufen mit dem Kopftuchtragen. 


Letztes Jahr hat sie das Kopftuch die drei Wochen über nur “just for fun” getragen, weil es ihr Spaß gemacht hat mit mir zusammen Kopftücher zu tragen - es war für Sie ein rein modisches Ding und absolut freiwillig - sie hätte auch jederzeit was anderes anziehen oder ohne Kopftuch weggehen können. Sie war nicht dazu verpflichtet es zu tragen und es wäre vollkommen okay gewesen, wenn sie ihr Kopftuch mal nicht getragen hätte und eventuell was ganz anderes, wie einen kurzen Rock angezogen hätte. 

Diesmal möchte Sie das Kopftuch gerne konsequent die ganzen 3 Wochen lang tragen “müssen” - ohne jede Ausnahme, also keinen Tag ohne Kopftuch und auch an keinem Tag irgendwas anderes tragen. Außerdem wird sie ihr Kopftuch von morgens bis abends tragen, auch wenn wir Zuhause sind, sie wird das Haus nicht verlassen, ohne ein Kopftuch zu tragen und sie wird es die ganzen 3 Wochen nur Zuhause abnehmen und nur vor mir, ihrer Ehefrau - ich bin in den ganzen 3 Wochen die Einzige, die sie ohne Kopftuch sehen sollte und sehen darf.
Sie möchte die Gelegenheit nutzen, mal für eine etwas längere Zeit ein Kopftuch zu tragen. Und drei Wochen sind ja doch schon eine lange Zeit, für eine Frau, die sonst eigentlich kein Kopftuch trägt.
Sicher trägt sie es hin und wieder auch selbst einmal, wenn wir etwas zusammen unternehmen, aber das ist dann nur mal für einen Abend oder vielleicht auch mal für einen Tag - seltener mal ein ganzes Wochenende über. Aber ein paar Wochen lang ständig, immer und überall ein Kopftuch zu tragen, das macht sie sonst ja eigentlich nicht. Außerdem findet sie es schön, mit mir zusammen ein Kopftuch zu tragen, das findet sie toll und das macht ihr Spaß.
Sie möchte mal wissen, wie das so ist 3 Wochen lang ganz konsequent immer und überall ein Kopftuch zu tragen und nicht ohne Kopftuch aus dem Haus zu gehen und wie das so ist, wenn man es 3 Wochen lang (auf freiwilliger Basis) tragen muss, weil man dazu verpflichtet ist und sich dazu verpflichtet fühlt - was sie ja ist, weil sie sich freiwillig dazu verpflichtet hat das Kopftuch die 3 Wochen lang ständig zu tragen. 



Was möchte sie damit bezwecken?

Zum einen möchte sie das machen, weil sie Spaß daran hat, mal für 3 Wochen etwas tun zu müssen, was sie normalerweise eben nicht tut bzw. sich mal für 3 Wochen so kleiden zu müssen, wie sie sich normalerweise nicht kleidet.
Sie mag das Kopftuch zwar an mir sehr gerne und versteht auch meine Beweggründe, es zu tragen, aber sie kann es sich für sich selbst - außer halt hin und wieder mal nen Tag oder auch mal für ein Wochenende - gar nicht so recht vorstellen, zumindest nicht als ständigen Begleiter.
Sie möchte wissen, wie es ist, ein Kopftuch mal über eine längere Zeit jeden Tag zu tragen und möchte wissen, wie es ist, wenn man es (auf freiwilliger Basis) tragen muss, weil man sich eben - warum auch immer - dazu verpflichtet fühlt, es zu tragen.


Sie möchte mal am eigenen Leib erfahren, wie das ist ständig ein Kopftuch tragen zu müssen und gar keine andere Wahl mehr zu haben, weil man dazu verpflichtet ist bzw. sich dazu verpflichtet fühlt. Sie möchte wissen, was das mit ihr selbst macht, wie sich das anfühlt und wie andere Menschen auf sie mit dem Kopftuch reagieren und sie behandeln.
Außerdem möchte sie herausfinden ob man sich unter diesen Umständen, aus dieser (freiwillig) eingegangenen Verpflichtung heraus, (schneller) daran gewöhnen und damit abfinden kann ein Kopftuch zu tragen oder es halt tragen zu müssen.
Und sie möchte herausfinden ob nach dieser, für sie doch recht langen Zeit, schon ein Gewöhnungseffekt an das Kopftuch bzw. das Kopftuchtragen eintritt.


(Ich habe mal erwähnt, das ich mich mittlerweile schon so sehr an das Kopftuch gewöhnt habe, daß ich gar nicht mehr ohne Kopftuch sein könnte - und daß ich mich schon gleich am Anfang recht schnell an mein Kopftuch als neue ständige Kopfbedeckung und Kopfschmuck gewöhnt habe. Dem möchte sie natürlich bei der Gelegenheit auch gleich nachgehen.) 







Sie möchte selber mal erleben, was man so erlebt, wenn man ein Kopftuch trägt und nicht mehr zur Mehrheit der Gesellschaft gehört.
Sie möchte selbst spüren, wie Menschen auf sie mit Kopftuch reagieren und wie sie Sie behandeln, wenn sie selbst ein Kopftuch trägt.
Sie möchte spüren, wie es ist selbst mal ständig ein Kopftuch zu tragen und sie möchte erleben, wie es ist, ein Kopftuch (freiwillig) tragen zu müssen, weil man sich dazu (aus verschiedenen Gründen) verpflichtet fühlt.
Sie möchte selbst erleben und erfahren, wie es für sie ist, für eine gewisse Zeit mal keine andere Wahl und keine andere Möglichkeit zu haben, als ein Kopftuch tragen, ganz egal was sie tut und wo sie hingeht, weil sie sich dazu verpflichtet fühlt, es zu tragen und es deswegen auch tragen muss - und auch gar nicht anders kann.
Sie möchte selbst mal eine Weile unter dem Kopftuch “eingesperrt” sein und die Welt unter dem Kopftuch erleben um mal eine Weile in meine Welt einzutauchen.



Sie möchte halt mal wissen, wie das für mich, als ihre Partnerin so ist. Sie akzeptiert und respektiert es zwar, dass ich ein Kopftuch trage und es gefällt ihr auch sehr gut, daß ich es trage:
sie mag wie ich damit aussehe und findet es toll, daß mich eben nicht jeder ohne mein Kopftuch sehen kann und darf.
Sie weiß über die Hintergründe bescheid und sie kennt meine Beweggründe ein Kopftuch zu tragen und sie weiß aus welchen Gründen ich mich zum Tragen meines Kopftuchs verpflichtet fühle und warum es mir persönlich gefällt es zu tragen und es tragen zu müssen - oder mir zumindest vorzustellen, daß ich ein Kopftuch tragen muss.
Sie kennt auch viele meiner Erlebnisse mit dem Kopftuch und die Reaktionen der Leute auf mich mit Kopftuch, aus meinen Erzählungen. Aber sie kennt es eben nur vom hören-sagen und nicht aus ihrer eigenen Erfahrung heraus - und das möchte sie jetzt halt mal nachholen indem sie es selbst mal erlebt und und am eigenen Leib spürt, wie das so ist.
Sie möchte mich besser verstehen können und sich in manchen Situationen besser in mich hinein versetzen können und das kann sie eben nur, wenn sie es selbst mal erlebt hat und aus der eigenen Erfahrung kennt. Das find ich wirklich toll.


Sie möchte in Zukunft in der Freizeit öfter mal ein Kopftuch tragen - oder könnte sich das zumindest für sich vorstellen - und möchte jetzt die Gelegenheit nutzen, es einmal ganz intensiv für sich auszuprobieren und zu erleben - und sie möchte sich vorab schon mal ein wenig daran gewöhnen es zu tragen.
Allerdings ist sie sich noch nicht so sicher, ob sie es nur dann öfter tragen möchte, wenn sie mit mir zusammen ist und mit mir zusammen etwas unterwegs ist und etwas unternimmt oder ob sie  generell für sich selbst öfter ein Kopftuch tragen würde - auch wenn sie allein unterwegs ist.


Klar ist auf jeden Fall, das sie es nicht, wie ich, immer und ständig tragen könnte, das würde wegen ihrem Job schon gar nicht gehen, wo sie auf gar keinen Fall ein Kopftuch tragen könnte. Allein deswegen wäre das Kopftuchtragen bei ihr nur auf die Freizeit beschränkt. Aber, sie möchte es ja auch gar nicht ständig tragen - sie würde es in Zukunft halt nur gerne in der Freizeit ein wenig öfter tragen als bisher und möchte jetzt diese 3 Wochen auch dazu nutzen, herauszufinden, ob das überhaupt etwas für sie wäre. 



Wie dem auch sei, mir gefällt das total gut, daß sie die nächsten 3 Wochen, genau wie ich, ein Kopftuch tragen will und das mit mir zusammen erleben will. Ich freu mich schon total darauf, sie so zu erleben, sie dabei zu unterstützen und ihr dabei zu helfen.
Es werden bestimmt 3 sehr schöne und interessante Wochen für uns werden - ich finde das total faszinierend und reizvoll, das mit ihr zusammen zu erleben, vor allem auch über Weihnachten.

Ich finde es auf jeden Fall toll, das meine Frau die nächsten 3 Wochen auch eine Kopftuchträgerin sein wird und das wir dann beide Kopftuchmädchen sind - so als Liebespaar eben.
Wir kriegen das zusammen schon hin, da bin ich ganz zuversichtlich.
Vielleicht kann ich sie ja dazu bringen, hier mal ein wenig von ihren Eindrücken und Erfahrungen zu berichten - aber Versprechen kann ich noch nichts, das hat ja beim letzten Mal leider auch nicht geklappt.

Hier zum Schluss noch ein paar winterlich, weihnachtlich Kopftuch-Stylings und Kopftuch-Mode Ideen (Winter Hijab-Fashion): 




































Samstag, 26. Dezember 2015

Weihnachten mit Kopftuch

Zwei Muslima Schönheiten in winterlicher Hijab-Mode. Und Nein, das sind nicht meine Liebste und Ich.

Weihnachten mit Kopftuch


Ich wünsche all meinen Lesern und Leserinnen fröhliche Weihnachten und ein Frohes und besinnliches Weihnachtsfest - auch wenn das Wetter weder Weihnachtlich und noch nicht mal winterlich ist.

Einige haben sich sicher schon gefragt, ob ich auch Weihnachten feiere, wo ich doch ein Kopftuch trage.
Na klar, denn auch wenn ich ein Kopftuch trage und mich nach der Mode muslimischer Frauen kleide, so bin ich doch immer noch eine Christin und somit hat das Weihnachtsfest für mich wie auch für alle anderen Christen eine ganz besondere Bedeutung.
Ich trage mein Kopftuch ja nun schon seit vielen Jahren - ich damit ja schon als Teenager angefangen, als ich noch bei meiner Mutter gewohnt habe und ich muß zugeben, die ersten Weihnachten mit Kopftuch waren irgendwie komisch und merkwürdig und auch an Heiligabend damit in den Weihnachts-Gottesdienst zu gehen, war irgendwie ein merkwürdiges Gefühl. Allerdings hat auch nie jemand was deswegen gesagt, oder sich gar bei mir beschwert - im Gegenteil, die Leute schienen sich teilweise sogar darüber zu freuen, daß ein anscheinend muslimisches Mädchen den Gottesdienst an Heiligabend besucht.

Ich weiß noch, als meine Mutter und mich vor vielen Jahren mal eine ältere Dame angesprochen hat und mich gefragt hat, wie mir denn der Gottesdienst und das Krippenspiel gefallen hat. Ich meinte etwas irritiert, daß ich es toll fand und das es mir sehr gut gefallen hat. Sie meinte dann, daß sie es schön findet, daß ich mich immer noch dafür interessiere, obwohl ich ja anscheinend konvertiert bin... Ich über legte gerade ob ich sie aufklären sollte, da wandte sie sich schon an meine Mutter und meinte, daß sie es toll findet, daß meine Mutter zu mir hält, obwohl ich zum Islam konvertiert sei und das Kinder nun mal ab einem bestimmten Alter selbst entscheiden können woran sie glauben möchten und das die Eltern das halt akzeptieren müßten - selbst wenn es der Islam ist.
Da meine Mutter nun auch etwas unsicher und irritiert guckte, beschloß ich das ganze aufzuklären und meinte dann zu der älteren Dame, daß ich zwar ein Kopftuch trage und mich wie eine Muslima kleide, weil ich diese Mode mag und auch die Gründe warum eine Muslima sich verhüllen und ein Kopftuch tragen sollte nachvollziehbar und richtig finde, aber daß ich nach wie vor immer noch eine evangelische Christin bin und daran auch nichts ändern möchte. Da guckte sie dann irritiert und brummelte nur noch sowas wie 'na wenn das so ist', drehte sich um und stapfte von dannen, so als wäre sie beleidigt darüber, daß wir ihre Toleranz umsonst beansprucht haben. Mir war das ganze total peinlich und ich entschuldigte mich tausendmal bei meiner Mum deswegen, aber sie meinte nur das es nicht so schlimm wäre und ich weiterhin tun solle, was mir gefällt und was ich für richtig halte. Später konnten wir dann auch über diesen Vorfall lachen.
Um die Geschichte komplett zu machen: im neuen Jahr traf ich dann die ältere beim Einkaufen wieder und trug dabei natürlich wie immer auch ein Kopftuch. Sie sah mich, erkannte mich und kam auf mich zu und ich dachte nur, Wunder wer weiß was da jetzt kommt, aber sie sagte nur freundlich 'Hallo' und meinte, das sie sich bei mir entschuldigen wollte, weil sie mich und meine Mum so stehen lassen hat, aber sie konnte mit dem was ich ihr da gesagt habe in dem Moment nicht so wirklich was anzufangen, aber sie hätte darüber nachgedacht und wenn es mir gefällt ein Kopftuch zu tragen und mich so zu kleiden und wenn ich das selbst für richtig halte dann soll ich es ruhig tun, früher haben Christinnen ja auch ein Kopftuch getragen und dafür Sorge getragen, daß sie sich sittsam und anständig kleiden, warum sollte es also schlimm sein, wenn sich Mädchen oder junge Frauen auch heute wieder auf solche Werte besinnen?!


Seitdem ich sichtbar ein Kreuz um den Hals trage kommen solche "Verwechslungen" kaum noch vor, allerdings werde ich jetzt auch öfter wegen dem Kreuz UND dem Kopftuch angesprochen. Allerdings habe ich auch kein Problem damit, wenn man mich für eine Muslima hält, denn es ist schließlich keine Schande eine Muslima zu sein - und mal abgesehen von Religionszugehörigkeit bin ich ja im Prinzip auch eine Muslima, was mein Denken, meine Kleidung, meine Einstellung usw. betrifft. Ich kläre solche Missverständnisse nur noch auf, wenn es unbedingt nötig ist, oder ich mit der Person noch öfter zu tun habe.

Aber zurück zu Weihnachten mit Kopftuch: mittlerweile ist es für mich normal, das Kopftuch auch an Weihnachten zu tragen und ich fühle mich insbesondere an diesen Tagen viel frommer und besinnlicher und kann mich auch mit meinen Tüchern und langen Kleidern (bzw. Abayas) festlicher und eleganter kleiden und zurecht machen. Die Feiertage mit Kopftuch und schön festlich gekleidet zu verbringen ist jedes Jahr aufs neue was besonderes für mich und das Kopftuch steht für mich auch nicht mehr im Widerspruch zum christlichen Weihnachtsfest, denn zum einen feiere ich Weihnachten nicht mit meiner Kleidung, sondern mit meinem Glauben und meinem Herzen und früher war es durchaus auch bei Christinnen üblich den Kopf zu bedecken und sittsame lange Kleidung zu tragen, die nichts vom Körper zeigte - insbesondere an so hohen Feiertagen.

Dieses Jahr hat mir meine Partnerin eine besondere Freude gemacht, sie meinte ein paar Tage vor Weihnachten zu mir, daß sie an Weihnachten auch gerne ein Kopftuch tragen und sich wie ich kleiden möchte und da wir zwischen den Feiertage frei haben, würde sie sich so auch gern die ganze nächste Woche kleiden und mit mir auch so ins neue Jahr gehen. Das würde sie toll finden, und da sie indirekt von mir verlangt, daß ich mich für sie so kleide (was solange ich es selber so will allerdings keine große Rolle spielt), sollte sie zumindest mal ein paar Tage in meinen Schuhen oder besser gesagt 'in meiner Kleidung' laufen, um zu sehen, wie das so ist.
Sie hat schon des öfteren selbst ein Kopftuch getragen, aber meistens beschränkte sich das eher auf einen Nachmittag oder einen Abend, manchmal auch ein ganzer Tag - ganz selten aber mal an zwei oder mehr Tagen nacheinander. Und nun wollte sie es gleich elf Tage am Stück tragen?
Natürlich hab ich ihr sofort bereitwillig Klamotten, wie lange Röcke, Kleider, Blusen und Tücher von mir rausgesucht und ihr Outfits zusammengestellt und diese dann für sie in den Kleiderschrank im Gästezimmer gehängt. Wir sind ja zum Glück gleich groß und haben dieselbe Größe.
Und Heiligabend hatte sie dann morgens als sie zum Frühstück runterkam auch schon einen langen Rock und ein langärmeliges Shirt an und dazu ein Kopftuch auf, was sie mittlerweile auch selbst binden kann.
Nach dem Frühstück fuhren wir ganz selbstverständlich zusammen so Einkaufen und gingen auch Abends zusammen so in die Kirche. Danach zogen wir uns beide eine festliche Abaya und ein dazu passendes Kopftuch an und machten Bescherung und aßen zu Abend und danach machten wir es uns auf dem Sofa bequem und sahen fern.
Gestern am 1.Weihnachtsfeiertag als meine Mum und meine Schwester zum Essen und zum Kaffee da waren trugen wir die festlichen Abaya-Kleider wieder. Natürlich wunderten sich meine Mum und meine Schwester schon ein wenig, daß Nicole auch Kopftuch trägt, aber nachdem wir ihnen erzählten was sie vor hat, fanden sie die Idee toll.
Heute sind wir etwas legerer gekleidet, lange Röcke, Blusen zum Rock passende Blazer und einfache Kopftücher. Wir fahren heute Nachmittag, am 2. Weihnachtsfeiertag noch zu Nicoles Eltern zum Kaffee. Sie hat sie am Telefon schon auf ihr Outfit vorbereitet - mich kennen sie ja nur so.
Es ist schon ein wenig komisch meine Liebste so zu sehen - ich meine daß sie immer nur Röcke und Kleider trägt, bin ich ja schon gewohnt, sie hat vor anderthalb Jahren mir zuliebe aufgehört Jeans und Hosen anzuziehen und angefangen nur noch Röcke und Kleider zu tragen. Da sie im Job eh nur Röcke trägt und Jeans und Hosen eh nur in der Freizeit in Frage kamen, war das keine große Umstellung für sie.
Aber sie jetzt auch noch jeden Tag mit Kopftuch zu sehen und das noch bis nächste Woche Sonntag, ist schon etwas komisch für mich. Denn bisher war ich in unserer Beziehung das Kopftuchmädchen bzw die Kopftuchträgerin, während sie "normal" gekleidet war und eben kein Kopftuch trug, weil sie keines tragen brauchte, mußte oder wollte, je nachdem wie man es sieht. Das Kopftuch unterschied uns, jetzt wo wir im Moment beide eins tragen, stellt uns das auf dieselbe Stufe und macht uns gleich obwohl wir es nicht sind. Meine Partnerin hat bei uns in der Beziehung das Sagen, sie bestimmt alles was es zu bestimmen gibt, sie leitet, dirigiert und regiert, wenn man das so sagen kann und das ist auch vollkommen okay so, denn in einer Beziehung muß einer das Sagen haben, wenn beide gleichviel zu sagen haben, dann funktioniert es nicht. In der Beziehung symbolisiert das Kopftuch (wie ich finde) Unterwürfigkeit, Unterordnung und Gehorsam dem Partner gegenüber, was für mich selbst und für unsere Beziehung auf jeden Fall zutrifft. Jetzt, wo sie momentan auch ein Kopftuch trägt ist die Rollenverteilung zwar dieselbe geblieben und mit Kopftuch achte und respektiere ich sie genauso wie ohne Kopftuch. Es ist halt nur komisch, weil es nach außen hin nicht mehr erkennbar ist, wer das Sagen bei uns hat.
Da wir uns aber in der Öffentlichkeit eigentlich nie als lesbisches Paar zu erkennen geben, da ich zum einen muslimische Schwestern nicht in Misskredit bringen möchte, indem ich als, nach muslimischer Mode gekleidete Frau, meine lesbischen Neigungen offen bzw. öffentlich auslebe und ich zum anderen finde, das der Austausch von Zärtlichkeiten und anderen Intimitäten nichts in der Öffentlichkeit verloren hat und nur zu Hause in der eigenen vier Wänden stattfinden sollte.
Aber wenn wir z.B. in einem Geschäft, Restaurant oder Café sind, wenn sie einen knielangen Rock und kein Kopftuch trägt, dann ist grundsätzlich sie diejenige, an die das Wort gerichtet, mich lässt man als Kopftuchträgerin erstmal außen vor, was mir zum einen ganz Recht ist und mir zum anderen auch wieder das Gefühl gibt, daß meine Partnerin über mir steht. Wie das ist, wenn wir beide ein Kopftuch tragen weiß ich nicht, aber wäre mal spannend das rauszufinden.
Meine Partnerin könnte das Kopftuch nicht wie ich ständig tragen, schon allein wegen ihrer Arbeit nicht, weil es in ihrem Job sicher nicht akzeptiert werden würde, wenn sie ein Kopftuch trägt. Außerdem paßt ein Kopftuch nicht so wirklich zu Buisness-Kostümen, selbst wenn es eins mit langem Rock ist, wovon Nicole auch ein paar besitzt. Allerdings hat sie schon mal die Option geäußert, daß sie es ja immer in der Freizeit und an den Wochenenden tragen könnte. Aber ob mir das so recht wäre? Eigentlich möchte ich in der Beziehung für Kopftuchträgerin sein, während sie tragen kann was sie will und auch die Freiheit hat zu tragen was sie will.
Naja, aber ich finde es auf jeden Fall ganz toll, daß sie es mal über einen etwas längeren Zeitraum tragen will und es wird bestimmt schön. Danach sehen beide klarer, Sie, ob es was für sie wäre ständig ein Kopftuch zu tragen und ich ob es was für mich wäre, wenn meine Ehefrau auch Kopftuch und muslimischen Damen Hijab-Mode trägt.

Ich bin ja mal gespannt wie es wird und ob sie es die nächste Woche durch hält. Ich werde dann berichten.

Liebe Grüße
Amirah (Diana)